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Pfleger Ricardo Lange platzt bei Anne Will der Kragen: „Ich sitze vorm Fernseher mit geballter Faust“

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Der Pfleger Ricardo Lange plädiert bei Anne Will (ARD) für bessere Arbeitsbedingungen.
Der Pfleger Ricardo Lange plädiert bei Anne Will (ARD) für bessere Arbeitsbedingungen. (Screenshot) © Screenshot_ARD_Anne Will

Wie wirksam waren die bisherigen Corona-Maßnahmen? Wie gut sind wir auf den Herbst vorbereitet? Darüber diskutierten die Gäste bei Anne Will (ARD).

Berlin – Der Sachverständigenausschuss, bestehend aus 18 Expert:innen, hat am 30. Juni sein Gutachten vorgelegt, in dem es um die Bewertung der bisherigen Corona-Maßnahmen ging. Auf dieser Grundlage möchte die Bundesregierung prüfen, welche Strategie für den weiteren Verlauf der Pandemie in Deutschland umgesetzt werden soll. Bis zum Auslaufen des Infektionsschutzgesetzes am 23. September dieses Jahres sollen verschiedene Szenarien mit entsprechenden möglichen Maßnahmen erarbeitet werden, damit die Länder für den Herbst und der erwarteten neuen Welle gewappnet sind. 

Anne Will wollte in ihrer Sendung vom 3. Juli 2022 in der ARD insbesondere von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und Christine Aschenberg-Dugnus, parlamentarische Geschäftsführerin der FDP-Bundestagsfraktion und Mitglied im Gesundheitsausschusses, wissen, welche Schlüsse sie aus diesem Gutachten ziehen. Recht forsch meldete sich Wissenschaftsredakteurin Christina Berndt zu Wort, bevor die beiden Politiker sprechen konnten. Sie gab zu verstehen, dass sie diesen Bericht nicht als sonderlich vielsagend ansieht. „Man weiß doch schon längst, dass Masken in Innenräumen etwas nützen“, warf sie beispielsweise ein, wie fr.de berichtet.

Karl Lauterbach bei Anne Will (ARD) über Schulschließungen: „Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie wiederkommen“

Lauterbach erwiderte, dass er persönlich tatsächlich nichts Neues aus dem Bericht erfahren habe, doch man habe sich nunmal innerhalb der Regierung darauf geeinigt, ihn abzuwarten und als weitere Verhandlungsgrundlage zu nehmen. Berndt zeigte sich weiter kritisch. Man werde wohl kaum anhand dieser Daten zum jetzigen Zeitpunkt künftige Maßnahmen ausschließen wollen und können. „Wir brauchen doch alle Instrumente, denn niemand von uns weiß, wie sich die Lage entwickeln wird“, sagte sie und sie bezog sich vor allem auf die Andeutungen von Aschenberg-Dugnus, die in der ARD bei Anne Will meinte, dass erneute Lockdowns und Schulschließungen ausgeschlossen seien. 

Schulschließungen hätten massive psychosoziale Folgen gehabt, zu denen unter anderem die Erhöhung der Selbstmordrate bei Jugendlichen gehöre, erklärte Aschenberg-Dugnus. Diese Folgen müsse man ab jetzt dringend berücksichtigen. „Ein erneuter Lockdown ist auszuschließen, denn dafür haben wir einen zu guten Immunstatus in der Bevölkerung“, sagte auch Lauterbach, „Schulschließungen waren das letzte Mittel, und es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie wiederkommen“, fuhr er fort, doch kategorisch ausschließen könne er sie nicht. 

Lauterbach fiel an diesem Abend bei Anne Will durch eine professionelle Ausgeglichenheit auf. Diese musste er vor allem im Gespräch mit Ricardo Lange, der in der Sendung in der ARD die Intensiv-Pfleger und Intensiv-Pflegerinnen repräsentierte, unter Beweis stellen. „Ich sitze vor dem Fernseher mit geballter Faust“, meinte Lange, von Anfang an aufgebracht, „wenn ich davon höre, dass man Maßnahmen ergreifen wolle, damit die Intensivstationen nicht überlastet seien“. Für ihn sei das konstant der Fall. Ob man denn schon gesehen habe, wie Pfleger und Pflegerinnen vor Erschöpfung weinend am Boden säßen, wollte er wissen. Er sehe nicht, dass man sich bemühe würde, den Beruf attraktiver zu machen. Junge Leute rückten nicht nach, die Arbeitsbedingungen seien dafür zu schlecht. 

Anne Will (ARD): Lauterbach rät zur Vierten Impfung

Nur mit Mühe konnte Lauterbach einbringen, dass er sich der Lage durchaus bewusst sei und auch schon entsprechende Vorstösse, wie das Pflegeentlassungsgesetz, das noch vor der Sommerpause beschlossen werden soll, auf den Weg gebracht habe. 

Die Gäste bei Anne Will in der ARD
Christine Aschenberg-Dugnus, parlamentarische Geschäftsführerin der FDP-Bundestagsfraktion und Mitglied im Gesundheitsausschusses
Christina Berndt, Wissenschaftsredakteurin bei der „Süddeutschen Zeitung“
Ricardo Lange, Intensiv-Pfleger
Karl Lauterbach, Bundesminister für Gesundheit

Über weitere konkrete Beschlüsse, die Deutschland auf den Herbst vorbereiten sollen, wollte Lauterbach nicht sprechen. Anne Will versuchte in ihrer Sendung in der ARD, von den zu erwartenden Maßnahmen zu erfahren, Lauterbach hielt sich bedeckt: „Wir werden unterschiedliche Szenarien durchgehen mit verschiedenen Möglichkeiten“, sagte er und fasste leider damit auch die Essenz der Gesprächsrunde zusammen. Zu echten neuen Erkenntnissen ist man nämlich nicht gekommen. Auf ihre anfängliche Frage, ob Deutschland gut auf kommende Pandemie-Wellen vorbereitet sei, muss man wohl zum jetzigen Zeitpunkt, weil es mangels an Entscheidungsgrundlagen nicht anders geht, mit Nein antworten. 

„Auf den Weg“ wollte Lauterbach den Zuschauern dann doch noch etwas mitgeben. Er rät allen Menschen ab 60 Jahren dringend zu einer vierten Impfung. Man habe festgestellt, dass sich die Todesrate damit massiv senken lasse. (Teresa Vena)

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