Kanzlerkandidatin der Grünen

Baerbock im TV-Interview skurrilen Fragen ausgesetzt – Es hagelt Kritik für ProSieben

Beim TV-Sender ProSieben hat Annalena Baerbock ihr erstes Interview als Kanzlerkandidatin der Grünen gegeben. Das Gespräch stößt auf massive Kritik.

Kassel – Gemeinsam mit dem Co-Vorsitzenden der Grünen, Robert Habeck, tritt Parteichefin Annalena Baerbock am Montagvormittag (19.04.2021) vor die Presse und verkündet, dass Baerbock Kanzlerkandidatin von Bündnis90/Die Grünen* wird. Noch am selben Abend ist sie in der TV-Sondersendung „ProSieben Spezial“ zu sehen. Kathrin Bauerfeind und Thilo Mischke führen als Moderatoren durch das Interview.

Gleich zu Beginn ist die Kanzlerkandidatin der Grünen einer flapsigen Begrüßung ausgesetzt. Extra für das Interview wurde die TV-Serie „Tschernobyl“ verschoben, scherzte Kathrin Bauerfeind. „Das ist doch schon mal was, oder?“ Annalena Baerbock bleibt kühl, für sie sei es ein aufregender Tag gewesen.

ProSieben-Interview mit Annalena Baerbock: Provokante Fragen für Kanzlerkandidatin

Auch wenn das Grundgesetz vorsehe, dass nur eine Person das Kanzleramt übernehmen kann, könne man Wahlkampf niemals alleine machen, so Baerbock. Vor allen im Hinblick auf Robert Habeck, der ebenfalls als möglicher Kanzlerkandidat infrage kam. „Ich glaube nicht, dass ich die bessere bin, es geht auch nicht um besser oder schlechter“, erklärte sie auf Nachfrage von Thilo Mischke.

Die Entscheidung sei gemeinsam gefallen. Aus der Partei sei nach Baerbocks Worten die Bitte gekommen, sie nicht vor die Wahl zu stellen - „bitte macht es so, dass wir uns nicht zerlegen“, so die Forderung der Grünen. Offenbar auch als Anspielung auf den nervenaufreibenden Machtkampf der K-Frage in der Union gedacht.

Die grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock im Interview auf ProSieben. Während des Gesprächs ist sie eher unkonventionellen Fragen ausgesetzt. (Screenshot)

Grünen-Kandidatin Baerbock im Interview: Mächtig Kritik für ProSieben

Insgesamt ist Annalena Baerbock in der 45-minütigen Sendung des Privatsenders ProSieben vielen provokanten Fragen ausgesetzt. „Geht Ihnen der Arsch auf Grundeis?“, stichelte Bauerfeind unter anderem anlässlich Baerbocks mangelnder Regierungserfahrungen. Ob Corona-Politik, Pflege, Hartz IV oder Autoindustrie - die Kanzlerkandidatin der Grünen ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, beantwortete die Fragen und schlüsselte so die Vorstellungen ihrer Partei auf.

Die Meinungen zum Interview im Netz sind geteilt. Darunter viele Befürworter, auch mit Blick auf die unübliche Art des Interviews. „Auch diese Art des Interviews ist mal komplett anders, nicht nur das schnöde Anne-Will-Interview im kargen Studio“, schreibt ein Nutzer bei Twitter. „Schön, dass eine Kandidatinnenkür auch noch mit Abstand und Würde geht. Ein richtiger Lichtblick. Und jetzt putzt die alten weißen Männer weg!“, äußerte sich ein anderer Nutzer.

Annalena Baerbock
Seit 27. Januar 2018Bundesvorsitzende der Grünen (mit Robert Habeck)
19. April 2021Vorschlag zur Kanzlerkandidatin der Grünen

Nach TV-Interview mit Baerbock bei ProSieben: Twitter-Nutzer empört

Doch nicht alle sind von Baerbocks Auftritt und dem Interviewstil angetan. „Das ProSieben-Spezial ist doch einfach nur Wahlwerbung für Baerbock oder?“, wird kommentiert. „Sorry ProSieben gab es keinen fähigen Journalisten für das Interview mit Annalena Baerbock? Aber wahrscheinlich bin ich nur zu alt für diesen hippen Style“, empört sich ein weiterer Nutzer bei Twitter.

Auch auf Instagram hagelte es Kritik. Nutzer kritisieren vor allem die Ausdrucksweise der Moderatoren. „Ständig wird ihr ins Wort gefahren. Unangenehme Kommunikations-Dynamik“, erklärt eine Nutzerin. „Das Interview war peinlich und zum Fremdschämen ... Wortwahl mit der man wohl locker und modern sein wollte, die aber nur unangebracht war“, kritisiert eine Instagram-Userin.

Interview mit Grünen-Kanzlerkandidatin: TV-Kritiker mit scharfer Kritik

Auch TV-Kritiker Matthias Dell bemängelt das Gespräch bei ProSieben. Es sei viel zu unkritisch gewesen - eher wie eine Plauderei bei einer Party. „Der mit Abstand peinlichste Moment war, dass Kathrin Bauerfeind wirklich angefangen hat, zu klatschen“, schreibt Dell bei deutschlandfunkkultur.de. Mit seiner Kritik meint er vor allem Bauerfeind, in Teilen aber auch Thilo Mischke.

ProSieben war damit zum ersten Mal Anlaufstelle für die Kür einer Kanzlerkandidatin. Üblicherweise wird das von den Rundfunksendern ARD und ZDF übernommen. (Karolin Schaefer) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Pro7/Screenshot

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