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Analyse: Romney entscheidet erste TV-Debatte für sich

Der Präsident im Hintertreffen: Mitt Romney (65) wirkte als Redner im ersten von drei TV-Duellen spritziger und besser vorbereitet als Präsident Barack Obama (51). Foto dpapd

Denver/Colorado. Präsident Barack Obama sucht nach Worten, wirkt unstrukturiert, ohne Esprit. Vom Charme des vergangenen Wahlkampfes 2008, als er mit „Hoffnung und Wandel“ die Herzen der US-Wähler gewann, ist am Mittwochabend nichts zu spüren. Eine Analyse.

Das erste TV-Duell hat er laut Blitzumfragen des TV-Senders CNN gegen seinen republikanischen Herausforderer Mitt Romney verloren. Mit klaren Antworten und Witz gewann der 65-Jährige gegen einen defensiven Obama.

„Alles Gute zu Ihrem Hochzeitstag. Das ist bestimmt der romantischste Platz, den sie sich für diesen Tag vorgestellt haben - hier mit mir“, erntet Romney die ersten Lacher des Publikums im Gebäude der Universität in Denver. Es ist ein gelungener Auftakt für Romney. Seine mehrtägige Vorbereitung auf das Duell zahlt sich aus. Während der Präsident sich in Details verliert, präsentiert Romney klare und kurze Antworten. Das spiegelt sich in der Umfrage vom Nachrichtenportal CNN wider. Noch in der Nacht zu Donnerstag meinten 67 Prozent der Befragten, der Republikaner Romney habe in der Debatte besser abgeschnitten. Nur 25 Prozent sahen Obama vorn.

Obama zeigt sich nicht als souveräner Staatsmann, der er nach seiner Amtszeit gegenüber seinem älteren Herausforderer sein sollte. Während seiner Antworten schaut er Romney wenig an, starrt stattdessen auf sein Pult. Obama wirkt müde.

Fotostrecke: Das TV-Duell in Bildern

Romney vs. Obama: Das TV-Duell in Bildern

„Wir sind auf dem falschen Weg. Der Präsident hat die Ansichten wie vor vier Jahren: Eine große Regierung, mehr Investitionen und Ausgaben, mehr Regulierung“, sagt Romney. Wenn sich nichts verändere, drohe man den Weg Spaniens einzuschlagen. Den Weg wolle er nicht gehen, erklärt Romney und kritisiert den großen Regierungsapparat Obamas. Als Unternehmer setze er auf den freien Markt.

Darum dreht es sich inhaltlich immer wieder: Staatliche Regulierung in Bereichen wie Gesundheitsversorgung und staatliche Investitionen im keynesianischen Sinn, wie Obama es verfolgt. Oder mehr freier Markt, weniger staatliche Eingriffe und Kürzungen bei den staatlichen Ausgaben, um den Haushalt auszugleichen. Am Ende wirkt Romney als Redner überzeugender.

Nach dem Duell geben sie sich die Hände. Ein gequältes Lächeln kommt über die Lippen des Präsidenten, bevor beide auf der Bühne ihre Frauen in die Arme schließen.

Max Holscher über das erste TV-Duell im Wahlkampf

Barack Obamas Herausforderer Mitt Romney hat zuletzt viel gepatzt: Er hat in einem Video die große Wählerschicht der Latinos und pauschal die Ärmeren in den USA als Sozialschmarotzer bezeichnet. Das kostete Prozente in den Umfragen – eigentlich sollte er keine Chance mehr auf das Präsidentenamt haben. Das dachte sich wohl auch Obama. Mit einem uninspirierten Auftritt macht er die Wahl aber wieder spannend.

Romney galt bisher als der reiche republikanische Unternehmer, der hölzern, steif und einfach zu kalt bei den Wählern ankam. Dass er anders kann, hat er jetzt gezeigt. Mit Charme und Witz stahl er Obama die Show und das Feld, wo dieser normalerweise punktete: die menschliche Seite.

Obama gilt nicht als großer Debattierer. Das hat er am Mittwoch erneut gezeigt. Umso wichtiger wäre eine gute Vorbereitung wie jene seines Konkurrenten gewesen. Doch der Präsident war sich zu sicher und stammelte so den schon abgeschriebenen Romney wieder ins Rennen. mho@hna.de

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