Arbeitskräfte dringend gesucht: Das Anwerbeabkommen mit der Türkei

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dpa

Italiener, die in der Südwestdeutschen Landwirtschaft arbeiteten, waren die Ersten: Im Aufschwung der späten 1950/60er-Jahre hat die Bundesrepublik auch in der Türkei Arbeitskräfte angeworben - erstmals, kurz nachdem der Mauerbau in Berlin den dahin noch anhaltenden Zustrom von Arbeitskräften aus dem Osten stoppte.

Jobs gab es vor allem in Bereichen, in denen schwere und schmutzige Arbeit verrichtet werden musste. Erst sollte jeder Gastarbeiter nur zwei Jahre bleiben dürfen. Familiennachzug war bis 1964 verboten. Zum Anwerbestopp während der Ölkrise 1973 lebten 600 000 Türken in Deutschland.

Anfang November 1964 strahlte der WDR mit „Köln Radyosu“ (Das Kölner Radio) die erste Sendung einer deutschen Rundfunkanstalt in türkischer Sprache aus. Zeitungen und Fernsehprogramme in türkischer Sprache gab es damals noch nicht.

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Für die Unternehmen hatte die Rekrutierung von „Gastarbeitern“ finanzielle Vorteile, weil aus ihrer Perspektive deutsche Arbeiter dieselben Arbeitsplätze nur mit erheblichen Lohnzugeständnissen angenommen hätten. Akkord- und Prämienlohn war bei Ausländern wesentlich stärker verbreitet als bei deutschen Arbeitern. Das gleiche galt für Schicht- und Nachtarbeit. Es gab vor allem in der Anfangsphase der Anwerbung von Türken häufige Klagen der deutschen Arbeitskollegen darüber, dass die Türken beim Auftauchen eines Zeitnehmers an ihrem Arbeitsplatz „wie verrückt arbeiten“ und dadurch die Akkordsätze verderben. Unter anderem schürte in den Betrieben gerade dieses Verhalten zu einer starken Abneigung gegen Türken.

Niedrige Löhne, schlechte Arbeitsbedingungen, miserable Unterkünfte führten auch zu Arbeitskämpfen und Konflikten. Beispiele sind die Streiks im Jahr 1962 in Duisburg-Hamborn und Essen, beim Industrietraktorenwerk Deere-Lanz in Mannheim, bei den Automobilzulieferern Karmann in Osnabrück oder Hella in Lippstadt und Paderborn. Erhebliche Aufmerksamkeit fand der "Türkenstreik" bei Ford in Köln-Niehl im August 1973.

Ismali Bahadir aus Konya in Zentralanatolien war 1969 der millionste Gastarbeiter aus Südosteuropa. Bei der Ankunft am Münchner Hauptbahnhof erhielt er einen Fernseher als Willkommensgeschenk. (wrk)

Mehr Infos in einem Themenspezial „50 Jahre Anwerbeabkommen“ der bpb

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung/bpb/Wikipedia

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