Zeit voller Brauchtum und Erinnerungen, eigentlich eine stille Zeit der Verheißung

Konsum und Hektik? Advent ist Zeit des Fastens und Bußens

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So schön, wie es unser Leser Thomas Höse vor zwei Jahren mit seiner Kamera einfing, kann der Advent sein: Unser Archivbild von der weit ins Land leuchtenden Burgturmkerze entstand im nordhessischen Homberg (Schwalm-Eder-Kreis).

Am Sonntag beginnt die Adventszeit und mit ihr das Kirchenjahr. Was viele überraschen dürfte: Es war einmal eine Zeit des Innehaltens, eine Fastenzeit. Für manche Christen ist sie das immer noch.

Es geschah aber in jenen Zeiten, da erging ein Befehl von Kaiser Augustus, dass der ganze Erdkreis (in die Steuerlisten) aufgeschrieben werden solle.“ Mit diesen Worten beginnt die von Lukas erzählte Weihnachtsgeschichte in der Bibel. So endet die Adventszeit, mit welcher der Weihnachtsfestkreis und zugleich auch das ganze Kirchenjahr beginnt. Am Sonntag ist es wieder so weit: Erster Advent.

Heute ist es eine Zeit hektischer Betriebsamkeit, höchster Umsätze, anscheinend letztmöglicher Erledigung der Jahresgeschäfte. Und dann die Ernährung: Weihnachtsfeier hin, Dominosteine her. Ab Januar wird bereut.

Dass die Adventszeit, die seit dem elften Jahrhundert überliefert ist, der christlichen Lehre nach eigentlich eine Fasten- und Bußzeit ist, also eine stille, nachdenkliche Zeit des Verzichts und der Selbstprüfung - das wissen nur noch wenige. Lebendig ist diese Tradition heute fast nur noch bei orthodoxen Christen.

Wenn es gleichwohl ein Fest gibt, an dem Nicht-Kirchgänger vielfach doch zur Kirche gehen, dann ist dies exakt das Ziel der Adventszeit: Heiligabend. In den deutschen evangelischen Kirchen beginnt Weihnachten mit der Christmette an diesem Abend. Bei Katholiken ist es ähnlich: Weihnachten beginnt mit der ersten Vesper von Christi Geburt am 24. Dezember.

Adventliches Wörterbuch

ADVENTSBLASEN 

Adventsbläser sind zu hören in Kirchen, von Türmen oder auf öffentlichen Plätzen wie Weihnachtsmärkten. Mit ihren Instrumenten sollen sie symbolisch Christus auf die Erde herabblasen.

ADVENTSGEBÄCK 

In früheren Jahren mit oft karger Alltagskost sollten besondere Speisen die Bedeutung von Festen hervorheben. Adventsgebäck - einst oft mit Äpfeln, Nuss und Mandelkern verschenkt - versüßt auch heute in vielen Familien die Zeit bis Weihnachten.

ADVENTSKALENDER 

Seit etwa 1850 gab es Adventszeitmesser als Abrisskalender, Kreidetafeln oder Weihnachtsuhren. Anfang des 20. Jahrhunderts brachte ein Münchner Verleger den ersten gedruckten Adventskalender auf den Markt, um 1920 gab es das erste Exemplar mit Türchen zum Öffnen.

ADVENTSKRANZ 

Mitte des 19. Jahrhunderts soll es in einem Hamburger Jugendheim den ersten Adventskranz gegeben haben - damals noch mit 24 Lichtern, von denen vier größer waren. Mit vier Kerzen hielt der Brauch schnell Einzug in evangelische Haushalte in Norddeutschland. Bis in katholisch geprägte Gebiete breitete sich der Adventskranz erst nach dem Zweiten Weltkrieg aus.

ADVENTSLICHT   

Kerzen stehen im Advent symbolhaft für Jesus Christus, das Licht der Welt. Christliche Pfadfinder tragen bei ihrer Aktion Friedenslicht eine Flamme von der Geburtsgrotte Jesu in Bethlehem nach Europa. Dort wird das Licht verteilt, um im Advent allen Menschen als Zeichen für Hoffnung und Frieden zu leuchten.

ADVENTSLITURGIE

Erste Belege für eine Adventsliturgie (offizielle Form des Gottesdienstes, vom griechischen leitourgia: öffentlicher Dienst) kommen aus dem vierten Jahrhundert. Seit dem 16. Jahrhundert beginnt die Adventszeit am vierten Sonntag vor dem ersten Weihnachtstag.

ADVENTSSONNTAGE 

Jeder Sonntag der Adventszeit hat eine andere Bedeutung, bei katholischen und evangelischen Christen ist die Reihenfolge der vier Themen unterschiedlich. Es sind der Einzug Jesu in Jerusalem, die Wiederkunft Christi, Johannes der Täufer und Maria. (mit dpa)

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