Merkel und Hollande: Gemeinsam aus der Krise

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Angela Merkel und der französische Staatspräsident Francois Hollande (l) sowie der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann am Samstag in Ludwigsburg.

Ludwigsburg - Deutschland und Frankreich wollen zur Überwindung der europäischen Wirtschafts- und Finanzkrise noch stärker an einem Strang ziehen.

„Wir bilden das Herz Europas“, sagte Frankreichs Präsident François Hollande am Samstag bei einem Festakt zum 50. Jahrestag der völkerverbindenden Rede von Präsident Charles de Gaulle in Ludwigsburg. Europa sei das Schicksal beider Länder. Es dürfe nicht nur im Finanz- und Bankensektor zusammenwachsen, sondern müsse auch eine politische und soziale Union bilden, sagte Hollande vor 650 Gästen im Innenhof des Ludwigsburger Schlosses.

Merkel erklärte nach einem Arbeitsessen mit Hollande in Asperg bei Ludwigsburg, die Gruppe der Euroländer müsse sich regelmäßig treffen, um über Maßnahmen für mehr Wachstum zu beraten. Das Ziel müsse sein, die Wettbewerbsfähigkeit der Länder zu stärken und anzugleichen. Die Kanzlerin pochte darauf, dass die Krisenländer zu einer „strikten Erledigung der nationalen Hausaufgaben“ verpflichtet seien. Hollande erklärte, Paris und Berlin müssten ihre Beziehungen vertiefen, um dann die europäischen Partner „mitzureißen“.

Bei der angestrebten europäischen Bankenunion liegen Berlin und Paris aus Merkels Sicht „nicht auseinander“. Die Qualität der Bankenaufsicht müsse gewährleistet sein. „Es nützt nichts, ganz schnell etwas zu machen, was nicht funktioniert. Es nützt aber auch nichts, etwas auf die lange Bank zu schieben.“ Zuletzt hatte es unterschiedliche Standpunkte zum Zeitplan gegeben. Die Aufsicht ist Voraussetzung dafür, dass klamme Banken direkt Hilfe aus den Euro-Rettungsfonds erhalten können.

Bei der geplanten Fusion von EADS und BAE Systems zu einem neuen Luftfahrt- und Rüstungskonzern ließen sich Merkel und Hollande nicht in die Karten schauen. „Entscheidungen sind nicht gefallen“, sagte Merkel. Der Zusammenschluss werde intensiv geprüft - mit der nötigen Sorgfalt und gemeinsam mit dem Unternehmen. „Deutschland und Frankreich werden hier sehr eng in Kontakt bleiben“, betonte Merkel. „Wir wissen, dass wir dem Unternehmen in naher Zukunft eine Antwort geben müssen.“ Hollande erklärte: „Es geht um sehr viel Geld.“ Zudem müsse über Arbeitsplätze und die Rüstungsstrategie gesprochen werden.

Zuvor hatte Merkel bei ihrer Ansprache im Innenhof des Schlosses betont, de Gaulles Rede sei ein Vermächtnis an die Jugend beider Länder. Sie sei von Optimismus geprägt gewesen: „Lassen wir uns auch heute und in Zukunft von dieser Zukunftsfreude anstecken.“ Weitsichtig habe der General die Entwicklung Europas in die Verantwortung der jungen Deutschen und Franzosen gegeben. Das gelte noch immer. „Das Europa der Zukunft liegt in euren Händen“, rief sie den jungen Zuhörern aus beiden Ländern zu. Für sie müsse es in Europa Beschäftigungschancen und die Möglichkeit freier Entfaltung geben.

Die Rede de Gaulles, die nach Ansicht Merkels eine ganze Generation prägte, mündete auch in die Gründung des deutsch-französischen Jugendwerks. Merkel und Hollande riefen dazu auf, die Freundschaft zu pflegen. „Wir sind wie ein altes Paar, das schon lange zusammen ist und manchmal die Orientierung verliert.“ Deshalb müsse die Flamme immer wieder entzündet werden, etwa durch Zusammenarbeit auf den Gebieten Kultur, Forschung, Klimaschutz und im Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus.

Der Sozialist beendete seine Rede auf Deutsch: „Es lebe die deutsch-französische Freundschaft.“ De Gaulle hatte vor 50 Jahren seine gesamte Rede frei auf Deutsch gehalten. Die Feier in Ludwigsburg war offizieller Auftakt des deutsch-französischen Jahres, in dem auch der Unterzeichnung des Élysée-Vertrages im Januar 1963 gedacht wird.

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