Attacke vor Bundestagswahl

Armin Laschet überlässt „Querdenker“ das Mikrofon – Lauterbach kritisiert Kanzlerkandidat

Auf einer Wahlkampfveranstaltung stürmt ein „Querdenker“ die Bühne und stellt Armin Laschet zur Rede. Karl Lauterbach kritisiert den Umgang des CDU-Politikers.

+++ 17.11 Uhr: CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet hat seinen Umgang mit einem mutmaßlichen „Querdenker“ verteidigt. Der Spitzenpolitiker wurde am Freitagabend (03.09.2021) bei einer Wahlkampfveranstaltung in Erfurt von einem Mann überrascht, der ungefragt die Bühne betrat. Statt ihn wegzuschicken, hatte sich Laschet für längere Zeit auf sehr geringe Distanz mit dem Mann unterhalten.

„Ich finde nicht, dass man dann mit Sicherheitskräften ihn wegbewegen sollte, sondern dass man zuhört und sagt, ich versuche, Antworten zu geben“, äußerte sich Laschet am Sonntag (05.09.2021) in Hagen. „Unser Land ist zu aufgewühlt, zu aggressiv, als dass man das noch befeuern sollte“, erklärte der NRW-Ministerpräsident bei einem gemeinsamen Auftritt mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Auch wenn eigentlich niemand auf die Bühne kommen sollte, „muss man ihn anhören.“ Den Stil will Laschet künftig auch so beibehalten. Für sein Verhalten wurde der Kanzlerkandidat der Union vom SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach scharf kritisiert.

Auf einer Wahlkampfveranstaltung in Erfurt, stürmt ein „Querdenker“ die Bühne, um Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet auf die Corona-Maßnahmen anzusprechen. Karl Lauterbach kritisiert das Verhalten des CDU-Politikers.

Streit zwischen Armin Laschet und Karl Lauterbach entfacht

Erstmeldung vom Sonntag, 05.09.2021: Erfurt/Kassel – Zwischen SPD-Politiker Karl Lauterbach* und Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet ist ein Streit entfacht. Der Grund: Bei einem Aufritt Laschets in Erfurt am Freitag (03.09.2021), kam ein Bürger ungefragt auf die Bühne, um sich mehrere Minuten auf sehr geringe Distanz und ohne Mund-Nasen-Schutz mit dem Christdemokraten zu unterhalten – trotz Corona*.

Lauterbach äußerte sich prompt auf Twitter und nahm dabei kein Blatt vor den Mund: „Unfassbar. Armin Laschet lässt sich von einem Querdenker ohne Maske mit 20 cm Abstand anschreien. Das ist keine Bürgernähe, sondern einfach dumm.“

Laschet selbst sah den Vorfall ganz anders und argumentierte einen Tag später in Potsdam, dass man den Menschen zuhören müsse, sonst würde das gesellschaftliche Klima noch rauer werden als es ohnehin schon sei.

„Querdenker“ stürmt Bühne von Armin Laschet: Karl Lauterbach äußert sich auf Twitter

„Karl Lauterbach macht mir das zum Vorwurf, sagt, mit diesen Leuten darf man nicht reden, und vergiftet damit erneut das Klima“, erklärte Armin Laschet. Das wollte der Sozialdemokrat allerdings nicht auf sich sitzen lassen: „Ich habe nicht kritisiert, dass er sich von einem Querdenker anschreien lässt. Nur dass er sich auf 20 cm Abstand dabei ohne Masken anschreien lässt“, schrieb Lauterbach, der unter einem möglichen Kanzler Olaf Scholz (SPD) vielleicht Gesundheitsminister* werden könnte, auf Twitter.

Der Mann hatte sich auf der Bühne über die Corona-Maßnahmen der Thüringer Landesregierung in den Schulen beklagt. Diese sehen vorerst ein Bußgeld für Eltern vor, deren Kinder sich weder impfen noch testen lassen und auch nicht als genesen gelten. Zuvor hatten sogenannte „Querdenker“ bei Laschets Auftritt immer wieder dazwischengerufen.

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Armin Laschet reagiert entspannt auf Bühnenstürmung

Als der Mann die Bühne stürmte, griffen Personenschützer ein, die von Armin Laschet jedoch mit den Worten „Lass den mal“ zurückwichen. Dies ist auf Videos zu sehen, die in den sozialen Netzwerken kursieren. Medienberichten zufolge handelt es sich bei dem Mann um den in der „Querdenker“-Szene bekannten „Busfahrer Thomas Brauner“, wie er sich selbst auf der Messenger-App Telegram bezeichnet. In der Vergangenheit sorgte er bereits mit Holocaust-Vergleichen für Empörung.

Als Brauner, leicht außer Atem, bei Laschet ankam, meinte der CDU-Politiker, dass sich der Mann „erstmal abregen“ und dann die „Frage stellen“ soll. Anschließend hielt er Brauner sein Mikrofon hin. Dabei trennten die beiden Männer nur wenige Zentimeter. Es ginge darum, „mich in meiner Entscheidung zu bestärken, wo ich mein Kreuz machen soll“, sagte Brauner mit Blick auf die Bundestagswahl 2021*.

„Querdenker“ stürmt Bühne von Laschet: Lauterbach will Problem erneut erklären

Nach einem Gespräch schickte Laschet den Mann wieder zurück ins Publikum. Als Laschet im Anschluss unter Buhrufen erklärt hatte, dass an den Schulen weiterhin Masken getragen werden müssen, sagte er zudem, dass er „eine Impfpflicht oder Druck auf Kinder, sich impfen zu lassen“ ablehne.

In einem „letzten Versuch, Armin Laschet das Problem hier zu erklären“, so Karl Lauterbach, twitterte der SPD-Politiker erneut zu dem Vorfall. Brauner hätte nie die Bühne betreten dürfen. Zudem hätte Laschet auf eine Maske oder Abstand bestehen müssen, da er sich in Infektionsdistanz befanden hätte, „als er angeschrien wurde“. (Nail Akkoyun) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Michael Kremer/Imago

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