Afghanistan

Tote bei Angriff auf großes Hotel in Kabul

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Das Hotel war bereits 2011 einmal Ziel eines Angriffs. Foto: Can Merey/Archiv

Der zweite schwere Angriff in Kabul gleich zu Jahresanfang trifft ein großes Hotel. Die Gefechte der Spezialkräfte mit den Angreifern dauern Stunden. Gleichzeitig versuchen sie, Gäste zu retten. Unter anderem waren im Haus eine Hochzeit und eine Konferenz im Gang.

Kabul (dpa) - Bei dem Sturm von vier bewaffneten Männern auf das große Hotel Intercontinental in der afghanischen Hauptstadt Kabul hat es offensichtlich mehrere Tote gegeben. Der Sprecher des Innenministeriums, Nasrat Rahimi, sagte, die Spezialkräfte hätten mittlerweile zwei der Angreifer getötet.

Zudem seien fünf Verletzte in Krankenhäuser gebracht worden. Der Nachrichtenchef des Senders Tolo TV zitierte allerdings einen Augenzeugen, der sagte, er habe auf der Flucht mindestens 15 Tote und Verletzte gesehen. In einem Tweet des Senders hieß es, unbestätigten Berichten zufolge könne die Zahl der Toten "ziemlich hoch sein". Afghanische Regierungssprecher sind dafür bekannt, Opferzahlen für die Öffentlichkeit klein zu halten.

Innenministeriumssprecher Rahimi bestätigte Medienberichte, wonach im Hotel zum Zeitpunkt der Angriffs eine Hochzeitsfeier im Gang gewesen sei. Die Hochzeitsgäste seien in Sicherheit. Außerdem hatte in dem Haus am Samstag eine Konferenz afghanischer Computerexperten stattgefunden. Rund hundert Menschen hätten teilgenommen, darunter Regierungsbeamte, berichtete der Sender 1TV.

Wieviele Gäste noch im Hotel waren und ob die verbleibenden beiden Attentäter, wie von einigen afghanischen Medien berichtet, noch Geiseln in ihrer Gewalt hatten, wollten Einsatzkräfte und Behördensprecher nicht sagen. "Wir können aber bestätigen, dass die meisten Menschen, die im Hotel waren, gerettet worden sind", sagte ein Sprecher. Einsatzkräfte hätten die unteren Stockwerke gesichert und seien dabei, die oberen nach den verbleibenden Angreifern zu durchsuchen.

Unklar blieb weiter, ob Ausländern unter den Gästen waren. Vor der Verschlechterung der Sicherheitslage in Afghanistan war das Haus auch bei internationalen Gästen sehr beliebt. Ihre Zahl hat aber abgenommen, weil da Hotel nicht mehr zu den sichersten Adressen zählte.

Ein Teil des Hotels brannte während des Angriffs, wie Polizei und Innenministerium bestätigten. Innenministeriumssprecher Nadschib Danisch hatte zunächst gesagt, die Angreifer hätten auf ihrem Weg in das Hotel durch die Küche dort Feuer gelegt. Sein Kollege Nasrat Rahimi sagte später, auch der dritte Stock habe in Flammen gestanden.

Aus dem Gebäude waren auch mehr als drei Stunden nach Beginn des Angriffs gegen 21.00 Uhr (Ortszeit) noch Schüsse zu hören. Helikopter waren in der Luft. Die Szenerie weckte in Anwohnern Erinnerungen an einen ähnlichen Angriff im Jahr 2011, als neun Attentäter der radikalislamischen Taliban das Hotel, das schwer bewacht auf einem bewaldeten Hügel liegt, angegriffen hatten. Sie hatten ungesehen mehrere Sicherheitsposten überwunden und waren dann Hotelflure auf und ab gerannt und hatten in Zimmer geschossen. Etwa ein Dutzend Gäste, Hotelangestellte und Sicherheitskräfte wurden getötet. Die Angreifer konnten erst nach mehreren Stunden unschädlich gemacht werden.

Zunächst bekannte sich keine Organisation zu der Tat. Ein Sprecher der Taliban sagte der Deutschen Presse-Agentur, er müsse erst prüfen, ob es sich um einen Talibanangriff handele.

Die Sicherheitslage in der afghanischen Hauptstadt hat sich seit Ende der Nato-Kampfmission im Dezember 2014 stark verschlechtert. 2017 gab es dort mehr als 20 schwere Anschläge der Taliban und der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) mit insgesamt mehr als 500 Toten. Bei dem ersten Anschlag im neuen Jahr auf einen Sicherheitsposten in einem Wohn- und Geschäftsviertel waren Anfang Januar mindestens 20 Menschen getötet und 30 verletzt worden.

Die amerikanische Botschaft und das US-Außenministerium in Washington hatten zum Ende der Woche hin über Emails und in den sozialen Medien vor möglichen Angriffen in Kabul gewarnt - unter anderem auf Hotels.

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