Nachfolgersuche erfolglos: Arztpraxis? Nicht mal geschenkt

Ohne Nachfolger: der Eschweger Gynäkologe Hans Joachim Kaiser. Foto: Rissmann

Eschwege. Er hat es bis ins Fernsehen geschafft, und auch das Mediziner-Fachblatt Ärztezeitung schilderte seinen Fall. Zwei Jahre lang hat der Eschweger Gynäkologe Hans Joachim Kaiser versucht, einen Nachfolger zu finden. Zuletzt wollte er seine komplette Praxis sogar verschenken.

Vergebens: Nun schließt er nach 33 Jahren seine Frauenarztpraxis in der Eschweger Innenstadt, letzte Sprechstunde ist am 16. März.

Seit 40 Jahren ist Kaiser Arzt. Mit 25 Jahren kam er nach Eschwege und machte hier und in Bremen seinen Facharzt in der Gynäkologie. 1979 eröffnet er seine Arztpraxis in Eschwege, Kosten damals: 200 000 Deutsche Mark. „Ich habe diese Praxis aus dem Nichts aufgebaut und so gehofft, sie einem Nachfolger übergeben zu können“, sagt er. Zwei Jahre vor seinem geplanten Ruhestand hatte Kaiser 2009 mit der Suche nach einem neuen Gynäkologen für seine Patienten begonnen. Rechtzeitig, wie er dachte.

Zunächst wollte er die Praxis für 50 000 Euro verkaufen. „Doch ich habe schnell gemerkt, dass dies so nicht funktioniert“, sagt er. Als kurz vor Weihnachten die Zeit eng wurde, schaltete er in einer einzigartigen Aktion die Presse ein: Er wollte seinen Praxis verschenken. Doch auch diese Aktion blieb erfolglos. „Vier Damen haben sich gemeldet, aber eher halbherzig“, erzählt Kaiser. Niemand wollte so recht nach Eschwege kommen.

Traurig macht Kaiser vor allem, dass ein Kollege aus Kassel die Praxis gerne halbtags übernommen hätte. „In Kassel gibt es derzeit 45 Gynäkologen, viel zu viele“, sagt Kaiser. Der Kollege wollte seine Praxis in Kassel und die in Eschwege betreuen. Doch da habe die Kassenärztliche Vereinigung einen Riegel vorgeschoben. „Er hat keine Ausnahme bei der Patientendeckelung bekommen, so dass es sich für ihn finanziell nicht gerechnet hätte“, sagt Kaiser.

„Die medizinischen Geräte gehen nach Rumänien“, so der Frauenarzt weiter. Über den Rotary Club in Mühlhausen gebe es dorthin Kontakte, lediglich die Logistik müsse noch geklärt werden. Das restliche Inventar verschenke er so nebenher. Bis Ende März muss Kaiser die Praxis nun räumen, dann läuft der Mietvertrag aus. Das Ausräumen übernimmt die Eschweger Werkstatt für junge Menschen. „So erfüllt das ganze noch einen sozialen Zweck“, sagt Kaiser.

Von Diana Rissmann

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