Kanzlerin kehrt aus Urlaub zurück

"Angela in Versuchung?"

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Das Magazincover des "Economist"

Berlin - Sommerpause vorbei: Am Montag kehrt Angela Merkel aus dem Urlaub zurück und startet in Monate der Entscheidung. Ein Magazin "begrüßt" sie mit einer vieldeutigen Schlagzeile.

Die Kanzlerin in Denkerpose, eine Aktenmappe mit einem streng geheimen Ausstiegs-Szenario für den Euro in der Hand, dazu eine Tasse Kaffee und eine halbleere Flasche, die ziemlich nach Whisky aussieht. So findet sich Angela Merkel an diesem Wochenende auf dem Titel des “Economist“ wieder. Dazu die kumpelhafte Schlagzeile: “Tempted, Angela?“ Was in etwa so viel bedeutet wie: “Na, Angela, in Versuchung?“

Natürlich ist das nur eine Fotomontage. Aber vielleicht trifft der liberale “Economist“ - eines von Europas wichtigen meinungsbildenden Magazinen mit Sitz in London - die Stimmung in diesem Krisen-Sommer damit gar nicht so schlecht. Abgesehen davon, dass die Kanzlerin statt Whisky lieber Rotwein trinkt.

Nach diesem Wochenende jedenfalls ist die Sommerpause für Merkel schon wieder vorbei. In Südtirol war sie wieder Wandern, in Salzburg und Bayreuth bei den Festspielen, schließlich noch für ein paar Tage in der Datsche in der Uckermark. Am Montag geht es zurück ins Büro.

Viel spricht dafür, dass Merkel die entscheidenden Monate ihrer Kanzlerschaft bevorstehen. Bis zur Bundestagswahl im Herbst 2013 ist es noch etwas mehr als ein Jahr. Aber alle Welt erwartet, dass sich das Schicksal des Euro und der damit verbundenen 17-Länder-Zone schon zuvor klären wird.

Ein ganz wichtiger Termin dabei ist der 12. September: Dann gibt das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe bekannt, ob die Regelungen des permanenten Euro-Rettungsschirms ESM mit den deutschen Gesetzen vereinbar sind. Aber selbst wenn: Gerettet wäre der Euro damit noch lange nicht. Ein Austritt Griechenlands mit anschließender Kettenreaktion könnte das Aus für die gesamte Währungsunion bedeuten.

Der “Economist“ kommt in seiner fünfseitigen Titelgeschichte über eine mögliche Exit-Strategie der Kanzlerin zu dem Schluss: “Im Augenblick wäre ein Auseinanderbrechen des Euro noch riskanter als eine Reparatur. Aber wenn Frau Merkel die Sache nicht vorantreibt, wird es nur die Wahl geben zwischen einem baldigen Auseinanderbrechen, das teuer wird, und einem, das später erfolgt, dann aber echt in den Ruin treibt.“

Aber auch ohne den Euro werden die nächsten Wochen und Monate für die Kanzlerin hart genug. Mit ihrem zentralen Projekt der Energiewende kommt die schwarz-gelbe Koalition ebenfalls nur schwer voran. Weitere innenpolitische Dauerbrenner sind das Betreuungsgeld und die versprochenen Steuersenkungen. Hinzu kam zuletzt noch Streit über die beste Vorsorge gegen Altersarmut oder Steuervorteile für Homo-Paare.

Zudem ist Merkel auch in ihrer Eigenschaft als CDU-Vorsitzende gefragt. Angesichts ihrer Beliebtheitswerte - in allen Umfragen deutlich über den Wahl-Prognosen für die Partei - krittelt niemand ernstzunehmend an ihr herum. An der Basis grummelt es jedoch, weil sich die Union in mittlerweile zwölf Merkel-Jahren von vielen einstigen Grundsätzen verabschiedet hat. Kernfrage: Wie konservativ ist die CDU eigentlich noch?

Dem Rest Europas sind solche Debatten allerdings ziemlich egal. Dem Ausland kommt es im Augenblick fast ausschließlich darauf an, wie die Deutschen zum Euro stehen. Der “Economist“ legte der Kanzlerin in seiner Montage deshalb einen Umschlag auf den Tisch: mit Flugtickets nach Athen, Madrid, Lissabon, Nikosia und Dublin - alles Hauptstädte von Euro-Krisenländern und mögliche Reiseziele in der nächsten Zeit. Am Mittwoch geht es für Merkel aber zunächst einmal für zwei Tage nach Kanada - in diesen Krisenzeiten und bei allem Flugstress fast so etwas wie Erholung.

dpa

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