Mindestens 62 Kandidaten wollen beim Parteitag ihren Hut in den Ring werfen

Ansturm auf grüne Listenplätze

Hannover. Während Niedersachsens Piraten wegen Formfehlern in eine neue Runde müssen, laufen sich die Grünen für ihre Listenaufstellung zur Landtagswahl am 20. Januar 2013 warm. Der Andrang der Bewerber ist riesig wie nie, insbesondere bei den Frauen drohen auf dem Parteitag in knapp zwei Wochen Kampfkandidaturen um die begehrten vorderen Plätze.

Mindestens 62 Grüne werfen am letzten Juni-Wochenende in Wolfsburg ihren Hut in den Ring. Angesichts guter Umfragewerte und der nicht unwahrscheinlichen Perspektive auf eine grüne Regierungsbeteiligung scheint ein Sitz im Parlament einfach zu verlockend zu sein. Und das verspricht einen zermürbenden Wahlmarathon; drei Tage sind für den Parteitag angesetzt. Die rund 180 Delegierten müssen nicht nur Frauen- und Neuenquote beachten – jeder ungerade Platz beginnend mit Eins ist zwingend dem weiblichen Geschlecht vorbehalten, jeder dritte Platz ist für absolute Landtagsneulinge vorbehalten. Die Grünen müssen von jedem Kandidaten auch noch eine zehnminütige Vorstellungsrede ertragen. „Bei 62 sind das 620 Minuten, also das sind schon allein über zehn Stunden“, stöhnt eine Abgeordnete.

Weniger wäre allerdings auch zu riskant, wie jetzt der niedersächsische Landesverband der Piraten leidvoll erfahren muss. Die Politnovizen hatten ihren Bewerbern bei der Listenaufstellung im April jeweils nur drei Minuten eingeräumt. Einige unterlegene Kandidaten drohten deswegen mit Klagen. Weil außerdem mindestens ein nichtdeutscher EU-Bürger bei den teilweise knappen Voten mitgestimmt hatte, zog das Parteischiedsgericht der Piraten jetzt die Notbremse, erklärte die Listenwahl für nichtig und ordnete eine Wiederholung für den 21. und 22. Juli beim Parteitag in Wolfenbüttel an.

Führungs-Duo

Davor scheinen die Grünen gefeit. Bei ihnen gelten Landeschefin Anja Piel und Fraktionschef Stefan Wenzel als Führungsduo gesetzt, ab Platz drei jedoch dürfte das Gerangel losgehen. Sechs der sieben Frauen aus dem Landtag streben eine Rückkehr ins Leineschloss an. Gute Chancen werden Fraktionsvizechefin Miriam Staudte aus Lüneburg eingeräumt, fraglich ist aber, ob Fraktionsgeschäftsführerin Gabriele Heinen-Kljajic (Braunschweig) ihr den dritten Platz kampflos überlassen wird.

Bei den weiblichen Neulingen hat die Göttinger Grüne-Jugend-Aktivistin Julia Hamburg eine Favoritenrolle für Platz neun inne.

Etwas entspannter geht es bei den vorderen Männer-Rängen der Grünen zu. Zwei der fünf aktuellen Abgeordneten scheiden aus. Nach Wenzel kann sich Agrar-Experte Christian Meyer daher offen auf Platz vier, sein Justiz-Kollege Helge Limburg auf Platz acht bewerben.

Von Peter Mlodoch

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