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Annalena Baerbock: „Ich bin optimistisch, auch wenn die Weltlage einen manchmal verzweifeln lässt“

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Von: Constantin Hoppe

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Seit zweieinhalb Jahren jagt eine Krise die nächste. Auch für die deutsche Außenministerin waren die letzten Monate ein Auf und Ab, das „locker für zehn Jahre gereicht“ hätte, sagt Annalena Baerbock.

Berlin - „Vor zweieinhalb Jahren dachten wir, wir seien auf dem richtigen Weg: Die Armut ging zurück, Europa hatte sich nach der Eurokrise wirtschaftlich stabilisiert, dann haut Corona alles um“, sagt Außenministerin Annalena Baerbock in einem Interview mit dem Stern. „Und als wir gerade dachten, jetzt kommen wir langsam über den höchsten Berg, greift Russland die europäische Friedensordnung an. Man sollte sich nie zu sicher sein.“

Trotz all der Krisen und Herausforderungen der aktuellen Zeit zeigt sich Baerbock in dem Interview aber optimistisch, „auch wenn die Weltlage einen manchmal verzweifeln lässt.“ Dazu spricht die Grünen-Politikerin über ihre Corona-Erkrankungen und der Folgen und ihre Sicht auf Gespräche mit Wladimir Putin zum Ukraine-Krieg.

Außenministerin Baerbock in Japan
Annalena Baerbock sieht aktuell im Ukraine-Krieg keine Erfolgschancen bei Friedensverhandlungen mit Wladimir Putin. © Britta Pedersen/dpa

Ukraine-Krieg: Annalena Baerbock sieht keine Erfolgschance bei Gesprächen mit Putin

Bei aller Hoffnung auf Friedensverhandlungen, sieht die Außenministerin nur wenige Erfolgschancen in Gesprächen mit Russlands Präsident Wladimir Putin: „Worüber kann man mit jemandem verhandeln, der nicht einmal bereit ist, mit dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz humanitäre Korridore für die Flucht von Zivilisten zu vereinbaren?“

Putin dagegen teile immer die gleiche Botschaft mit, sagt die 41-Jährige: „Der Angriff geht weiter, bis sich die Ukraine seinen Bedingungen unterwirft. Koste es so viele Menschenleben – ukrainische und junge russische Soldaten, wie es wolle.“

Interview mit Annalena Baerbock: „Russland hat sich aus der Weltgemeinschaft verabschiedet.“

Russland habe sich durch sein Handeln aus der Weltgemeinschaft verabschiedet - an eine Partnerschaft sei aktuell unter keinen Umständen mehr zu denken: „Russland teilt nicht einmal mehr den kleinsten gemeinsamen Nenner“, meint Baerbock. „Dass man nicht einfach über seinen Nachbarn herfällt.“

Ihr volle Solidarität gehöre der Ukraine, sagt Baerbock.

Ukraine-Krieg: Die Trümmer eines Wohnblocks in Tschassiw Jar in der Region Donezk
Ukraine-Krieg: Die Trümmer eines Wohnblocks in Tschassiw Jar in der Region Donezk © Nariman El-Mofty

Baerbock: Corona ist noch längst nicht überstanden

Vor dem Ukraine-Krieg hat dagegen die Corona-Pandemie die größten Herausforderungen bereitgehalten, egal ob in Politik oder Zivilgesellschaft. Und die Pandemie sei noch längst nicht überstanden, sagt Baerbock. Sie selbst wurde Anfang Juni, bei einem Besuch in Pakistan, positiv auf das Virus getestet, isoliert und in ihrer Regierungsmaschine nach Deutschland ausgeflogen.

Zwei Wochen hatte sie mit der Infektion zu kämpfen - trotz vierfacher Impfung. Ihre Covid-19-Erkrankung habe sie „wirklich niedergestreckt“. Und sie leide noch immer an den Folgen: „Mehr als zwei Etagen schaffe ich auch jetzt kaum zu Fuß“, sagt Baerbock. „Corona ist noch nicht vorbei. Ich kann nur appellieren, an die Menschen appellieren. Maske tragen, wo es nötig ist und testen, testen, testen.“ (con)

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