Pandemie

Erhält „Nazi“-Vergleiche und Hassmails: Arzt behandelt nur Corona-Geimpfte und Covid-Genesene

Niedersachsen: Ein Arzt will ab 2022 aufgrund der Corona-Pandemie die 2G-Regeln einführen – und bekommt viel Gegenwind. (Symbolfoto)
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Niedersachsen: Ein Arzt will ab 2022 aufgrund der Corona-Pandemie die 2G-Regeln einführen – und bekommt viel Gegenwind. (Symbolfoto)

Ein Arzt aus Niedersachsen behandelt künftig nur noch Patienten, die genesen oder gegen Corona geimpft sind. Doch nicht bei allen kommt die 2G-Regelung gut an.

Hannover – Ab 2022 will der Schmerzmediziner Dr. Christian Albert in seiner Praxis nur noch Corona-Genesene oder Geimpfte behandeln. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erklärte Albert seine Beweggründe.

„Ich betreibe eine reine Schmerzpraxis und habe Patienten, deren Immunsystem geschwächt ist. Zum Beispiel wegen einer Chemotherapie“, sagte Albert. Diese besonderen Patientengruppen können derzeit viel gebrauchen, „nur keine Covid-Erkrankung“. Da nun jeder die Möglichkeit hat, sich impfen zu lassen, wolle man ab Januar 2022 auf die 2G-Regelung umsteigen. Personen, die noch nicht geimpft sind, könnten sich auch in seiner Praxis immunisieren lassen. „Wer das nicht will, lässt es eben und sucht sich eine andere Praxis.“

Corona-Pandemie: Niedersachsen setzt umfassend auf 2G-Regelung

Hassmails aufgrund von 2G-Regelung: Arzt aus Niedersachsen als „Nazi“ bezeichnet

Neben Medizinern dürfen in Niedersachsen künftig auch Gastronomen sowie Sport- und Kulturbetriebe die 2G-Regeln anwenden. Angesprochen auf den Druck, der auf Ungeimpfte ausgeübt wird, sprach Albert von einem „ethischen Problem“. Aus beruflicher Perspektive sieht der Mediziner darin kein Problem: „Sich um Leute zu kümmern, die aus freien Stücken eine Impfung verweigern – oder auf Patienten aufzupassen, die besonders geschützt werden müssen? Da fällt mir die Entscheidung sehr leicht.“

Mit dieser Entscheidung ist allerdings längst nicht jeder einverstanden. Seit der Ankündigung sei eine Vielzahl an Hassmails eingetroffen. „Das Härteste – und das war auch der einzige, gegen den ich Anzeige erstattet habe - war jemand, der mir unverfroren mit Gewalt gedroht hat“, erzählte er im Interview. Auch „neuer Nazi“ sei er mehrfach genannt worden.

Arzt in Niedersachsen führt 2G-Regelung in Praxis ein: „20 Prozent“ verantworten Corona-Maßnahmen

Grundsätzlich nimmt er den Shitstorm jedoch gelassen. Er ließe sich „von irgendwelchen Schreihälsen nicht terrorisieren.“ Dennoch respektiere er den Entschluss, sich nicht impfen zu lassen. Gleichzeitig erwarte er aber auch, „dass die genauso respektieren, dass ich meine Patienten schütze.“ Bei den Bestandspatienten käme die neue Regelung gut an, lediglich drei von ihnen hätten nach der Ankündigung die Praxis verlassen. Ein neues Corona-Vakzin könnte jedoch möglicherweise auch bald Impfskeptiker von einer Impfung überzeugen.

Niedersachsen: Ein Arzt will ab 2022 aufgrund der Corona-Pandemie die 2G-Regeln einführen – und bekommt viel Gegenwind.

Doch eine Spaltung der Gesellschaft will sich Dr. Christian Albert nicht vorwerfen lassen. Vielmehr seien es die Menschen, „die sich aus welchen Gründen auch immer nicht impfen lassen wollen“, welche die Gesellschaft spalten.

Rund zwei Drittel der Bevölkerung sind in Deutschland bereits gegen Corona geimpft. Das übrige Drittel bestehe zu etwa zwölf Prozent aus Kindern, so Albert. „Also verantworten ungefähr 20 Prozent der Bevölkerung, dass die restlichen 80 Prozent weiter mit der Maske rumlaufen und sich im Herbst vielleicht auf den nächsten Lockdown einstellen müssen“, erklärte der Mediziner abschließend. (Nail Akkoyun)

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