Sieben-Tage-Wochen, meist halbjährige Einsatzzeiten, kaum Privatsphäre

Arbeiten für die Passagiere: Traumschiffe bieten harte Jobs

Bremerhaven. Das Geschäft mit den Kreuzfahrten boomt. Immer mehr Deutsche buchen ihren Urlaub auf den schwimmenden Hotels – mit der Folge, dass auch der Bedarf an Personal größer ist.

Deshalb fand die Job-Kreuzfahrt-Messe dieses Jahr zum ersten Mal an zwei Tagen statt, heute geht sie in Bremerhaven zu Ende.

Der Bedarf an Arbeitskräften sei so groß, dass Bewerber sofort anheuern können, sagt Veranstalterin Daniela Fahr. Insgesamt zwölf Reedereien stellen sich vor, die für 220 Hochsee- und Flusskreuzfahrtschiffe Mitarbeiter vom Animateur bis zum Küchenchef suchen. Viele Bewerber wollen mit einem Job auf einem Kreuzfahrtschiff einmal etwas anderes erleben und die Welt bereisen. Und oftmals macht sich diese Station auch gut im Lebenslauf – denn die Arbeit ist hart.

„Es ist eine sieben-Tage-Woche, Feierabend nach acht Stunden gibt es eigentlich nie“, erzählt eine junge Frau unserer Zeitung, die insgesamt eineinhalb Jahre auf einem der großen Kreuzfahrtschiffe gearbeitet hat. „Eine Privatsphäre gibt es kaum, da man sich eine kleine Kabine mit einem anderen Besatzungsmitglied teilen muss.“ Das ändert sich erst ab dem Offiziersstatus, erklärt der Direktor der Schiffreise beim Veranstalter Phoenix, Michael Schulze: „Aber als neues Mitglied steigt man dort normalerweise nicht ein, das soziale Leben findet also auf engem Raum statt.“ Man müsse sich darauf einstellen, dass die Arbeit auf dem Schiff hart wird.

Separater Crew-Bereich

Für meist ein halbes Jahr bleiben die europäischen Kräfte auf dem Schiff, „bei nicht-europäischen Besatzungsmitgliedern sind es auch neun oder zehn Monate“, sagt die junge Frau. Wer da im Maschinenraum arbeitet, könne schnell depressiv werden: „Die arbeiten jeden Tag unter der Wasseroberfläche, ohne Tageslicht.“ Der Verdienst reiche dabei nicht mehr aus, um sich eine goldene Nase zu verdienen: „Die Vorstellung ist veraltet, Kreuzfahrten sind keine Luxusreisen mehr.“ Gut haben es die, die nah an den Gästen arbeiten und so auf Trinkgeld hoffen können.

Doch auch wenn man nicht in den Gäste-Bereich darf: Für die Crew gibt es in den meisten Fällen einen eigenen Bereich, der „wie das Wohnzimmer ist: Dort trifft man sich, schaut DVDs, hat eine eigene Bar“, sagt die ehemalige Crew-Mitarbeitern.

Hintergrund

Routen und Zahlen

• Deutschland gilt als zweitgrößter Kreuzfahrtmarkt in Europa nach Großbritannien. Die Buchungszahlen steigen: Laut des Kreuzfahrtverbandes CLIA haben 2012 gut 1,5 Millionen Deutsche eine Kreuzfahrt gebucht (plus elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr). Zudem stieg die Zahl der Beschäftigten 2012 europaweit auf 327.0000 (plus 11.500 gegenüber 2011).

• Besonders beliebt ist bei den Deutschen laut einem Statistikportal eine Reise durch das westliche Mittelmeer: Neben Häfen in Städten von Italien, Spanien und Portugal wird häufig auch Gibraltar ein Besuch abgestattet.

• Wer sich für einen Job auf einem Kreuzfahrtschiff interessiert, kann sich unter anderem bei www.kreuzfahrtjobs.de oder bei www.seachefs.com informieren.

Von Constanze Wüstefeld

Rubriklistenbild: © dpa

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