Naturschützer protestieren

Bayrischer Aktionsplan: Almbauern sollen Wölfe schießen dürfen

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Sorgt weiter für Diskussionen: Der Wolf, hier ein Exemplar im Tier-Freigelände im Nationalpark Bayerischer Wald.

München. Der Wolf sorgt in Bayern seit langem für Diskussionen - nun hat die Staatsregierung ihren Entwurf für einen Aktionsplan vorgelegt. Naturschutzverbände kritisieren ihn heftig. 

An einigen Stellen sei der Aktionsplan zudem nicht mit geltendem Naturschutzrecht vereinbar, betonen die Verbände: Ein "Abschuss auf Verdacht" - der sogenannte Präventionsschuss - sei verboten.

„Die Alm ist bisher auch ohne den Wolf ausgekommen“, sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) unlängst zu bayerischen Almbauern. Und das soll auch so bleiben. Während die CSU vor der Landtagswahl in Umfragen weiter an Zuspruch verliert, sorgt der Entwurf der Staatsregierung für einen Aktionsplan Wolf im Freistaat für Schlagzeilen. Einzelne Exemplare des grauen Raubtieres oder ganze Rudel könnten künftig zum Abschuss freigegeben werden.

Tierhalter, Jäger und Waldbesitzer haben Ähnliches angesichts steigender Nutztierrisse auch im Norden gefordert, in Niedersachsen etwa. Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) dachte dort schon laut über Abschüsse nach. „Wir können dem Wolf nur eine Grenze zeigen, wenn wir auch mal einen entnehmen“, zitierte die Hannoversche Allgemeine Zeitung sie im Mai. Die Anzahl der Wölfe sei groß genug dafür.

Mehr als 150 Wölfe sollen inzwischen durch Niedersachsen streifen, von 15 Rudeln gehen die Behörden aus.

In Bayern hingegen leben laut Süddeutscher Zeitung (SZ) nur drei Wolfspaare – je eines im Bayerischen Wald, auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr und im Veldensteiner Forst bei Pegnitz. Seit aber vermutlich Ende Juli ein durchwandernder Wolf im Oberallgäu drei Kälber gerissen hat, werden Forderungen nach „wolfsfreien Zonen“ auf Alpen und Almen immer lauter. Wo weder Schutzzäune gebaut noch Herdenschutzhunde eingesetzt werden könnten, sollen Wölfe geschossen werden dürfen, wenn sie Nutztieren zu nahe kommen, zitiert die SZ das Papier der Staatsregierung.

Nachdem der Aktionsplan-Entwurf Verbänden und Organisationen vorgelegt wurde, macht unter anderen der Bund Naturschutz (BN) mobil: „Wolfsmanagement mit dem Gewehr in der Hand statt gutem Herdenschutz und Beratung für die Weidetierhalter lehnen wir ab“, so BN-Vorsitzender Richard Mergner. „Abschüsse auf Verdacht“ verbiete das EU-Recht. Als letztes Mittel dürfe ein Wolf nach Einzelfallprüfung nur geschossen werden, wenn er eine Gefahr für Menschen sei. Die Staatsregierung, so der BN, solle lieber dafür sorgen, dass Herdenschutzprogramme in Gang kämen – wie in anderen Bundesländern auch.

Jenseits der Grenze hat das Bundesland Niederösterreich unterdessen vergangene Woche Jägern bis Jahresende in zwei Gemeinden des Waldviertels Schüsse auf Wölfe gestattet. Zuvor hatten gut zwei Dutzend Schafsrisse in der Gegend für Aufregung gesorgt. Erlaubt sind aber nur Schreckschüsse mit nicht tödlichen Gummigeschossen und wenn Nutztiere gefährdet sind, meldete die Zeitung Kurier.

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