Analyse: Auf dem Weg zur besseren Bank?

Lichtet sich das Dunkel bei der Deutschen Bank? Der radikale Umbau verspricht es zumindest – und der neue Bank-Co-Chef John Cryan hat geliefert, dafür gebührt ihm Anerkennung. Foto: dpa

Der neue Chef der Deutschen Bank, John Cryan, will das Institut radikal umbauen. Das Personal muss noch bangen. Eine Analyse.

So etwas hat die Deutsche Bank noch nicht erlebt: In atemberaubendem Tempo treibt John Cryan (54) den Umbau von Deutschlands größtem Geldhaus voran. Erst vor wenigen Tagen war die Bilanz mit milliardenschweren Abschreibungen dran, jetzt sind es die altgedienten Führungskräfte. In gut einer Woche wird der nächste Einschnitt erwartet. Dann dürfte es die Belegschaft treffen. Spekuliert wird, dass rund 10 000 Arbeitsplätze zusätzlich zur Postbank-Abspaltung wegfallen könnten.

Cryan baut das Geldinstitut radikal um und tauscht große Teile der Führung aus - ein Signal an die Belegschaft, dass ein Neuanfang nicht an der Managerebene endet. Dies geht in die richtige Richtung. Selten hat ein Manager in nur 100 Tagen so entschlossen aufgeräumt wie er. Cryan bricht radikal mit der Vergangenheit. Nahezu alle Topmanager, die durch einen Bericht der Finanzaufsicht Bafin auch nur im entferntesten belastet sind, werden die Bank verlassen.

Wichtiger als die Personalien dürfte die Entscheidung sein, das Investmentbanking zu zerschlagen. Die Unternehmensfinanzierung wird mit dem Zahlungsverkehrsgeschäft zusammengefügt und vom Wertpapiergeschäft getrennt. In den vergangenen Jahren hat gerade der Handel mit Aktien, Anleihen und Devisen dem Konzern eine Menge Gewinn eingebracht, aber mit all den Rechtsstreitigkeiten auch Milliarden verbrannt. Sollte der Druck der Regulierer zu groß werden, könnte die Handelseinheit abgespalten werden. Das Kapitalmarktgeschäft würde keinen Schaden nehmen.

Eine klare Sprache spricht auch die Entscheidung, dass die Betreuung der sehr vermögenden Privatkunden künftig zum regulären Privatkundengeschäft gehört. Dies darf man getrost als Signal an die Kunden verstanden wissen, dass sie der Bank auch künftig in Zeiten der Digitalisierung und des Niedrigzinses wichtig sind. Die grundsätzlichen Fragen sind mit diesem Vorpreschen aber noch nicht geklärt. Reichen all diese Schritte schon aus? Mitnichten.

Denn unklar ist bislang, wo die Bank künftig wachsen will. Auch zu den geforderten Kosteneinsparungen der Investoren hat sich Cryan noch nicht geäußert. Denn wenn die Bank ihre Rolle in der Finanzwelt behaupten will, muss sie profitabler werden. Daran ändert auch eine straffere Führung nichts. Ohne drastische Einschnitte beim Personal ist es kaum denkbar, dass dies gelingt.

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