Was bringen sie wirklich?

Analyse: Spritpreis-App und Tankstellenüberblick im Test - was bringen sie wirklich?

Smartphone mit Spritpreis-App vor einer Aral-Tankstelle: Preisänderungen an Zapfsäulen werden bundesweit minutenschnell weitergegeben. Foto: dpa

Kassel. Internetseiten und Handy-Apps, auf denen Deutschlands Autofahrer Preisänderungen an Tankstellen fast live checken können, laufen laut Budeskartellamt stabil. Vier Wochen nach dem rumpeligen Teststart der Markttransparenzstelle, der den ADAC im Internet über Tage schachmatt setzten, sind Wunder aber nicht in Sicht.

Wunder haben Experten vom Preisüberblick immer und überall auch nicht erwartet. Tatsächlich sind die Tankkosten diese Woche auf ein Jahrestief gesackt: 1,512 Euro im Bundesschnitt für Super E10 und 1,412 Euro für Diesel, meldete der ADAC am Mittwoch. „Jetzt schon davon auszugehen, derzeit relativ moderate Diesel- und Benzinpreise wären eine direkte Folge der Markttransparenzstelle und der Apps“, sei aber reines Wunschdenken, sagte Rainer Hillgärtner, Sprecher des Autoclubs ACE, unserer Zeitung. „Da dürften andere Gründe eine Rolle spielen, etwa der Dollar-/Eurokurs.“

Was die neue Transparenz taugt, will der ACE noch nicht bewerten. Hillgärtner ahnt aber: „An der sehr begrenzten Bereitschaft der Konsumenten, ihre Tankstelle aus Kostengründen zu wechseln, hat sich noch nichts geändert.“

Die aber wäre nötig, um Tankstellen Beine Richtung billiger zu machen. Deutsche Autofahrer, so eine neue Umfrage der Dekra, ticken anders: Billigen Sprit nennen zwar neun von zehn als vorrangig für die Wahl der Zapfsäule. Zugleich steuern 59 Prozent bevorzugt eine Lieblingstankstelle an, ältere Autofahrer deutlich öfter als junge. Man tankt, was man kennt. Wettbewerb sieht anders aus.

Eine nun ganz simple Übung hat Stern-TV mit der Tank-App von t-online erledigt. In der Woche vom 16. bis 22. September wurde mithilfe der Preisdaten unter 20 Großstädten die billigste in Sachen Sprit gekürt (Kassel und Göttingen waren nicht im Test):

• Bremen war am günstigsten im Schnitt aller seiner Stationen bei Super und Diesel,

• Dresden war am teuersten (fünf Cent mehr pro Liter Super, vier Cent beim Diesel).

• Teuerste Marken waren OMV und Aral, billigste Oil! und Jet.

• Zwischen 18 und 20 Uhr kostete Sprit im Schnitt sieben bis acht Cent weniger als um Mitternacht.

Test in der Region

Heute aber kann alles schon wieder ganz anders sein - auch in der Region: Am Dienstag haben wir Preise in Kassel, Witzenhausen, Northeim und Korbach verfolgt. In Korbach stiegen morgens zwei freie Tankstellen konkurrenzlos niedrig mit 1,339 Euro pro Liter Diesel ein, bis mittags hatten zwei weitere Stationen sich angeschlosssen - unverändert bis Donnerstagabend.

Alle anderen Städte blieben drei Cent und mehr darüber. In Kassel, Witzenhausen und Northeim sanken die Preise im Lauf des Tages. Am stärksten in Northeim - dort bis 17 Uhr sogar unter Kasseler Werte. Das weiß man jetzt ohne hinzufahren.

Hier gibt es weitere Infos:

www.mehr-tanken.de

www.adac.de/tanken

http://tanken.t-online.de

Hintergrund: Ab wann der Umweg lohnt

• Sie stehen im Kasseler Osten und Ihre Benzinpreis-App meldet Schnäppchen-Preise ganz im Westen? Falls Sie sind rechtzeitig dort sind, bevor alles wieder teurer wird, bleibt die Frage: Lohnt die An- und Abfahrt von fünf, acht, zehn Kilometern überhaupt?

Hier geht es zum Sparrechner des ACE.

• Bei der Antwort auf diese Frage hilft ein Sparrechner, den der Autoclub ACE im Internet anbietet: Literpreis der teureren Station in ihrer Näher eingeben, dann den billigeren weiter weg, schließlich den Verbrauch Ihres Autos auf 100 Kilometer - und los geht’s:

• Eine Beispielrechnung: 1,65 Euro kostet der Sprit hier, 1,60 Euro dort, Ihr Auto schluckt im Stadtverkehr neun Liter: Da müssen Sie bei zehn Kilometern Umweg quer durch die Stadt mindestens 30 Liter tanken, um ein Plus zu machen, bei 15 Kilometern sogar 45 Liter.

Von Wolfgang Riek

www.clever-tanken.de

www.spritpreismonitor.de

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