Aktivisten: Wieder Tote bei Kämpfen in Syrien

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In Syrien ist es offenbar wieder zu Kämpfen gekommen.

Kairo/Beirut - In Syrien sind bei einer neuen Offensive der Regierungstruppen in den Protesthochburgen nach Angaben von Aktivisten mindestens 50 Menschen getötet worden.

Von den USA veröffentlichte Satellitenbilder deuten außerdem darauf hin, dass sich die Streitkräfte bislang entgegen der Beteuerungen aus Damaskus nicht in wesentlichem Umfang aus den Städten zurückziehen, wie es der Friedensplan des Sondergesandten der Arabischen Liga und der UN, Kofi Annan, verlangt. Auch Aktivisten berichteten, Soldaten und Scharfschützen seien nicht aus den umkämpften Orten abgezogen.

Bis Dienstag haben die syrischen Truppen dem international unterstützen Plan zufolge Zeit, aus den bewohnten Gebieten abzuziehen, bevor am Donnerstag um 18.00 Uhr ein Waffenstillstand in Kraft treten soll. Die jüngsten Vorstöße legen jedoch nahe, dass die syrische Regierung zuvor noch gegenüber den Rebellen an Boden gewinnen will. „Sie versuchen systematisch die Revolte ohne Rücksicht auf die Kosten an Menschenleben überall dort niederzuschlagen, wo sie können“, sagte der Aktivist Mohammad Saeed in Duma, einem Vorort von Damaskus.

Die syrischen Regierungstruppen starteten in den vergangenen Tagen in verschiedenen Teilen des Landes neue Offensiven. Nach tagelangen Gefechten mit abtrünnigen Soldaten hätten die Regierungstruppen am Samstag den Ort Al Latamneh außerhalb der Stadt Hama in Zentralsyrien mit Artilleriegranaten beschossen und versucht zu stürmen, berichtete das Syrische Observatorium für Menschenrechte. Insgesamt seien am Samstag mindestens 53 Menschen im ganzen Land getötet worden, teilten verschiedene Oppositionsgruppen mit.

In der Nachbarprovinz Homs sind nach Angaben von Aktivisten die von Rebellen gehaltenen Teile der Städte Rastan, Deir Baalabeh und Kasair mit Granaten beschossen worden. Dabei kamen den Berichten zufolge mindestens drei Menschen ums Leben, darunter eine Mutter und ihr Sohn. Außerdem seien 13 nicht identifizierte Leichen in Deir Baalabeh und zehn in Hreitan in der nördlichen Provinz Idlib entdeckt worden, teilte das Syrische Observatorium für Menschenrechte mit.

Nach Angaben libanesischer Sicherheitskräfte wurden sechs Menschen bei einem Raketenangriff auf einen Bus getötet und 21 verletzt. Der Angriff habe stattgefunden, nachdem der libanesische Bus die Grenze zu Syrien überquert habe, hieß es. In dem Bus saßen Pilger auf dem Weg in den Irak. Den Behördenangaben zufolge wurden fünf Syrer und ein Libanese getötet. Zunächst blieb unklar, wer die Rakete abfeuerte und wie viele der Toten Insassen des Busses und wie viele Passanten waren.

UN-Generalsekretär kritisiert anhaltende Gewalt

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon warf der syrischen Regierung vor, weiterhin unschuldige Zivilpersonen zu töten. Trotz der Zusage von Damaskus, bis zum kommenden Dienstag alle Soldaten und schweren Waffen aus Bevölkerungszentren abzuziehen, dauere die Gewalt in einem alarmierenden Ausmaß an, sagte Ban.

Mehr als eine Million Syrer seien davon betroffen, die Zahl der in Nachbarländern eintreffenden Flüchtlinge sei alarmierend. Die vom Weltsicherheitsrat befürwortete Frist bis zum 10. April sei „keine Entschuldigung für fortgesetztes Töten“, warnte Ban in einer am Freitag in New York veröffentlichten Erklärung.

Der US-Botschafter in Syrien wirft dem Regime in einer auf den Facebook-Seiten der mittlerweile geschlossenen Botschaft veröffentlichten Erklärung ebenfalls Inkonsequenz beim Truppenabzug vor. Oft würden die Einheiten nur wenig verlegt, sagt er. Damit bleiben sie in Schlagdistanz. Seine Informationen basierten auf Satellitenbildern, die vor und nach dem von der syrischen Regierung bekanntgegebenen Rückzug aufgenommen und auf der Facebook-Seiten der US-Botschaft veröffentlicht wurden, teilte Botschafter Robert Ford in der Erklärung vom Freitag mit. Festnahmen, Durchsuchungen und Artilleriebeschuss der Stellungen der Opposition gingen weiter.

Ford rief Assad auf, einer UN-Beobachtermission volle Bewegungsfreiheit in ganz Syrien zu gewähren, damit diese die Einhaltung der Vereinbarungen überwachen könne. „Das Regime und das syrische Volk sollten wissen, dass wir sie beobachten. Das Regime kann die Wahrheit nicht verstecken“, teilte Ford mit.

Am Freitag traf sich ein kleines Vorab-Team der UN unter Führung des norwegischen Generalmajors Robert Mood mit dem stellvertretenden syrischen Außenminister, um über den geplanten Waffenstillstand zu sprechen. Mood soll im Falle erfolgreicher Verhandlungen eine 200 bis 250 Mann starke Beobachtermission aufbauen.

Laut Schätzungen der Vereinten Nationen kamen während des seit über einem Jahr anhaltenden Aufstands in Syrien über 9.000 Menschen ums Leben. In einem Brief an die UN teilte Syrien am Freitag mit, 2.088 Mitglieder der Streitkräfte und 478 Polizisten seien getötet worden. Den Tod von Regimegegnern räumt die syrische Regierung so gut wie nie ein.

dapd

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