Wintershall und Gazprom geben ihr milliardenschweres Tauschgeschäft auf

Alles wieder auf Anfang

Gemeinschaftsprojekt: In der Achimov-Formation in Sibirien fördern Wintershall und Gazprom gemeinsam Gas. Ein milliardenschweres Tauschgeschäft zwischen den Unternehmen wurde jetzt jedoch aufgegeben. Foto:  Wintershall

Kassel / Moskau. Der Kasseler Öl- und Gasförderer Wintershall und die russische Gazprom haben ihr milliardenschweres Tauschgeschäft gestoppt.

Vor rund einem Jahr hatten die Wintershall-Mutter, der Ludwigshafener Chemieriese BASF und die staatlich kontrollierte Gazprom die Verträge unterschrieben. Der vordem von Gemeinschaftstöchtern betriebene Ferngashandel mit der Kasseler Tochter Wingas, das Speichergeschäft sowie eine Beteiligung an Wintershall-Aktivitäten in der südlichen Nordsee sollten danach von Gazprom übernommen werden.

Diese Aktivitäten brachten 2013 einen Umsatz von zwölf Milliarden Euro ein, von denen 500 Millionen Euro im Betriebsergebnis vor Abschreibungen (Ebitda) der BASF landeten. Im Austausch sollte Wintershall 25 Prozent plus einen Anteil an zwei Blöcken der sibirischen Achimov-Gasfelder erhalten.

Gestern nun verkündeten die Konzerne das Aus: „BASF und Gazprom sind übereingekommen, den zum Jahresende geplanten Tausch von Vermögensgegenständen nicht zu vollziehen“, teilte der Chemiekonzern mit. „Wir werden unsere mehr als 20-jährige Zusammenarbeit mit Gazprom in unseren bestehenden Joint Ventures fortsetzen.“ Wingas bleibt demnach ein Gemeinschaftsunternehmen von Wintershall und Gazprom, das Speichergeschäft bleibt in der Hand der Kasseler. Als Grund nannte ein Wintershall-Sprecher das „aktuell schwierige politische Umfeld“.

Der für Mai geplante Umzug der Wingas-Zentrale in ein neues Gebäude solle trotzdem wie geplant stattfinden, ergänzte er. Die Wintershall-Gruppe beschäftigt in Nordhessen 1200 Mitarbeiter, davon 450 bei Wingas. Das Tauschgeschäft, an dessen Umsetzung bereits auf Hochtouren gearbeitet wurde, war politisch umstritten. Kritisiert wurde vor allem der wachsende Einfluss von Gazprom in Deutschland und Westeuropa.

Der Stopp wird das Betriebsergebnis der BASF von knapp 7,2 Mrd. auf 7,1 Mrd. Euro drücken, weil Abschreibungen von 113 Millionen Euro im Jahr 2013 und 211 Mio. Euro in diesem Jahr nachgeholt werden müssen.

Die EU-Sanktionen, der Ölpreisverfall und der Absturz des Rubels haben Russlands Wirtschaft in die Krise geführt. Wintershall verkauft das in Russland geförderte Gas an Gazprom. Der Preis wird nach einer Formel berechnet, bei der Inlands- und Auslandspreise eine Rolle spielen. Der niedrige Rubelkurs belastet zwar einerseits die Erträge, sorgt aber anderseits für sinkende Kosten.

Die Zusammenarbeit mit Gazprom werde Wintershall fortsetzen, sagte ein Unternehmenssprecher. Die mit Gazprom betriebenen Förderstätten in Sibirien würden wie geplant ausgebaut. Im vergangenen Jahr setzte Wintershall 14,7 Milliarden Euro um und verdiente unterm Strich 1,8 Mrd. Euro – auch dank des Russlandgeschäfts.

Von Barbara Will

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