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Russland-Politiker spricht von „Terroranschlag“ – Putin befiehlt schärfere Kontrolle

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Von: Bedrettin Bölükbasi, Michelle Brey, Franziska Schwarz

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Auf der Krimbrücke kam es am Samstag zu einer Explosion. Offenbar ist der ukrainische Geheimdienst dafür verantwortlich. News-Ticker zum Militärgeschehen im Ukraine-Krieg.

Update vom 8. Oktober, 19.54 Uhr: Wladimir Putin hat per Dekret den Geheimdienst FSB angewiesen, die Kontrolle über die durch eine Explosion beschädigte Krim-Brücke zu verschärfen. „Dem FSB werden die Vollmachten übertragen zur Organisation und Koordination von Schutzmaßnahmen für den Transportweg über die Meerenge von Kertsch, für die Strombrücke der Russischen Föderation auf die Halbinsel Krim und die Gaspipeline vom Gebiet Krasnodar Krim“, heißt es in dem am Samstag veröffentlichten Dekret. Es handelt sich dabei um die erste Maßnahme des Kremls nach der Explosion am Morgen, die mutmaßlich durch einen Anschlag herbeigeführt wurde.

Bislang war die Verantwortung für die Sicherheit der Brücke laut dem Duma-Abgeordneten Alexander Chinstein dreigeteilt. Für die Überwachung des Luftraums war das Verteidigungsministerium verantwortlich, für die Seeüberwachung die Nationalgarde „Rosgwardija“. Die Auto- und Eisenbahnstrecke selbst wurde jedoch vom Verkehrsministerium kontrolliert.

Update vom 8. Oktober, 18.50 Uhr: Noch ist unklar, wer für die Explosion einer Lkw-Bombe auf der Krim-Brücke verantwortlich war. Während Russland der Ukraine Schuld zuweist, führt laut der Ukraine die Spur der Verantwortlichen viel mehr nach Russland. „Es ist erwähnenswert, dass der explodierte Lastwagen allen Anzeichen nach von der russischen Seite auf die Brücke fuhr“, erklärte der ukrainische Präsidentenberater Mychailo Podoljak am Samstag. Weiter sagte er: „Die Antworten sollten also in Russland gesucht werden.“

Explosion auf Krim-Brücke: Russischer Außenpolitiker spricht von ukrainischem „Terroranschlag“

Update vom 8. Oktober, 18.13 Uhr: Der russische Außenpolitiker Leonid Sluzki hat am Samstagabend in Simferpool, der Hauptstadt der Halbinsel Krim, die Explosion auf der Brücke als einen „Terroranschlag“ bezeichnet. So seien Folgen laut dem Politiker „unabwendbar“, sollte sich eine ukrainische Spur bei der Explosion bestätigen. „Die Antwort sollte hart ausfallen, aber nicht unbedingt frontal“, sagte der Leiter des Auswärtigen Ausschusses in der Staatsduma.

Flammen und Rauch steigen von der Krim-Brücke auf, die das russische Festland und die Halbinsel Krim über die Straße von Kertsch verbindet.
Flammen und Rauch steigen von der Krim-Brücke auf, die das russische Festland und die Halbinsel Krim über die Straße von Kertsch verbindet. © Uncredited/AP/dpa

Laut Sluzki sei es naheliegend, dass der Anschlag von Kiew organisiert wurde. Darauf lassen ihm zufolge die Aussagen mehrerer Prominenter Politiker in der Ukraine schließen. Ukrainische Medien hatten berichtet, der Geheimdienst SBU in Kiew stecke hinter der Spezialoperation. „Das kann ein Akt von Staatsterrorismus sein, für den es, wie wir sehen, in den europäischen Hauptstädten Applaus gibt“, so Sluzki weiter. Russland habe laut ihm Erfahrungen mit dem Kampf gegen Terrorismus, zukünftige „Anschläge“ müssten verhindert werden.

Auf der Krimbrücke wurde unterdessen am Samstagabend der Zugverkehr mit der Abfahrt der Züge aus den Städten Simferopol und Sewastopol nach Moskau wieder aufgenommen, wie der Betreiber des Personenzugdienstes mitteilte. Darüber hatte zuvor CNN berichtet.

Update vom 8. Oktober, 16.38 Uhr: Nachdem auf der Brücke zu der von Russland annektierten Halbinsel Krim eine Bombe explodiert war, ist der Verkehr am Samstag nach Angaben von Behörden wieder freigegeben worden. So sei die Brücke wieder „offen für Autos und Busse“, teilte der Verwaltungschef der Krim, Sergej Aksjonow, auf Telegram mit. Wer für die Explosion verantwortlich war, blieb zunächst weiterhin im Dunkeln.

AKW Saporischschja erneut vom Stromnetz abgeschnitten

Update vom 8. Oktober, 16.32 Uhr: Das von Russland besetzte Atomkraftwerk Saporischschja ist erneut vollkommen vom ukrainischen Stromnetz abgeschnitten worden. Am Samstagmorgen wurde die letzte verbliebene Hauptstromleitung „aufgrund eines erneuten Beschusses durch russische Truppen“ beschädigt, teilte der ukrainische Kraftwerksbetreiber Enerhoatom mit. Damit fällt aktuell die Kühlung der Brennstäbe des größten Atomkraftwerks Europas aus.

Das AKW wurde bereits vor Wochen heruntergefahren, wodurch automatisch Dieselgeneratoren angesprungen seien. Wie es weiter heißt, reichten diese für zehn Tage für einen Notbetrieb aus. Während der Unterbrechung lief die Stromversorgung über Notfall-Leitungen sowie über den letzten der sechs Reaktoren, der damals noch in Betrieb war. Anschließend wurde auch der letzte Reaktor aus Sorge vor einem Atomunfall heruntergefahren. Die Stromleitungen müssten aber dringend repariert werden, da das Nuklearmaterial auch im abgeschalteten Zustand weiter gekühlt werden muss. Russland kontrolliert das AKW faktisch seit Anfang März.

Nach schweren Niederlagen: Kreml ernennt neuen „Spezialoperation“-Kommandeur in der Ukraine

Update vom 8. Oktober, 15.25 Uhr: Nach schweren Niederlagen gegen das ukrainische Militär im Osten und Süden der Ukraine tauscht der Kreml nun den Kommandeur seines Angriffskrieges in der Ukraine aus. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Ria Nowosti hat Verteidigungsminister Sergei Schoigu General Sergei Surowikin als den neuen Kommandeur der russischen Truppen in der Ukraine ernannt. Surowikin sei jetzt der neue Kommandeur russischer Einheiten „im Gebiet der Spezialoperation“, hieß es demnach aus Moskau. Moskau bezeichnet den Angriffskrieg in der Ukraine als „militärische Spezialoperation“.

Mit der Ernennung des neuen Kommandeurs kommt Schoigu nach Meinung von Kommentatoren seinen Kritikern entgegen, die angesichts von Niederlagen eine Neuaufstellung der Truppen in der Ukraine gefordert hatten. Die Lage war zuletzt von kremlnahen Militärbloggern als chaotisch und katastrophal beschrieben worden. Die Kriegsreporter, Feldkommandeure und die private Kampftruppe Wagner reagierten Medien zufolge begeistert auf die Ernennung des „verantwortungsbewussten“ Soldaten.

Surowikin gilt als Offizier mit breiter Erfahrung in Kriegen, darunter in der Vergangenheit auch in Syrien und davor in der russischen Teilrepublik Tschetschenien im Nordkaukasus. Der „Held Russlands“ war 2017 zum Befehlshaber der Weltraumtruppen ernannt worden. Vor Surowikin stehen angesichts der vielen Erfolge der ukrainischen Armee bei ihrer Verteidigungsoffensive und der Rückeroberung vieler Ortschaften große Herausforderungen.

Ukraine-Krieg: Offenbar drei Todesfälle nach Explosion auf der Krimbrücke

Update vom 8. Oktober, 13.23 Uhr: Bei der schweren Explosion auf der Brücke zwischen Russland und der von Moskau annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim sind nach russischen Angaben mindestens drei Menschen gestorben. Das nationale Ermittlungskomitee teilte am Samstag mit, dass die Leichen aus dem Wasser gezogen worden seien. Es handele sich um vorläufige Angaben, hieß es. Die Menschen sollen in Autos gesessen haben, als am Morgen auf der Autostrecke der Krim-Brücke ein vom Festland kommender Lastwagen explodiert sei.

Wie CNN unter Berufung auf eine Mitteilung des Komitees auf Telegram berichtet, wurden die Daten des Lastwagens und seines Besitzers ermittelt. Es handele sich um einen Einwohner der Region Krasnodar in Russland. An dem Wohnort seien Ermittlungsmaßnahmen eingeleitet worden.

„Massive Explosion“ in Donezk: Güterzug getroffen

Update vom 8. Oktober, 12 Uhr: Nicht nur die Krimbrücke wurde von einer Explosion erschüttert. Wie der US-Sender CNN unter Berufung auf Petro Andrushenko, Berater des Bürgermeisters in Mariupol (Region in Donezk), berichtete, wurde ein Güterzug von einer „massiven Explosion“ getroffen. Dieser habe sich in Ilowajsk, einer Stadt in der von Russen besetzten Oblast Donezk befunden.

„Einheimische berichten von einer ziemlich starken Explosion und anschließender Detonation in der Nacht. Die Besatzer haben jetzt große Probleme mit der Versorgung von beiden Seiten“, sagte Andrushenko laut CNN und verwies damit auch auf die Explosion auf der Krimbrücke. Prorussische Behörden bestätigten die Explosion demIlowajsk Bericht zufolge.

Explosion auf Krimbrücke: „Symbol russischer Macht“ untergangen - offenbar steckt Ukraine-Geheimdienst dahinter

Update vom 8. Oktober, 11.25 Uhr: Für die Explosion auf der Krimbrücke soll offenbar der ukrainische Inlandsgeheimdienst (SBU) verantwortlich sein. Das bestätigte eine Quelle gegenüber der Nachrichtenagentur Interfax. Auch die Internetzeitung Ukrajinska Prawda berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise in Kiew, dass der Geheimdienst SBU hinter der Spezialoperation stecke. Der SBU bestätigte das nicht.

Indes schrieb das ukrainische Verteidigungsministerium auf Twitter, dass mit dem Kriegsschiff Moskwa und der Krimbrücke „zwei berüchtigte Symbole russischer Macht“ untergegangen seien. „Was steht als Nächstes an, Russen?“, so die Schlussworte in dem Tweet.

Der SBU verfasste auf Twitter ebenfalls am Samstagmorgen einen Tweet. Die Worte lehnen sich an ein Gedicht des ukrainischen Poeten Taras Shevshenko an. Es brenne eine Brücke, der SBU treffe sich, heißt es.

Ukraine-Krieg: Krimbrücke nach Explosion teilweise eingestürzt

Update vom 8. Oktober, 10.50 Uhr: Nach einer Explosion und einem Feuer sollen die Schäden auf der Krimbrücke massiv sein. Kremlnahe Medien veröffentlichten Videos, auf denen ins Wasser gestürzte Autobahnteile und eine zerstörte Fahrbahn zu sehen sind. Auf der daneben gelegenen Zugstrecke sind mehrere ausgebrannte Waggons eines Güterzugs zu sehen, in denen Diesel transportiert worden sein soll. Wie das russische Zivilschutzministerium mitteilte, sei der Brand gelöscht. Verletzte gab es offiziellen Angaben zufolge nicht.

Die Brücke über die Straße von Kertsch, die auf die Halbinsel Krim führt, ist teilweise eingebrochen. Hintergrund ist eine Explosion.
Die Brücke über die Straße von Kertsch, die zur von Russland besetzten ukrainischen Halbinsel Krim führt, ist teilweise eingebrochen. Hintergrund ist eine Explosion. © Moya Feodosiya/imago

Britischer Geheimdienst mit Ukraine-Update: Kritik an Militärführung in Russland wächst

Update vom 8. Oktober, 10.40 Uhr: Nach Ansicht britischer Experten sieht sich die russische Militärführung mit wachsender Kritik im eigenen Land konfrontiert. Hintergrund seien die Rückschläge der Armee. Zwar sei die politische Führung bislang davon ausgenommen, doch stelle das einen Trend öffentlich geäußerten Widerspruchs gegen das russische Establishment dar, „der wohl nur schwer umgekehrt werden kann“, hieß es in dem täglichen Geheimdienst-Update des britischen Verteidigungsministeriums am Samstag.

An der Spitze eines Pro-Krieg-Blocks werden demnach der tschetschenische Machthaber Ramsan Kadyrow und der Chef der Wagner-Söldnertruppe Jewgeni Prigoschin wahrgenommen, die sich für einen stärkeren Einsatz des Staates und eine größere Bereitschaft zur Eskalation des Konflikts einsetzten. Kritik komme jedoch auch von TV-Moderatoren, Popstars und einer „zunehmend lautstarken Gemeinde von ultra-nationalistischen Militär-Bloggern“, so die Mitteilung weiter.

Explosion und Feuer auf der Krimbrücke: Selenskyj-Berater reagiert – „Putin sollte froh sein“

Update vom 8. Oktober, 9.40 Uhr: Aus der Ukraine kam nun die erste Reaktion auf die Explosion und das Feuer auf der Krimbrücke. „Die Krim, die Brücke, der Anfang“, schrieb der Berater des ukrainischen Präsidenten Selenskyj, Mikhailo Podolyak, auf Twitter. „Alles Illegale muss vernichtet, alles Gestohlene an die Ukraine zurückgegeben, alles von Russland Besetzte vertrieben werden“, hieß es weiter von Podolyak.

Ein hochrangiger ukrainischer Militärbeamter wollte gegenüber der US-Zeitung New York Times weder bestätigen noch bestreiten, ob die Ukraine hinter dem Angriff steckt. Er betonte lediglich, dass während der Explosion ein Zug mit Treibstoff für „Besatzungskräfte“ im Süden der Ukraine über die Brücke gefahren sei. Der Beamte scherzte zudem: „Putin sollte froh sein. Nicht jeder bekommt so ein teures Geschenk an seinem Geburtstag.“ Der russische Machthaber feierte gestern (7. Oktober) seinen 70. Geburtstag.

Ukraine-Krieg: Explosion auf der Krimbrücke - Pro-Russen machen die Ukraine verantwortlich

Update vom 8. Oktober, 8.20 Uhr: Für die schwere Explosion und den Brand auf der Krimbrücke machen russische Behörden eine Autobombe verantwortlich, wie die russische staatliche Nachrichtenagentur Tass berichtete. Demnach habe die Explosion der Autobombe auf der Brücke zum Brand von sieben Treibstoffwagons geführt. Pro-russische Behörden auf der Halbinsel behaupteten, der Angriff sei von der Ukraine durchgeführt worden.

Ukraine-Krieg: Schwere Explosionen auf der Krimbrücke - riesiger Brand bricht aus

Update vom 8. Oktober, 7.50 Uhr: Nach mehreren schweren Explosionen auf der von Russland besetzten Schwarzmeer-Halbinsel Krim ist nach russischen Behördenangaben ein großer Brand auf der Bahnbrücke ausgebrochen. Es brannte dem Anschein nach ein Waggon mit Treibstoff, wie auf in russischen und ukrainischen Medien verbreiteten Bildern und Fotos zu sehen war. Die Fahrbahn auf dem Straßenteil war demnach auch massiv beschädigt. Es war laut den Behörden auf der Krim unklar, was genau passiert war. Der Verkehr wurde eingestellt. Geprüft werde eine Fährverbindung, teilte die Regierung in Simferopol mit. Es gab demnach ersten Erkenntnissen zufolge keine Verletzten oder Toten.

Kiew hatte immer wieder damit gedroht, die von Kremlchef Wladimir Putin eingeweihte Brücke zwischen der Halbinsel und dem russischen Festland unter Beschuss zu nehmen. Zuletzt kam es in der Region Kertsch, die auf der Krim direkt an die Brücke grenzt, immer wieder zu Zwischenfällen mit Drohnen, die explodierten. Russland hatte eindringlich davor gewarnt, die Brücke – ein zentrales strategisches Bauwerk – unter Beschuss zu nehmen und für den Fall auch damit gedroht, Kommandozentralen in der ukrainischen Hauptstadt Kiew ins Visier zu nehmen.

Ukraine-Krieg: Nach Russland-Rückzug - Hunderte Gräber und ein Massengrab in Lyman entdeckt

Update vom 8. Oktober, 7.15 Uhr: Nach dem Abzug russischer Truppen aus der Stadt Lyman im Osten der Ukraine haben die Behörden nach eigenen Angaben rund 200 Gräber und ein Massengrab gefunden. Mit den Exhumierungen sei bereits begonnen worden, schrieb der Militärgouverneur des Gebiets Donezk, Pawlo Kyrylenko, am Freitagabend in seinem Kanal im Nachrichtendienst Telegram. Dazu veröffentlichte er Fotos, die viele kleine Holzkreuze und Einsatzkräfte in weißen Schutzanzügen zeigten. Die zeitweise von russischen Truppen besetzte, strategisch wichtige Kleinstadt war von den Ukrainern Anfang Oktober zurückerobert worden.

Bei den Toten könne es sich ersten Erkenntnissen zufolge sowohl um ukrainische Soldaten als auch um Zivilisten handeln, hieß es. Wie viele Leichen in dem Massengrab lägen, müsse erst noch ermittelt werden. Polizeiangaben zufolge sollen unter den getöteten Menschen auch mehrere Kleinkinder und ganze Familien sein. Bereits am vergangenen Mittwoch hatten ukrainische Medien über den Fund Dutzender Gräber in Lyman berichtet. Einige der Opfer sollen durch heftigen Beschuss im Zuge der russischen Eroberung des Ortes im Mai ums Leben gekommen sein.

Ukraine meldet Rückeroberung von fast 2500 Quadratkilometern

Update vom 7. Oktober, 22.21 Uhr: Seit Beginn der jüngsten Gegenoffensive Ende September haben die ukrainischen Streitkräfte nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj fast 2500 Quadratkilometer von den russischen Truppen zurückerobert. „Allein diese Woche haben unsere Soldaten 776 Quadratkilometer im Osten unseres Landes und 29 Siedlungen befreit, darunter sechs in der Region Luhansk“, sagte Selenskyj am Freitag in seiner abendlichen, in Online-Netzwerken veröffentlichten Videoansprache. Insgesamt seien seit dem Beginn der Gegenoffensive „schon 2434 Quadratkilometer von unserem Land und 96 Siedlungen befreit worden“. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig verifizieren.

Die Ukraine hat in den vergangenen Tagen einen zweiten bedeutenden Vorstoß unternommen, um Gebiete in der nordöstlichen Region Charkiw zurückzuerobern sowie im Süden nahe der russisch kontrollierten Stadt Cherson. Mitte September hatte Selenskyj erklärt, in ihrer ersten Gegenoffensive hätten die ukrainischen Streitkräfte fast 6000 Quadratkilometer russisch besetzten Gebiets wieder zurückerobert. Nach einer Reihe von Niederlagen an mehreren Fronten hatten die russischen Truppen am Freitag erstmals wieder Geländegewinne in der Ostukraine vermeldet.

Mindestens zwölf Tote durch russische Luftangriffe in der Oblast Saporischschja

Update vom 7. Oktober, 19.26 Uhr: Bei den russischen Luftangriffen in der Oblast Saporischschja sind ukrainischen Angaben vom Freitag zufolge mindestens zwölf Menschen getötet worden. Es seien zwei Wohnhäuser und zivile Infrastruktur zerstört worden. Bei dem Angriff seien iranische Shahed-136-Drohnen zum Einsatz gekommen, hieß es.

Im Oblast Cherson soll das ukrainische Militär eigenen Angaben zufolge über 2.400 Quadratkilometer befreit haben, wie der stellvertretende Leiter des Präsidialamtes Kyrylo Tymoshenko am Freitag bekannt gab. Zudem seien über 20.000 Zivilisten, darunter 3.531 Kinder, aus den von Russland besetzten Teilen der Region in Sicherheit gebracht worden. Diese Angaben ließen sich nicht unabhängig verifizieren.

Ukrainischer Präsident betont Bedeutung von Luftabwehrsystemen für die Ukraine

Update vom 7. Oktober, 15.35 Uhr: Auf dem EU-Gipfel in Prag hat Wolodymyr Selenskyj betont, wie wichtig für die Ukraine Luftabwehrsysteme seien, um Angriffe auf die Energie-Infrastruktur abzuwehren und damit „zu verhindern, dass Russland die Menschen im Winter ohne Wärme und Strom lässt“. Das sagte er in einer von seinem Büro veröffentlichten Videoschalte. Der ukrainische Präsident begründete seine Forderung nach weiteren Waffen aus dem Westen mit den Nord-Stream-Anschlägen: „So etwas können Sie jetzt von Russland erwarten.“ Moskau bestreitet jede Verantwortung für die Lecks in den Gaspipelines.

Ukraine-News: Hotline zum Projekt „Ich möchte leben“

Update vom 7. Oktober, 11.30 Uhr: Nach Angaben der Ukraine haben tausende Russen die ukrainische Hotline zum Projekt „Ich möchte leben“ kontaktiert. Das ukrainische Verteidigungsministerium hatte es vergangene Woche präsentiert. Die Hotline soll russischen Soldaten sowie neuen Rekruten, die sich an das ukrainische Militär ergeben wollen, Unterstützung leisten. Bislang habe man mehr als 2.000 Anrufe registriert, zitierte das ukrainische Militärforum ArmyInform die stellvertretende ukrainische Verteidigungsministerin Hanna Malyar aus einer Pressekonferenz. „Sie fragen, wie sie sich ergeben können. Das ist die richtige Entscheidung“, so Malyar. Dies zeige, dass die russische Bevölkerung nicht bereit dazu ist, in der Ukraine zu kämpfen.

Ukraine sichert russischen Soldaten Schutz zu - „Euer Präsident versteckt sich im Bunker“

Update vom 7. Oktober, 11.00 Uhr: Die Ukraine hat die im Land kämpfenden russischen Soldaten zum Aufgeben aufgerufen und ihnen im Gegenzug Schutz zugesichert. Die Ukraine garantiere „Leben, Sicherheit und Gerechtigkeit für alle, die sofort den Kampf verweigern“, sagte Verteidigungsminister Oleksij Resnikow in einem Video in russischer Sprache: „Ihr könnt immer noch Russland vor einer Tragödie und die russische Armee vor Demütigung bewahren.“

Die Ukraine werde dafür sorgen, dass die russischen Befehlshaber, die „kriminelle Befehle erteilt“ hätten, vor ein Tribunal gestellt werden, sagte Resnikow. „Ihr seid getäuscht und betrogen worden“, betonte der Verteidigungsminister. Es sei für die Befehlshaber einfacher, „euch zu erzählen, dass ihr im Kampf gegen imaginäre Nato-Horden heroisch gestorben seid“. Zwar lieferten Nato-Länder der Ukraine Waffen, doch seien es „ukrainische Soldaten, die euch mit diesen Waffen schlagen“.

„Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj besucht die Front. Unser Präsident ist mit seiner Armee“, unterstrich Resnikow in seiner Ansprache und fragte schließlich: „Wo ist euer Präsident?“ Putin opfere russische Soldaten für eine unrechtmäßige Sache und verstecke sich selbst im Bunker. „Er hat Angst vor eurer Erkenntnis, eurer Verachtung und eurer berechtigten Wut“, so der ukrainische Verteidigungsminister.

Ukraine-Krieg: Ukrainische Armee offenbar in erbeuteten Panzern von Putins Militär unterwegs

Update vom 7. Oktober, 10.30 Uhr: Die ukrainische Armee nutzt nach Ansicht britischer Militärexperten inzwischen in großen Teilen von der russischen Invasionsarmee erbeutete Kampffahrzeuge. Mehr als die Hälfte der im Einsatz befindlichen ukrainischen Panzer stammen aus den Beständen Moskaus, hieß es in dem täglichen Geheimdienst-Update des britischen Verteidigungsministeriums zum Ukraine-Krieg. „Die Ukraine hat seit der Invasion wahrscheinlich mindestens 440 Kampfpanzer und etwa 650 gepanzerte Fahrzeuge erbeutet.“

Das Versäumnis russischer Besatzungen, funktionsfähiges Material vor einem Rückzug oder einer Aufgabe zu zerstören, zeige, wie schlecht die russischen Soldaten ausgebildet seien und wie niedrig die Kampfmoral sei. Es sei wahrscheinlich, dass die Russen weiterhin schwere Waffen verlieren, hieß es weiter. Inzwischen gilt Russland schon als „Waffenlieferant“ für das ukrainische Militär.

Iranische Drohnen in russischer Armee - Ukraine sieht unbedeutenden Faktor

Update vom 7. Oktober, 6.40 Uhr: Nach ukrainischen Angaben haben russische Truppen die Stadt Saporischschja erstmals mit Kamikazedrohnen ins Visier genommen. Dies teilte der Gouverneur Oleksandr Starukh im Kurznachrichtendienst Telegram mit. Dabei habe das russische Militär iranische Drohnen des Typs „Shaheed-136“ genutzt. Zwei Infrastruktur-Objekte seien zerstört worden, wobei es ein Opfer gebe.

„Die Besatzer nutzen alle verfügbaren Waffen gegen die zivile Bevölkerung der Region“, betonte Starukh. Er rief die Bevölkerung dazu auf, vorsichtig zu sein, die Überreste von russischer Munition nicht anzufassen und sich an die Sicherheitsvorgaben zu halten.

Indes zeigt sich die Ukraine zuversichtlich, dass die iranischen Drohnen in den Händen der Russen das Kampfgeschehen nicht wesentlich beeinflussen werden. „Um einen Durchbruch in wenigstens einem Teil der Front zu schaffen, brauchen sie mehrere Tausend dieser Drohnen“, zitierte die staatliche ukrainische Nachrichtenagentur Ukrinform den ukrainischen Oberst Petro Chernyk. Allerdings habe Russland nicht so viele Kamikazedrohnen zur Verfügung. Zudem habe das ukrainische Militär gelernt, diese Drohnen auszuschalten. Die US-Denkfabrik „Institute for the Study of War” (ISW) teilte in ihrem letzten Situationsbericht die Einschätzung, dass iranische Drohnen keinen großen Effekt auf das Kriegsgeschehen haben würden.

Ukraine-Krieg: Gegenoffensive in Cherson läuft - mehr als 400 Quadratkilometer „befreit“

Update vom 6. Oktober, 20.45 Uhr: Nach eigenen Angaben hat die Ukraine seit Anfang Oktober mehr als 400 Quadratkilometer Gebiet in der Region Cherson zurückerobert. Die Streitkräfte hätten seither ein Gebiet dieses Umfangs in der südlichen Region „befreit“, sagte die Sprecherin des ukrainischen Militärkommandos Süd, Natalia Gumenjuk. Unterdessen wurden bei Angriffen auf die Stadt Saporischschja im Süden und den ukrainisch besetzten Teil der östlichen Region Donezk wieder Zivilisten getötet.

Die ukrainische Armee bezifferte die eigenen Geländegewinne in der Region Cherson auf 29 Ortschaften seit Monatsbeginn. Die russische Armee schrieb hingegen in ihrem täglichen Bericht, es sei ihr in der Region gelungen, den „Feind zurückzuschlagen“.

Russische Panzer vor Prag und Warschau? Selenskyj warnt vor Niederlage der Ukraine

Update vom 6. Oktober, 18.35 Uhr: Wolodymyr Selenskyj warnt einmal mehr eindringlich vor russischen Angriffen auf weitere europäische Länder, sollte die Ukraine den Krieg verlieren. In einer Videoansprache an den Gründungsgipfel der neuen Europäischen Politischen Gemeinschaft in Prag forderte der ukrainische Präsident weitere Waffenhilfen vom Westen, um zu verhindern, „dass russische Panzer nach Warschau oder Prag fahren“.

„Der Angreifer muss bestraft werden, und dieser Krieg muss jetzt gewonnen werden - damit die russische Flotte nicht andere Häfen im Schwarzen Meer, im Mittelmeer oder in einem anderen Meer blockieren kann. Damit die russischen Panzer nicht auf Warschau oder Prag vorrücken können“, sagte Selenskyj.

Update vom 6. Oktober, 15.17 Uhr: Russische Reaktion auf die ukrainische Gegenoffensive. Nach mehreren Niederlagen melden russische Truppen Erfolge in der Ostukraine. Die Siedlung Sajzewe im Gebiet Donezk sei eingenommen worden, verkündete der Sprecher des Verteidigungsministeriums. Dabei seien auf ukrainischer Seite mehr als 120 Soldaten der 58. Panzergrenadiere und der 128. Gebirgssturmbrigade getötet worden. Diese Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen. Die Ukraine bestätigte den Verlust von Sajzewe zunächst nicht.

Saporischschja
Aufnahme vom 6. Oktober: Beschädigtes Gebäude in Saporischschja © Uncredited/Ukrainian Emergency Service/AP/dpa

Russischer Angriff auf ukrainische Stadt Saporischschja: Mindestens fünf Menschen verschüttet

Erstmeldung: Saporischschja/Kiew - Seit Anfang März kontrolliert Russland faktisch das größte AKW Europas. Das Kraftwerk ist in den vergangenen Monaten bei schweren Kämpfen mehrfach unter Beschuss geraten - und musste sogar heruntergefahren werden. Die Ukraine und Russland beschuldigen einander. Unabhängig prüfen ließen sich die Angaben zunächst nicht. Der Beschuss löste international Sorgen vor einer atomaren Katastrophe aus.

Nun sind bei russischen Angriffen auf die Stadt Saporischschja zwei Menschen getötet und fünf weitere verschüttet worden. Russische Truppen hätten mehrere Hochhäuser beschossen, teilten ukrainische Behörden mit. Mindestens fünf Menschen würden unter den Trümmern vermisst, „viele“ weitere seien gerettet worden. Unter anderem der Kyiv Independent teilte ein entsprechendes Foto:

Annexionen in der Ukraine: Putin stellt AKW Saporischschja unter russische Verwaltung

Die Stadt liegt in der gleichnamigen Region, in der auch das ebenso benannte AKW liegt. Dessen Chef, Ihor Muraschow, war am 30. Oktober von russischen Truppen festgenommen worden. Mittlerweile ist er nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), die mit mehreren Experten vor Ort ist, wieder bei seiner Familie.

Putin hatte vergangene Woche die Annexion der teils besetzten Regionen Cherson, Donezk, Luhansk, Donezk und eben Saporischschja bekannt gegeben. International wird dieser Schritt nicht anerkannt. (frs)

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