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Annalena Baerbock: Das ist die deutsche Außenministerin

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Von: Max Schäfer

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Auf dem Bauernhof aufgewachsen, ist Annalena Baerbock als Bundesaußenministerin in der internationalen Politik angekommen – eigener Fehler und äußeren Attacken zum Trotz.

Berlin – Annalena Baerbock ist seit Ende 2021 Außenministerin Deutschlands. In ihrer Position will die Politikerin der Grünen eine „feministische Außenpolitik“ vertreten. Bereits kurz nach Amtsantritt wurde sie durch den Ukraine-Krieg mit einer schwerwiegenden internationalen Krise konfrontiert.

NameAnnalena Charlotte Alma Baerbock
Geburtsdatum15. Dezember 1980
GeburtsortHannover
StudiumPolitikwissenschaft, Public International Law
ParteiBündnis 90/Die Grünen (seit 2005)
ÄmterBundesaußenministerin, Mitglied des Deutschen Bundestages

Annalena Baerbock kam bereits früh mit Politik in Kontakt. Die am 15. Dezember 1980 in Hannover geborene, heutige Grünen-Politikerin wuchs als Tochter eines Maschinenbauingenieurs und einer Sozialpädagogin auf einem Bauernhof in Schulenburg in Niedersachsen auf. Ihre Eltern nahmen sie bereits als Kind zu Protesten gegen Aufrüstung und Atomkraft mit.

Annalena Baerbock: Was hat die Grünen-Politikerin studiert?

Nach dem Abitur im Jahr 2000 begann Baerbock ein Studium der Politikwissenschaft und öffentliches Recht an der Universität Hamburg. Nach dem Vordiplom zog es sie nach London, wo sie an der London School of Economics and Political Science (LSE) ihren Master in „Public International Law“ (Völkerrecht) machte.

2008 wurde Baerbock an der Freien Universität Berlin zur Promotion zugelassen. Die Politikerin brach die Dissertation zum Thema Naturkatastrophen und humanitäre Hilfe jedoch ab, um sich auf ihre politische Laufbahn zu konzentrieren.

Annalena Baerbocks politische Anfänge bei den Grünen

Bereits als Kind bei politischen Veranstaltungen präsent, ließ die Politik Annalena Baerbock auch als Studentin nicht los. Sie absolvierte ein Praktikum bei der grünen EU-Abgeordneten Elisabeth Schroedter. Damit legte sie den Grundstein für ihre erste Station nach der akademischen Laufbahn: 2005 wurde Baerbock Schroedters Büroleiterin. Zudem trat sie der Partei Bündnis 90/Die Grünen bei.

Annalena Baerbock stieg innerhalb der Grünen rasch auf. Nach ihrer Zeit als Büroleiterin wurde die heutige Außenministerin Referentin für Außen- und Sicherheitspolitik der Grünen-Bundestagsfraktion. Kurz darauf übernahm sie Positionen im Vorstand der Europäischen Grünen Partei und wurde eine von zwei Parteivorsitzenden in Brandenburg.

Überblick: Welche Ämter und Funktionen Annalena Baerbock bei den Grünen übernommen hat

Grünen-Politikerin: Wie Baerbock in die Bundespolitik kam

2009 wagte Annalena Baerbock auch erstmals eine bundespolitische Kandidatur. Bei der Bundestagswahl bewarb sie sich als Direktkandidatin im Wahlkreis Frankfurt (Oder) – Oder-Spree. Mit 5,6 Prozent der Erststimmen war sie jedoch weit davon entfernt, in den Bundestag einzuziehen. Vier Jahre später gelang jedoch der Einzug ins Parlament – über die Landesliste der brandenburgischen Grünen.

Von 2013 bis 2017 übernahm Baerbock die Rolle der klimapolitischen Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion. Zudem vertrat sie ihre Partei im Ausschuss für Wirtschaft und Energie sowie im Ausschuss für Angelegenheiten der Europäischen Union. Bei der Bundestagswahl 2017 zog Baerbock erneut in den Bundestag ein. Anschließend war sie an den später gescheiterten Koalitionsverhandlungen der Grünen mit CDU und FDP beteiligt.

Auch danach suchte Annalena Baerbock die Verantwortung: 2018 bewarb sie sich als Bundesvorsitzende der Grünen. Bei der außerordentlichen Delegiertenkonferenz am 27. Januar setzte sich die zu diesem Zeitpunkt 37-Jährige mit 64,5 Prozent der Stimmen gegen Anja Piel vom linken Flügel durch und bildete somit mit Robert Habeck die Doppelspitze der Grünen, die sie bis 2022 innehatten.

Baerbock wird erste Grünen-Kanzlerkandidatin

Als Parteivorsitzende blieb Baerbock jedoch nicht, wie von vielen Beobachtern erwartet, im Schatten des damals deutlich bekannteren Habecks. Stattdessen betonte sie, Verantwortung übernehmen zu wollen. Im Vorfeld der Bundestagswahl 2021 erklärte sie beispielsweise im Interview mit der Bild am Sonntag, sich das Kanzleramt zuzutrauen.

Annalena Baerbock ist seit ihrer Vereidigung zur Außenministerin am 8. Dezember 2021 auf höchster diplomatischer Ebene unterwegs.
Annalena Baerbock ist seit ihrer Vereidigung zur Außenministerin am 8. Dezember 2021 auf höchster diplomatischer Ebene unterwegs. (Archivbild) © Sina Schuldt/dpa

Nach gemeinsamen internen Abstimmungen mit Habeck wurde Annalena Baerbock schließlich als Kanzlerkandidatin der Grünen vorgeschlagen. Beim wegen Corona digital stattfindenden Parteitag am 12. Juni 2021 wurde Baerbock von 98,5 Prozent der Delegierten als Kandidatin bestätigt. Das war in mehrfacher Hinsicht ein Novum: Erstmals stellten die Grünen nur eine Kandidatin statt einer Doppelspitze auf. Zudem war Baerbock die erste Kanzlerkandidatin der Grünen.

#studierenwiebaerbock und Plagiatsvorwürfe: Baerbock erfährt vor Bundestagswahl 2021 Gegenwind

Bei der Bundestagswahl 2021 ging Baerbock gegen CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet und SPD-Bewerber Olaf Scholz ins Rennen. Nach lange starken Umfragen brachten Diskussionen um ihren Lebenslauf sowie Plagiatsvorwürfe zu ihrem Buch „Jetzt. Wie wir unser Land erneuern“ die Grünen ins Straucheln. Mit 14,8 Prozent wurden sie schließlich drittstärkste Partei. Baerbock musste schließlich Scholz den Vortritt als Kanzler lassen, wurde jedoch Außenministerin in der Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP.

Aber woraus bestanden die Vorwürfe gegen Baerbock, die sich auf ihren Lebenslauf und schließlich ihr Buch „Jetzt. Wie wir unser Land erneuern“ bezogen? Unter „#studierenwiebaerbock“ wurde unter anderem behauptet, die Grünen-Politikerin habe beim Thema Studium in ihrem Lebenslauf geschummelt oder gar nicht studiert. Andere stellten die Bezeichnung in Frage, Baerbock könne sich als Völkerrechtlerin bezeichnen. Die Vorwürfe wurden, trotz tatsächlicher Änderungen der Bezeichnungen der Studienfächer bzw. Abschlüsse im Lebenslauf, von verschiedenen Faktenchecks widerlegt.

Auch unabhängig von ihrem Studium gab es Debatten um Annalena Baerbocks Lebenslauf. Darin behauptete die damalige Grünen-Kanzlerkandidatin beispielsweise, sie sei Mitglied im UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR. Tatsächlich nimmt die Hilfsorganisation keine Privatpersonen auf. Baerbock unterstützte den UNHCR jedoch finanziell.

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Baerbocks politische Positionen: Wofür steht die Grünen-Politikerin?

Vor der Bundestagswahl 2021 machte Baerbock Klimapolitik und Umweltschutz zum Schwerpunkt ihres Wahlkampfes. Außenpolitisch gehörte die Stärkung der europäischen Zusammenarbeit und der gemeinsamen Verteidigungspolitik zum Ziel der Grünen-Politikerin. Zudem forderte Baerbock die Anhebung des Mindestlohns auf zwölf Euro pro Stunde.

Baerbock schlug zu Beginn ihrer Zeit als Außenministerin schärfere Töne gegenüber Russland und China an. Die Gaspipeline Nord Stream 2 bezeichnete sie als heimtückischen Plan. Wladimir Putin wolle die Ukraine vom Gastransit abklemmen und die EU erpressen, warnte Baerbock. Deutschland solle sich zudem für die Einhaltung von Umweltstandards einsetzen.

Was Baerbock mit feministischer Außenpolitik erreichen will

Baerbock möchte dabei eine „feministische Außenpolitik“ betreiben. „Es geht darum, alle Stimmen der Gesellschaft zu hören“, erklärt Baerbock etwa auf der Internetseite des Auswärtigen Amts. „Wenn die Hälfte der Bevölkerung keine Möglichkeit zu gleichberechtigter Teilhabe hat, kann keine Gesellschaft ihr Potenzial voll ausschöpfen“, erklärte die Ministerin.

Die feministische Außenpolitik Deutschlands unter Außenministerin Annalena Baerbock hat demnach das Ziel, die Rechte, Repräsentanz und Ressourcen von Frauen und marginalisierten Gruppen sowie Diversität zu fördern. Dazu sollen die Ursachen der Ungleichheit in den Blick genommen werden. Geplant sind laut Außenministerium Projekte zum Schutz vor geschlechtsbasierter Gewalt, für die Bildung von Mädchen und jungen Frauen sowie zur Förderung von Unternehmerinnen. (ms)

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