Innenminister stellt Staatsvertrag zur Anerkennung des Islam in Aussicht

Annäherung an Muslime

Uwe Schünemann

Osnabrück. Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) hat zum Abschluss der internationalen Konferenz über „Imamausbildung in Deutschland“ einen niedersächsischen Staatsvertrag zur Anerkennung des Islam als Religionsgemeinschaft in Aussicht gestellt.

Die dazu bereits laufenden Gespräche müssten intensiviert werden, denn eine Gleichberechtigung des Islam mit dem Christentum sei notwendig, sagte Schünemann am Wochenende in Osnabrück. Auf Einladung des Zentrums für interkulturelle Islamstudien hatten mehr als 60 Wissenschaftler aus dem In- und Ausland drei Tage lang über Inhalte und Voraussetzungen der Imamausbildung in Deutschland diskutiert.

Gleichzeitig forderte Schünemann die Muslime auf, sich stärker ehrenamtlich in Schulen, Vereinen und der Politik zu engagieren. Der Minister für Inneres und Integration warnte jedoch erneut davor, den Staatsvertrag zur Bedingung für den Aufbau eines Instituts für islamische Theologie an der Universität Osnabrück zu machen. Beide Aufgaben sollten parallel angegangen werden.

Für einen Staatsvertrag müssten sich zunächst die muslimischen Verbände auf eine Position einigen. Ein Staatsvertrag könne nicht allein mit dem Verband der Schura geschlossen werden. Der Verband der Ditib sei jedoch, was die Imamausbildung in Deutschland betreffe, sehr zurückhaltend und wolle Imame weiterhin in der Türkei ausbilden.

Nach Ansicht von Aiman Mazyek, Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland, ist die Zeit nach mehr als 20 Jahren Diskussion reif für den Abschluss eines Staatsvertrages. Auch bei den Christen gebe es keine einheitliche Organisation, sondern verschiedene Konfessionen: „Wir sind stolz auf unsere Pluralität, auch wenn sie für den Staat eine größere Herausforderung darstellt.“ Es komme letztlich auf den politischen Willen an.

Mazyek warnte davor, die Imamausbildung nur unter dem sicherheitspolitischen Aspekt zu betrachten. Wer dafür sorge, dass der Islam in Deutschland eine Heimat finde, der bekämpfe schon dadurch Extremismus und Fanatismus und sorge dafür, dass das verzerrte Bild des Islam in der deutschen Gesellschaft zurechtgerückt werden.

Der Tagungsleiter und Direktor des Zentrums für interkulturelle Islamstudien, Bülent Ucar, bekräftigte seine Erwartung, dass es 2012 zur Gründung eines Instituts für islamische Theologie in Osnabrück kommen werde und bis dahin auch ein Staatsvertrag geschlossen sei. Die Diskussionen hätten gezeigt, dass vor allem auch das Thema, inwieweit die islamische Theologie auch Frauen offenstehe, in Zukunft noch genauer betrachtet werden müsse. (epd) Foto:  dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.