Zivile Flugzeuge in Gefahr?

Airlines alarmiert wegen russischen Raketen auf Syrien 

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Ein Abschluss einer russischen Rakete von einem Kriegsschiff. Derzeit beschießt die russiche Armee Ziele im Bürgerkriegsland Syrien.

Berlin - Russische Marschflugkörper kreuzen internationale Flugrouten. Luftfahrtbehörden sind beunruhigt. Moskau hält sich zu Einzelheiten bedeckt.

Die von Russland im syrischen Bürgerkrieg eingesetzten Marschflugkörper alarmieren einem Medienbericht zufolge Luftfahrt- Organisationen und Fluglinien. Das russische Militär feuerte vor wenigen Tagen erstmals von Kriegsschiffen im Kaspischen Meer aus Raketen auf Ziele in dem Bürgerkriegsland. Die Europäische Agentur für Luftfahrtsicherheit (EASA) veröffentlichte anschließend eine Sicherheitsinformation für Fluggesellschaften, die den Luftraum über dem Kaspischen Meer, dem Iran und dem Irak nutzen. Die Cruise Missiles flögen unter kommerziell genutzten Flugrouten hindurch, heißt es in dem Schreiben, über das zuerst die „Welt“ (Montag) berichtete.

Russland engagiert sich seit Ende September militärisch in dem Bürgerkrieg in Syrien. Zu Einzelheiten über den Einsatz der Marschflugkörper vom Typ 3?14 Kalibr (Nato-Code SS-N-30A „Sizzler“) äußerte sich die Regierung nicht. Ein namentlich nicht genannter Mitarbeiter der Luftfahrtbranche sagte am Montag der Agentur Interfax in Moskau: „Die russischen Raketen stellen keine Bedrohung für Flugzeuge dar, weil sie viel niedriger als die Untergrenze fliegen, um vom Radar nicht erfasst zu werden. Die Flugschneisen der zivilen Luftfahrt liegen viel höher.“

Darauf verwies auch der deutsche Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt. Die maximale Flughöhe von Marschflugkörpern liege bei sechs Kilometern, also deutlich unter der von Verkehrsflugzeugen, sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Im Normalfall fliegen sie aber sehr viel tiefer.“ Zudem würden Syrien und der Irak derzeit nicht von großen europäischen Gesellschaften überflogen.

Im Juli 2014 war eine Passagiermaschine der Malaysia Airlines mit der Flugnummer MH17 über dem ukrainischen Kriegsgebiet Donbass abgeschossen worden. An Bord waren 298 Menschen. Die Hintergründe der Katastrophe sind noch nicht restlos aufgeklärt.

Die EASA sprach in ihrem nun veröffentlichten Hinweis noch keine speziellen Empfehlungen aus. Sie werde diesen jedoch entsprechend ergänzen, wenn sie weitere Informationen zur Lage in der betroffenen Region erhalte. Die EASA in Köln war am Montag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Air France traf der „Welt“ zufolge auf Empfehlung ihrer eigenen Sicherheitsdirektion bereits spezielle Vorkehrungen für den Überflug des Irans und des Kaspischen Meeres. Aus Sicherheitsgründen wolle die Airline jedoch keine weiteren Einzelheiten nennen, schrieb die Zeitung. Eine Lufthansa-Sprecherin sagte der „Welt“, nach aktueller Erkenntnis bestehe keine Erfordernis, auf alternative Routen auszuweichen. Aber grundsätzlich sei die Lage instabil.

Seit September greifen russische Kampfjets Ziele in Syrien an. Moskau gibt an, Extremisten wie die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu bombardieren. Die USA und andere Staaten kritisieren, dass Russlands Luftwaffe weniger den IS, als vielmehr andere Regimegegner angreife, um den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad an der Macht zu halten. Dank der russischen Unterstützung hatten dessen Truppen am Wochenende Geländegewinne in Zentralsyrien erzielt.

dpa

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