Alexander Dobrindt: Der Rambo als Minister ohne Glück

Freund drastischer Worte: Alexander Dobrindt (44). Foto: dpa

Kassel. Die Maut macht Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt das Leben schwer. Der CSU-Politiker schwächelt eindeutig. Ein Porträt.

Manche Leute, die Alexander Dobrindt persönlich kennen, bezeichnen ihn als höflich, freundlich und klug analysierend. Wenn sie mit ihm allein sind. Er ändert sich blitzschnell, wenn eine Fernsehkamera auf ihn gerichtet ist, ihm ein Mikrofon entgegengehalten wird oder ein Stammtisch in Hörweite ist. Dann gibt der 44-jährige CSU-Politiker, dessen großes Vorbild Franz-Josef Strauß ist, gern den Rambo. Zumindest in seiner Zeit als CSU-Generalsekretär von 2009 bis Dezember 2013 war er um drastische Worte nie verlegen. Nicht nur über den politischen Gegner.

Den damaligen Koalitionspartner FDP bezeichnete der verheiratete Vater eines kleinen Sohnes als „Gurkentruppe“ oder „Quartalsspinner“, was ihm den Spitznamen „Doofbrindt“ einbrachte. Den EZB-Präsidenten Mario Draghi nannte er einen „Falschmünzer“, worüber Kanzlerin Angela Merkel alles andere als amüsiert war. Sein Lieblingsfeind aber sind die Grünen, für ihn „keine Partei, sondern der politische Arm von Krawallmachern, Steinewerfern und Brandstiftern“. Eine Klage handelte sich der CSU-Generalsekretär ein, als er den homosexuellen Grünen-Politiker Volker Beck als „Vorsitzenden der Pädophilen-AG“ bezeichnete. Da hagelte es Kritik auch aus den eigenen Reihen, CSU-Chef Horst Seehofer griff ein.

Heute ist der Diplom-Soziologe, der mit 16 Jahren in die Junge Union und mit 20 in die CSU eintrat, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur. Er nahm 20 Kilo ab, legte sich eine moderne Brille zu, und versucht, sich staatsmännisch zu geben. Den Mund nimmt er nicht mehr so voll wie einst. Wenn er über die Pkw-Maut spricht, wirkt er fast kleinlaut, zumindest nicht triumphierend. Er weiß, dass sein Vorzeigeprojekt unter keinem guten Stern steht und er sich daran messen lassen muss. Er musste Federn lassen. Und erfuhr schmerzlich, welch ein Unterschied es ist, als Generalsekretär im Festzelt Wahlkampf zu machen oder ein Ministerium zu führen.

Ob sich der glücklos agierende Minister noch die komplette Amtsperiode halten wird, ist schon heute fraglich. Immerhin zählt Seehofer seinen einstigen Mann fürs Grobe zum Kreis seiner möglichen Nachfolger in Bayern. Vielleicht ein Feld, auf dem Dobrindt wieder holzen kann wie einst.

Von Peter Klebe

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.