Kanzlerkandidatin der Grünen

Reaktion auf Plagiatsvorwürfe gegen Annalena Baerbock: „Versuch von Rufmord“

Annalena Baerbock ist Plagiatsvorwürfen ausgesetzt. Die Grünen-Kanzlerkandidatin soll Teile ihres Buchs abgeschrieben haben. Jetzt äußern sich andere Politiker.

Update vom Donnerstag, 01.07.2021, 16.56 Uhr: Medienwissenschaftler Stefan Weber aus Österreich konfrontiert Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock mit Plagiatsvorwürfen. Gleich an fünf Stellen in ihrem Buch „Jetzt. Wie wir unser Land erneuern“ soll die Politikerin abgeschrieben und damit Urheberrecht verletzt haben.

Allerdings ist Baerbocks erst kürzlich erschienene Veröffentlichung ein politisches Sachbuch und keine wissenschaftliche Dissertation. Das sieht auch der Medienwissenschaftler ein. Die fraglichen Stellen seien „nichts weltbewegendes“, sagte Weber gegenüber dem Nachrichtenportal Spiegel. „Dass das Buch vom Markt genommen werden muss, ist, denke ich, nicht nötig“, wird er von focus.de zitiert.

Plagiatsvorwürfe gegen Annalena Baerbock: Grünen weisen Vorwürfe zurück

Die Grünen weisen die Vorwürfe zurück. „Das ist der Versuch von Rufmord“, sagte ein Sprecher. Baerbock selbst schaltete den Medienanwalt Christian Schertz ein. Auch er kann die Vorwürfe gegen die Kanzlerkandidatin nicht bestätigen. „Ich kann nicht im Ansatz eine Urheberrechtsverletzung erkennen“, äußerte sich Schertz. Der Ullstein-Verlag, in dem das Buch erschienen ist, erklärte: „Die Aufzählung von allgemein zugänglichen Fakten ist ebenso wenig urheberrechtlich geschützt wie einfache Formulierungen, mit denen solche Fakten transportiert werden.“

Annalena Baerbock sieht sich derzeit Plagiatsvorwürfen ausgesetzt. Die Grünen-Kanzlerkandidatin soll Teile ihres Buches „Jetzt. Wie wir unser Land erneuern“ abgeschrieben haben. (Archivfoto)

Andere Politiker reagieren unterschiedlich auf die Plagiatsvorwürfe. CSU-Generalsekretär Markus Blume kritisierte die Grünen-Politikerin scharf und äußerte seinen Unmut über Twitter: „Ein wenig den Lebenslauf geschönt, die eigenen Nebeneinkünfte verschleiert und jetzt ein Buch in Teilen zusammenkopiert. Das ist keine Kampagne Dritter, sondern das sind schwere Kandidatenfehler.“ Der Beitrag kommt bei der Twitter-Community allerdings nicht so gut an.

„Ist das jetzt eigentlich alles bis zur Wahl oder habt ihr auch noch irgendwann irgendwas, wenigstens minimal konstruktives beizutragen außer die Fehler von Anderen zu suchen und euch drüber aufzuregen?“, reagiert ein Nutzer über Blumes Beitrag. FDP-Parlamentsgeschäftsführer Marco Buschmann hingegen sieht die Vorwürfe gegen Baerbock weniger streng. „Regt euch ab! Es gibt echt wichtigeres“, rät er auf Twitter.

Teile von Buch abgeschrieben? Plagiatsvorwürfe gegen Annalena Baerbock

Erstmeldung vom Mittwoch, 30.06.2021: Berlin – Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock sieht sich derzeit im Zusammenhang mit ihrem kürzlich erschienenen Buch „Jetzt. Wie wir unser Land erneuern“ Plagiatsvorwürfen ausgesetzt. Der Blog Plagiatsgutachten.com listet fünf Stellen auf insgesamt 240 Seiten auf, die angeblich nicht von Baerbock selbst stammen, sondern einfach abgeschrieben sein sollen – ohne das dies kenntlich gemacht werde.

Unter anderem sei eine Passage des Politikwissenschaftlers Michael T. Klare übernommen worden, eine weitere aus dem Blog „Klimawandel – Challenge Accepted des Verbands der Wirtschaft für Emissionshandel und Klimaschutz e. V., heißt es. Darüber hinaus werde eine dritte Stelle aus einer Publikation der Bundeszentrale für politische Bildung, eine vierte aus dem Nachrichtenmagazin Spiegel sowie eine fünfte aus der Enzyklopädie Wikipedia kopiert.

Plagiatsvorwürfe gegen Annalena Baerbock: Grüne-Sprecher kritisiert Blogger scharf

Bei dem Betreiber des Blogs handelt es sich um Stefan Weber, einen österreichischen Medien- und Kommunikationswissenschaftler. Weber betont, dass ein Sachbuch einer Politikerin zwar „keine Dissertation“ sei, dies aber „noch lange keine Legitimation für schwerwiegende Textplagiate“ sei. Diese seien „ethisch nicht korrekt“.

Auch aus den Reihen der Politik gab es am Dienstag (29.06.2021) bereits erste Reaktionen: „Das sind Vorwürfe, die müssen geklärt werden“, sagte etwa FDP-Generalsekretär Volker Wissing bei einer Pressekonferenz. „Ich kann nur an alle appellieren, Transparenz herzustellen. Der Ball liegt im Feld von Frau Baerbock.“ Sowohl die Grünen als auch Baerbocks Verlag wiesen die Vorwürfe zurück. Ein Parteisprecher sprach gegenüber dem Nachrichtenmagazin Spiegel indes von „versuchtem Rufmord“ und warf dem Österreicher vor, zuvor schon „falsche Behauptungen zu Frau Baerbocks Abschluss“ verbreitet zu haben. Er versuche nun erneut „bösartig ihren Ruf zu beschädigen“. In der Zwischenzeit hat die Grünen-Politikerin auch Medienanwalt Christian Schertz eingeschaltet. Dieser teilte, ebenso wie der Ullstein-Verlag, mit, dass man „keine Urheberrechtsverletzung erkennen“ könne.

Stefan Weber, der laut Angaben seiner Website als Lektor an der TU Wien und an der Universität Wien tätig ist, bietet die Überprüfung von Schriften, Titeln, Gutachten und Lebensläufen als Dienstleistung an. Die Überprüfung des Baerbock-Buchs habe er jedoch aus privatem Interesse vorgenommen, sagte er dem Onlineportal Focus Online.

Grünen-Kanzlerkandidatin: Baerbock sieht sich bereits mit früheren Fehlern konfrontiert

Für die Grünen-Vorsitzende kommen die Vorwürfe zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Nachdem jüngst bekannt geworden war, dass Baerbock ihre Einkünfte als Parteichefin zunächst nicht angegeben hatte und Unstimmigkeiten in ihrem Lebenslauf entdeckt worden waren, hatte die gebürtige Hannoveranerin dies später korrigiert und die Fehler als „Mist“ bezeichnet.

Sollten sich die Plagiatsvorwürfe bewahrheiten, könnte dies für Baerbock weitreichende Folgen haben, da dieser Fall wohl am schwersten wiegt. Immerhin würde es sich hier nicht um Altlasten handeln, wie sie auch CDU-Kanzlerkandidat und Konkurrent Armin Laschet vorzuweisen hat. Dieser hatte als damaliger Lehrbeauftragter der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen einst Klausurnoten erfunden, nachdem diese zuvor von ihm verschlampt worden waren.

„Jetzt. Wie wir unser Land erneuern“ ist von Baerbock jedoch während der Corona*-Pandemie freiwillig geschrieben worden. Ein Buch, was nicht hätte sein müssen. Ein Buch, an dessen Ende sich Annalena Baerbock bei 16 Frauen und Männern „für Zuarbeit, kritisches Gegenlesen und kluge Kommentare sowie Faktenchecks“ bedankt. „Zumal“, so heißt es weiter, „mit der Entscheidung der Kanzlerkandidatur im April plötzlich alles ganz schnell gehen musste“. Sollte sich nun herausstellen, dass die Politikerin tatsächlich vorsätzlich abgeschrieben und keine Quellen genannt hat, dürften ihre Chancen auf den Posten der Bundeskanzlerin stark darunter leiden. (Nail Akkoyun) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Christian Mang/dpa

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