Muss die Kanzlerin den CDU-Vorsitz abgeben?

„Der letzte Tag, an dem sie selbst entscheiden kann ...“: CDU-Größen zählen anonym Merkel an

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Angela Merkel am Freitag beim Asien-Europa-Gipfel in Brüssel

Nicht nur für Horst Seehofer, auch für Angela Merkel könnte es nach der Hessen-Wahl eng werden. Die CDU-Chefin wird aus den eigenen Reihen angezählt.

Berlin - Seit Jahren machen sie sich das Leben schwer: Horst Seehofer und Angela Merkel, die Chefs der beiden Schwesterparteien CSU und CDU. In den Tagen nach der bayerischen Landtagswahl schien es aber fast, als verschaffe ausgerechnet Seehofer der Kanzlerin ein wenig Luft. 

Nach dem Wahlflop von München wurde vielerorts Seehofers Kopf gefordert - um die zuletzt ebenfalls angeschlagene Merkel wurde es hingegen ruhig: Die Kanzlerin schwieg am Wahlabend geflissentlich zum schwachen Abschneiden der bayerischen Kollegen. Und geriet in den Folgetagen aus dem Fokus der Kritik. So schien es zumindest.

Ganz offensichtlich hat dieser Eindruck aber getrogen. Die neuesten Bundesumfragen sind auch für die CDU mau. Und laut einem Bericht der Zeit gärt es gewaltig in den Reihen der Partei - offenbar könnte auch die Kanzlerin nur eine Schonfrist bis zur Hessen-Wahl am 28. Oktober haben.

CDU-Größe prophezeit: Angela Merkel könnte die Entscheidung über ihren Abgang entgleiten

„Der letzte Tag, an dem Angela Merkel noch selbst über ihre Zukunft entscheiden kann, ist der Montag nach der Hessen-Wahl", lässt sich in der Wochenzeitung ein CDU-Politiker anonym zitieren. Ein Satz, der sich leicht umdeuten ließe. Im Umkehrschluss würde er bedeuten: Verlässt die Kanzlerin nicht freiwillig ihr Amt als Parteivorsitzende, könnte der Widerstand in der Partei sie übermannen. Und zwar bald.

Geäußert hat sich da laut Zeit ein Mann, der selbst nicht Teilnehmer des Ringens um Merkels Nachfolge ist - aber einer, der „so sehr Teil der CDU ist, dass sein Wort Gewicht hat“. 

Auch Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hat sich zwischen den Zeilen skeptisch über  Angela Merkels Zukunft geäußert

Offen hatte sich hingegen unlängst Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) geäußert. Seine Wortmeldung fiel diplomatischer aus. Ließ aber ebenfalls zwischen den Zeilen Raum für Interpretationen. Schäuble hatte dem SWR gesagt, Merkel sei „nicht mehr so unbestritten“ - sollte sie im Dezember wieder als Parteichefin kandidieren, werde sie „voraussichtlich“ gewinnen. Unterdessen wurde schon über mögliche Nachfolge-Kandidaten spekuliert.

Angela Merkel in der Kritik: Wird „nach Hessen“ abgerechnet?

Auch in den Parteigremien zeigen sich laut Zeit immer deutlicher Ermüdungserscheinungen. So sei etwa am Rande der CDU-Vorstandssitzung am vergangenen Montag offen „eine Zukunft ohne Merkel“ erörtert worden. Nach Hessen werde abgerechnet, zitiert das Blatt einen CDU-Landesvorsitzenden. Ein anderes Vorstandsmitglied habe „Friedhofsruhe“ bis nach dem Wahltag prophezeit - an einem weiteren Wahldebakel wolle niemand schuld sein.

Auch interessant: Politik-Expertin bei Maybrit Illner - „wenn die CDU in Hessen verliert, wackelt die Kanzlerin“

Mittlerweile stellten auch die „Liberalen“ in Reihen der Christdemokraten, die eigentlich Merkels inhaltlichen Kurs befürworteten, die Kanzlerin in Frage, heißt es in dem Artikel weiter. Es gebe verbreitet Zweifel an der „Stabilitätsdoktrin“ Merkels - und einen gefühlten Mangel an „Zukunftshoffnung“.

Harte Worte gegen die CSU-Größen: „Die Loser tun so, als ob ...“

Allerdings bekommt auch Seehofer in anonymen Äußerungen von CDU-Leuten sein Fett weg. Mit Argwohn werden offenbar vor allem die „Stabilität“-Parolen der CSU-Größen nach der Bayernwahl beobachtet. "Die Loser tun so, als seien sie bei der Bekanntgabe der Niederlage nicht im Raum gewesen", lässt sich ein führender CDU-Politiker zitieren.

Es knirscht und kriselt also gewaltig. Seehofer hat sich bereits ersten Ablösungs-Forderungen aus seiner Partei stellen müssen. Für ihn könnte es nach Abschluss der Koalitionsverhandlungen seiner CSU mit den Freien Wählern ernster werden. Für seine Amtskollegin Angela Merkel nennt die Zeit eine noch frühere Deadline: Eine Woche nach der Hessen-Wahl geht der CDU-Vorstand in Klausur. 

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fn

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