Antisemitische Verschwörungstheorien

Judenhass auf „Querdenken“-Demos: Antisemitismusbeauftragter für Verbot von gelbem Stern

Städte und Kommunen sollen bei Demonstrationen das Tragen eines gelben Sterns untersagen. Der war bei „Querdenken“-Demos zuletzt häufiger zu sehen.

Frankfurt - Immer wieder kommt es vor, dass Demonstrierende auf „Querdenken“-Demos einen gelben Stern mit der Aufschrift „ungeimpft“ tragen. „Wenn Menschen sich auf Demonstrationen sogenannte Judensterne anheften und damit Vergleiche ziehen, die den Holocaust relativieren, sollte dagegen mit den Möglichkeiten des Ordnungsrechts vorgegangen werden”, sagte der Antisemitismusbeauftragte Felix Klein dem “Tagesspiegel”.

Die Zahl der antisemitischen Straftaten ist im Jahr 2020 auf mehr als 2300 gestiegen. Klein zeigt sich nicht verwundert. „In Zeiten der Krise sind Menschen offener für irrationale Erklärungsmuster, dazu zählen auch antisemitische Stereotypen.“ Jüd:innen werden seit Jahrhunderten für Krisen verantwortlich gemacht. „Neu ist aber, dass [...] Gruppen, die bislang kaum oder nie etwas miteinander zu tun hatten, jetzt auf Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen oder im Netz gemeinsame Sache machen.“

“Natürlich sind nicht alle Gegner der Corona-Maßnahmen Antisemiten. Aber Menschen, die von sich selbst behaupten, sie stünden in der Mitte der Gesellschaft, lassen es zu, dass Antisemiten die Proteste kapern“, erklärt der Antisemitismusbeauftragte Felix Klein.

Holocaustrelativierung bei Coronavirus-Demonstration. Der Antisemitismusbeauftragte Felix Klein fordert das Verbot von gelben Sternen auf Demos.

Antisemitismus in Deutschland: Auch ein Problem der gesellschaftlichen Mitte

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, sieht in Demonstrationen von Corona-Leugner:innen ein Wiederaufgreifen antisemitischer Narrative. Der „Glauben, dass eine geheime Elite das Virus in die Welt gesetzt habe, dass die Bürger zu Marionetten wurden etc. Das alte antisemitische Narrativ der jüdischen Weltverschwörung wurde der aktuellen Situation angepasst.“

Mit gelben Sternen und der Aufschrift „ungeimpft“ würden Gegner:innen der Corona-Maßnahmen Vergleiche zum Holocaust ziehen und ihn dadurch relativieren, erklärt Klein. Er verwies auf die Stadt München, die in den Auflagen für die Kundgebungen das Tragen eines gelben Sterns verboten hatte. Er begrüßt die Entscheidung der Stadt und hoffe, dass sich weitere Städte anschließen.

Laut Felix Klein sei „Antisemitismus zu lange als Randproblem betrachtet worden. Es ist zu wenig gesehen worden, dass er auch aus der Mitte der Gesellschaft kommt.“. Zukünftig soll Aufklärung über Antisemitismus und Rassismus auch in den Schulen stattfinden. Schulbücher zeigen oft ein verzerrtes, problembehaftetes Bild von Jüd:innen. Auch Lehrkräfte sollen ausgebildet werden, damit sie bei Antisemitismus- und Rassismusvorfällen auf Schulhöfen oder im Unterricht besser reagieren können. (David Suárez Caspar)

Rubriklistenbild: © Christophe Gateau/dpa

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