Legendäre Reden: Franz Josef Strauß ließ es Aschermittwoch krachen

+
Abteilung Attacke: CSU-Chef Franz Josef Strauß 1974 in Vilshofen.

Zum politischen Aschermittwoch gehört vor allem in Bayern ein deftiger Schlagabtausch. Legendär waren die Reden des CSU-Politikers Franz Josef Strauß.

Deftiges zu Aschermittwoch hat Tradition. 1580 trafen sich niederbayerische Bauern erstmals zum Viehmarkt in Vilshofen (heute Kr. Passau). Nach dem Handel debattiert man über Politik bei Käse, Fisch und Bier, Speisen, die während der Fastenzeit erlaubt waren.

1948 war es der CSU-Politiker und spätere Ministerpräsident Franz Josef Strauß (1915-1988), der die Veranstaltung mit seinen legendären, angeblich bis zu fünfstündigen Reden zur Blüte und den Wolferstetter Keller zum Toben brachte. Denn oben am Rednerpult und unten an den Biertischen ging es nie um gepflegten Disput, sondern um polemische Attacken auf den politischen Gegner.

Für FJS, wie Strauß von Freund und Feind bezeichnet wurde, waren das stets die Sozialdemokraten, am liebsten in einem Atemzug genannt mit Kommunisten und Bolschewisten. Dabei „stimmt es nicht, dass ich jeden Tag zum Frühstück einen Sozi esse,“ meinte Strauß einmal. „Ich esse nur, was ich mag“.

Berüchtigt waren seine Angriffe auf den Hitler-Gegner und Emigranten Willy Brandt, zu dem Strauß 1961 sagte: „Eines wird man doch Herrn Brandt fragen dürfen: Was haben Sie zwölf Jahre lang draußen gemacht? Wir wissen, was wir drinnen gemacht haben.“

Und noch einige Zitate: 

• 1970, auf dem Höhepunkt der Studentenbewegung, widmete sich Strauß den „Dutschkisten“ und sonstigen „schmutzigen linksradikalen Elementen“. Strauß: „Von Viertel-Intellektuellen lassen wir uns nicht vormachen, was Intelligenz ist.“

• 1975 wetterte er über die SPD/FDP-Regierung, „die auszog, Deutschland zu reformieren, in Wahrheit aber einen riesigen Saustall angerichtet hat.“

Die Empörung über dieses Zitat war groß. Es schien vielen Wählern ein Zeichen dafür, dass sich der machtbewusste Strauß nicht im Griff habe. 1980 verlor er als Kanzlerkandidat der CDU/CSU folgerichtig die Bundestagswahl.

Ob Strauß während seiner Aschermittwochsreden, die später nach Passau verlegt wurden, dem Alkohol zusprach, lässt sich nicht mehr klären, Insider berichteten von Champagner im Humpen. Edmund Stoiber, einer seiner Nachfolger, soll sogar mit Salbei-Tee geschummelt haben. Da graust es wahre FJS-Fans.

Aber nicht nur deswegen haben die Aschermittwochsreden aller Parteien an Reiz verloren. Ihre Zahl hat inflationär zugenommen, wirklich gute Redner lassen sich immer seltener finden. Da ist man schon für einen wie Peter Gauweiler (CSU) dankbar, der vergangenes Jahr meinte: „Deutschland wird in der Münchner U-Bahn verteidigt, nicht am Hindukusch.“

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.