Was passiert, wenn der Wert des Euros sinkt - Fragen und Antworten

Alte Ängste leben wieder auf

Inflation - ein Schreckensbegriff: Viele Deutsche treibt derzeit die Sorge um, ihre Ersparnisse könnten an Wert verlieren. Foto: dpa

Was wird aus unserem Geld? Das fragen sich derzeit viele verunsicherte Bürger, die um ihr Vermögen bangen.

Gerät die Krise außer Kontrolle? Wird der Euro zur Weichwährung, frisst die Inflation das mühsam Ersparte auf? Welche Folgen hat das für jeden persönlich? Wir versuchen einige - vorläufige - Antworten auf die drängenden Fragen.

?Wird der Euro als Folge der Schuldenkrise entwertet?

!Von den Experten, den Wirtschaftswissenschaftlern, sind verlässliche Antworten gegenwärtig nicht zu bekommen. Nach Ansicht des Hamburger HWWI-Ökonomen Thomas Straubhaar wäre eine „gewollte Inflation“ politisch die einfachste Option, die riesigen Staatsschulden „auf die kalte Art“ abzubauen und die öffentlichen Kassen wieder ins Lot zu bringen, weil sie wie eine indirekte Steuer wirkt.

Der Chef des Wirtschaftsinstituts ifo in München, Hans-Werner Sinn, schließt dagegen die Gefahr einer Geldentwertung kategorisch aus. Er sieht eher die Gefahr einer Deflation, also eines generellen und dauerhaften Preisrückgangs, verbunden mit einer Kaufzurückhaltung der Verbraucher, die auf weitere Preissenkungen warten. Nach Ansicht des Würzburger Wirtschaftsweisen Peter Bofinger steht der Euro im Vergleich zu anderen Währungen immer noch relativ gut da - Schuldenstand und Neuverschuldung in der Euro-Zone seien immer noch niedriger als in der USA, Japan und Großbritannien.

?Welche Folgen hätte es für die Verbraucher, wenn sich der Euro doch zu einer Weichwährung entwickelt?

!In diesem Falle würden die Einfuhren teurer, was sich über kurz oder lang auch auf die Preise importierter Waren und Dienstleistungen niederschlagen würde. Die Kunden müssten mehr für Benzin, Heizöl und Gas bezahlen, auch Auslandsreisen in Nicht-Euro-Länder würden teurer.

?Was bedeutet die Griechenland-Krise für die      Tages-       und Festgeld-Sparer?

!Zunächst nichts. Zwar schulden die Griechen den deutschen Banken 32,5 Milliarden Euro, ein Verlust würde aber erst einmal nicht auf die Ersparnisse der Kunden durchschlagen. Im Ernstfall wären diese Sparer außerdem über die Einlagensicherung der Banken geschützt.

?Was aber, wenn der Kurs des Euro immer weiter      sinkt?

!Die Kaufkraft der Löhne und Gehälter, der Renten und Pensionen würde sinken. Leidtragende wären gerade auch die Sparer, weil ihr Kapital schleichend entwertet würde. Eine Inflation beispielsweise von fünf Prozent über einen Zeitraum von mehreren Jahren führte zu dramatischen Einbußen, zumal wenn, wie derzeit, niedrige Zinsen keinen Ausgleich schaffen. Die Anreize, Geld auf die hohe Kante zu legen, würde sehr schnell schwinden und eine Flucht in die Sachwerte einsetzen. Die Wertentwicklung von Anlagen in Gold, Immobilien oder Ackerflächen lässt sich allerdings gegenwärtig ebenfalls nicht verlässlich vorhersagen.

Auch Lebens- und Kapitalversicherungen wären betroffen - zwar muss der Garantiezins gezahlt werden, in der Finanzkrise aber sinkt die Überschussbeteiligung, und der Zahlbetrag wäre wegen der Inflation weniger wert.

?Gäbe es auch positive Folgen des Euro-Kursfalls?

!Die deutschen Exporteure könnten davon profitieren - ihre Waren würden außerhalb der Euro-Zone billiger, was tendenziell neue Jobs im Inland, etwa in der Maschinenbau- oder Automobilindustrie, schaffen würde - immer vorausgesetzt, dass es eine entsprechende Nachfrage gibt.

Von Detlef Sieloff

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