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„Fressefreiheit“: Rechte Kreise stürzen sich auf Baerbocks Versprecher in Russland

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Von: Max Schäfer

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Außenministerin Annalena Baerbock spricht bei der Pressekonferenz in Moskau versehentlich von „Fressefreiheit“.
Ein Versprecher der Bundesaußenministerin Annalena Baerbock beim Antrittsbesuch in Russland bringt der Grünen-Politikerin viel Kritik ein. © Maxim Shemetov/dpa

Annalena Baerbocks Antrittsbesuch in Russland ist von den Spannungen des Ukraine-Konflikts geprägt. Für Diskussionen sorgt jedoch ein Versprecher.

Moskau/Frankfurt – Der Antrittsbesuch der Bundesaußenministerin Annalena Baerbock in Russland am Dienstag (18.01.2022) war angesichts der zunehmenden Spannungen in der Ukraine-Krise keine leichte Aufgabe. Baerbock kritisierte die „Drohungen“ durch die russischen Militärbewegungen an der Grenze zur Ukraine und sprach die Menschenrechtsverletzungen in Russland an. Gleichzeitig signalisierte sie Dialogbereitschaft.

In den sozialen Netzwerken hat Annalena Baerbock mit ihrem Besuch in Moskau ebenfalls für Aufsehen gesorgt. Der Grund ist jedoch nicht inhaltlicher Natur, sondern ein Versprecher bei der Pressekonferenz mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow. Angesprochen auf die Sperre des Senders RT Deutsch wies die deutsche Außenministerin den Vorwurf einer Einmischung der Bundesregierung ab.

„Fressefreiheit“: Annalena Baerbocks Besuch in Russland sorgt für Spott und Kritik

Annalena Baerbock erklärte: „Ich kann nochmal unterstreichen, dass bei uns die Fresse... äh Pressefreiheit bedeutet, dass es keine staatliche Einmischung in dem Bereich gibt.“ Ihren Versprecher korrigierte die Grünen-Politikerin sofort.

In den sozialen Netzwerken verbreitete sich ein Video des Versprechers dennoch sehr schnell. Auf Twitter erntete Baerbock unter dem Hashtag „Fressefreiheit“ Spott und Kritik – vor allem aus rechten Kreisen. Der Versprecher wurde als „peinlich“ und „Deutschland nicht würdig“ eingestuft. Andere Nutzer kokettierten, ob denn die Maskenpflicht aufgehoben werde.

Annalena Baerbock in Russland: Zuspruch nach „Einsatz für die Pressefreiheit“

Der Hashtag „Fressefreiheit“ bekam auf Twitter viel Aufmerksamkeit und Reichweite. Neben Hohn und Spott erhielt Annalena Baerbock jedoch auch viel Zuspruch. „Ich finde es gut, dass sich Baerbock für die Pressefreiheit einsetzt. Das kommt nicht jedem Außenminister, wenn er oder sie in Russland ist, so klar über die Lippen. Danke dafür“, erklärte Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP). Es sei ziemlich beachtlich, „als Außenministerin in Russland die Wichtigkeit der Pressefreiheit hervorzuheben“, würdigte auch Anna Schneider, „Chefreporterin Freiheit“ bei der Springer-Tageszeitung Welt, Baerbocks Aussagen.

Auch vom grünen Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir bekam Baerbock nach ihrem „Fressefreiheit“-Versprecher Unterstützung: „Über Leute, die lieber über einen Versprecher sprechen statt über die Tatsache, dass eine Außenministerin in Russland mit Nachdruck für Pressefreiheit einsteht, ist eigentlich schon alles gesagt.“

Russland-Besuch: „Suche nach Fehlern bei Baerbock immer bornierter und kleinlicher“

„Auch irgendwie putzig, wie die ritualisierte Suche nach Fehlern bei Annalena Baerbock immer bornierter und kleinlicher wird, weil sie ihre Sache gut macht und kaum Angriffsfläche bietet“, twitterte der grüne Abgeordnete des Europäischen Parlaments, Erik Marquardt. Man könne meinen, es ginge den Kritikern gar nicht um die Sache, stimmten andere Twitter-Nutzer zu.

Annalena Baerbock und Robert Habeck gerieten jüngst auch aufgrund einer anderen Thematik in die Kritik: dem Corona-Bonus im Jahr 2020. Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt nun gegen den Grünen-Bundesvorstand wegen des Anfangsverdachts der Untreue. (ms)

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