Neue Wind- und Biogasanlagen sollen regional begrenzt werden

Altmaier will Ökostrom bremsen

Werden trotz stark gesunkener Förderung nach wie vor gebaut: Solarparks wie dieser in Elgershausen (Kreis Kassel). Archivfoto: Kühling

Berlin. Dass die Energiewende nicht zum Nulltarif zu haben ist, war klar. Doch nun gerät die Regierung wegen stark steigender Kosten unter Druck: Die Strompreise sind nun einmal ein Politikum.

Von 3,59 auf 5,277 Cent je Kilowattstunde soll die Ökostromumlage 2013 steigen. Inklusive Mehrwertsteuer belastet die Sauberstrom-Abgabe einen Drei-Personen-Haushalt dann mit 220 Euro im Jahr.

? Was genau plant Umweltminister Peter Altmaier?

!Kernelement sind feste regionale Quoten. So kann festgelegt werden, dass nur noch dort Windparks errichtet werden, wo es Stromnetze gibt. Oder Biogasanlagen nur an Orten, wo noch keine Mais-Einöden entstanden sind. Da seit zwei Jahren der Ausbau der Solarenergie wegen rasant fallender Modulpreise ausgeufert ist, wurde bereits ein Deckel bei 52 000 Megawatt installierter Leistung eingezogen. Ist diese Marke erreicht, gibt es kein Fördergeld mehr. Das schwebt Altmaier auch für Wind und Biomasse vor.

? Wie sollen die Länder davon überzeugt werden, Abstriche bei eigenen Ausbauzielen zu machen?

!Das ist die große Frage. Schleswig-Holstein will künftig dreimal mehr Strom produzieren als es braucht und Richtung Süden exportieren. Der wichtige Industriestandort Bayern aber fürchtet, dadurch zu abhängig von der Küste zu werden. Bayern will daher selbst möglichst viele Biogasanlagen, Wind- und Solarparks bauen. Die 16 Bundesländer haben 16 Energiekonzepte. Altmaier will das in gemeinsamen Gesprächen unter einen Hut bringen und fordert Abstriche. Eine Einigung vor der Bundestagswahl 2013 gilt als schwierig.

? Könnten so die Kosten begrenzt werden?

!Das ist durchaus möglich. Derzeit gleicht das System einer klassischen Planwirtschaft. Jeder, der ein Windrad aufstellt, kann sich sicher sein, dass er auf 20 Jahre garantiert eine feste Vergütung für seinen Strom bekommt, die über dem Marktpreis liegt. Eine berechenbare Ökostrom-Umlage ist nach Meinung von Experten nur möglich, wenn es eine Förderbegrenzung gibt. Kritiker des jetzigen Modells sagen, dies könnte den Wettbewerb anheizen: Niemand könnte sich mehr auf eine garantierte Vergütung verlassen. Schon jetzt ist klar, dass die bisher gebauten Anlagen die Verbraucher über 150 Mrd. Euro kosten werden.

? Was kommt 2013 auf die Verbraucher zu?

!In der Summe rechnen Energieversorger 2013 mit einem Strompreisanstieg von zehn Prozent.

? Warum profitieren die Bürger nicht von den dank Sonne und Wind gesunkenen Einkaufspreisen?

!Das ist das Paradoxe. Während eine steigende Ökostrom-Umlage eins zu eins weitergegeben wird, ist dies bei gesunkenen Einkaufspreisen meist nicht der Fall. An der Strombörse in Leipzig sind diese seit dem Atomunfall von Fukushima teils deutlich gefallen. Wind- und Solarstrom verbilligen gerade mittags den Strom. Oft kostet er nur nochfünf Cent pro Kilowattstunde - doch der Bürger spürt davon wenig. Auch weil Steuern, Abgaben und Umlagen insgesamt schon fast 50 Prozent des Endkundenpreises ausmachen. EU-Energiekommissar Günther Oettinger (CDU) sieht daher beim Strompreis eine Schmerzgrenze erreicht.

? Wird die Umlage ohne EEG-Reform 2014 weiter steigen?

!Wahrscheinlich nicht. Denn die neue Umlage beinhaltet einen dicken Puffer. Außerdem will Altmaier die großzügigen Rabatte für die Großindustrie überprüfen. (dpa/jop)

Von Georg Ismar Und José Pinto

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