Umweltminister verteidigt Bohrmethode Fracking – Chemie gelangt dabei in Boden

Bohrmethode Fracking: Angst vor Giftcocktail und zerstörten Häusern

Umstritten: Bohrmeister Robert Kerst auf der Baustelle zur Erdgasprobebohrung des Energieerzeugers Exxonmobil im Kreis Emsland. Archivfoto: dpa

Hannover. Giftige Chemie-Cocktails im Trinkwasser? Abgesenkte Böden und zerstörte Eigenheime? Die unkonventionelle Erdgasförderung nach der sogenannten Fracking-Methode löst bei betroffenen Bürgern immer mehr Ängste aus.

Im Niedersächsischen Landtag forderten SPD und Grüne gestern ein absolutes Fracking-Verbot in Wasserschutzgebieten sowie eine generelle Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) vor jeder Bohrung. Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) will es nicht ganz so streng, versprach aber, die Sorgen der Bevölkerung ernst zu nehmen.

Anders als bei der konventionellen Gasförderung aus Hohlräumen wird beim Fracking der Untergrund aufgesprengt, um das im Gestein gefangene Gas zu lösen. Dabei wird unter großem Druck ein Wasser-Sand-Gemisch in die Gesteinsschichten gepresst, dieses erzeugt Risse, das Gas kann entweichen.

Stoffe sind krebserregend

Problem: Oft ist dem Gemisch ein Chemikaliengebräu beigemengt. Berichte aus den USA, wonach dadurch das Trinkwasser verseucht werden könne, haben inzwischen Bürger, Stadtwerke und nicht zuletzt das Umweltbundesamt (UBA) alarmiert.

Fracking sei riskanter als die unterirdische Speicherung von Kohlendioxid (CCS), warnte jüngst UBA-Chef Jochen Flasbarth. Einige der Additive seien krebserregend. Die Behörde hat eine umfangreiche Studie in Auftrag gegeben.

Seit 35 Jahren werde die Methode in Niedersachsen angewandt, erklärte Bode. In 250 Projekten hätten die Förderfirmen mit hydraulischem Druck künstliche Risse erzeugt - „ohne Hinweise auf Beeinträchtigungen des Trinkwassers“. Es sei selbstverständlich, dass das Land dem Schutz von Umwelt und Wasser Vorrang einräume. Gleichwohl sei nicht bei jedem Vorstoß in die Tiefe eine UVP zwingend. „Wenn nur Wasser ohne Zusätze reingepumpt wird, brauchen wir das nicht“, sagte der Minister.

Bode sprach sich für ein abgestuftes Verfahren aus. Zunächst solle man in einer UVP-Vorprüfung eine Art Risikoanalyse machen. Seien dann aber Beeinträchtigungen nicht auszuschließen, müsse ein vollständiges bergrechtliches Planfeststellungsverfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung und integrierter UVP verbindlich sein.

SPD, Grünen und Linken reicht das nicht. „Wer definiert das erhöhte Risiko, wer entscheidet darüber?“, fragte die SPD-Abgeordnete Karin Stief-Kreihe. Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel kritisierte, dass die umstrittene Fracking-Methode sogar noch durch fette „Rabatte“ bei der Förderabgabe bevorzugt werde. Unbehagen äußerten selbst CDU- und FDP-Umweltexperten.

Von Peter Mlodoch

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.