Auch für VW

Analyse: Warum der Automarkt trotz guter Zahlen in Europa schwierig bleibt

Licht am Horizont: Europas Automarkt steht vor einer Trendwende. Der Absatz zieht wieder an. Doch der Weg zurück zu alter Stärke ist noch lang. Foto: dpa

Kassel/Wolfsburg. Fast möchte man meinen die Krise bleibt für so manchen deutschen Autobauer ein Fremdwort: Peugeot, Fiat und Renault können sich wegen der Autokrise in Europa nur mühsam behaupten. Deutsche Hersteller hingegen verdienen Milliarden.

Spuren der Krise sind in den Bilanzen von BMW, Audi oder VW schwer zu finden. In Wolfsburg ist die Krise bislang allenfalls an den vorsichtigen Statements der Manager abzulesen. Doch Einbußen wird es geben – weniger bei der Zahl der verkauften Fahrzeuge, als bei den Erträgen. Sie sind in Europa pro Fahrzeug höher als in Fernost.

Beispiel Volkswagen: In der wichtigen, aber seit langem kriselnden Verkaufsregion Westeuropa (ohne Deutschland) liegen die Wolfsburger bei den konzernweiten Auslieferungen zwar auf Jahressicht im Minus, erhielten aber im Juli reichlich Rückenwind. Nach minus 3,6 Prozent zum ersten Halbjahr (Ende Juni) beträgt Westeuropas Rückstand einen Monat später nur noch minus 2,6 Prozent. In Deutschland ging der Absatz um 4,1 Prozent auf 678 900 Fahrzeuge zurück. „Das wirtschaftliche Umfeld bleibt unverändert schwierig“, stellte Konzernvertriebsvorstand Christian Klinger gestern fest.

Nachwehen der Prämien

Volkswagen dürfte im Juli davon profitiert haben, dass die Neuzulassungen aller Fahrzeughersteller in der EU um fast fünf Prozent auf 981 300 Fahrzeuge zugelegt haben, wie der Branchenverband VDA gestern mitteilte. Abgebremst wird die Freude durch einen statistischen Effekt – der Juli hatte einen Verkaufstag mehr. Sollte sich dieser Trend in den kommenden Monaten aber verstetigen, dürfte sich die jahrelange Absatzschwäche in Europa zum Ende neigen. Die Gründe für die schlappe Nachfrage sind schnell erzählt: eine anhaltende Wirtschaftskrise in Teilen Westeuropas mit andauernder Rezession, hohe Arbeitslosigkeit und eine hohe Verschuldung der privaten Haushalte. In Deutschland bremsen zusätzlich die staatlichen Kaufprogramme der Jahre 2009/2010 den Absatz. Die Abwrackprämie hatte seinerzeit dazu geführt, dass viele Kunden Autokäufe vorzogen.

Nur: Das Durchschnittsalter der Fahrzeuge ist seitdem nicht gesunken, sondern gestiegen. Im Schnitt sind die in Deutschland zugelassenen Automobile heute 8,2 Jahre alt, vor Beginn der Krise waren es 7,9 Jahre. Zum Vergleich: In Italien sind die Fahrzeuge im Mittel 8,9 Jahre alt, in Spanien 9,3 Jahre. Erst wenn sich mit fortschreitendem Alter die Reparaturen häufen, steigt die Bereitschaft zum Kauf eines neuen Autos.

5,1 Prozent mehr

Weltweit steht VW aber nach wie vor gut da. Im Juli fuhr Europas größter Autokonzern mit 757 700 verkauften Pkw und leichten Nutzfahrzeugen ein Plus von 3,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat ein. Im Siebenmonatsvergleich der Jahre 2013 und 2012 sorgte vor allem China dafür, dass das Plus weiterhin bei über 5,1 Prozent steht.

Allerdings gaben entscheidende Märkte im Juli nach, allen voran Südamerika, wo die Auslieferungen binnen nur eines Monats um 3,6 Prozentpunkte auf minus 7,6 Prozent sackten.

Nordamerika ließ ebenfalls nach, blieb mit 11,9 Prozent aber im positiven Bereich.

Der wichtigste Einzelmarkt China steht in der Siebenmonatsbilanz weiterhin blendend da: 18,5 Prozent Zuwachs per Juli halten weitgehend den Halbjahreswert (18,7 Prozent). Mit 1,79 Millionen Fahrzeugen macht China ein Drittel der 5,45 Millionen Fahrzeuge aus, die der Konzern 2013 bisher verkaufte.

Von Martina Wewetzer

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