Serienweise Feuerlöscher beschädigt

Sabotage im Atommüll-Lager Asse: Keine Täter ermittelt

Einfach abgekippt: Atommüllfässer in der Asse - hier Einlagerungskammer 2 auf 750 Metern Tiefe. Brandschutz in der Grube ist streng geregelt. Foto: Helmholtz Zentrum München/dapd

Wolfenbüttel. Ziemlich geräuschlos haben Polizei und Staatsanwaltschaft jetzt einen Ermittlungsfall zu den Akten gelegt, der im einsturzbedrohten Atommüll-Bergwerk Asse 2 nahe Wolfenbüttel für Unruhe sorgte.

In mehreren Wellen zwischen Herbst 2012 und Februar dieses Jahres waren dort 60 von 400 Feuerlöschern untertage beschädigt worden. Ganz gezielt, mit Rohrzange und Schraubenschlüssel, wurden laut Staatsanwaltschaft Braunschweig, Schläuche abgedreht und Armaturen gelockert.

Das ist mindestens Sachbeschädigung, vielleicht auch versuchte Körperverletzung, sagte Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe auf Anfrage unserer Zeitung. In etlichen Fällen sei die Beschädigung besonders gefährlich ausgefallen. Hätte jemand diese Feuerlöscher benutzt, wäre er selbst voll vom Inhalt getroffen worden, so Ziehe. Problem der Strafverfolger: Die Ermittler konnten trotz Befragungen und Überwachung keinen Verdächtigen ausmachen. „Die Asse hat 500 Beschäftigte, 400 haben Zutritt zum Schacht.“

Polizei und Grubenleitung gehen davon aus, dass die Sabotage aus den Reihen des Asse-Personals oder von dort beschäftigten Fremdfirmen kam. Bei einer Betriebsversammlung zu den Vorfällen hatte das Management früh klargestellt: Wer als Täter auffliege, für den sei Schicht im Schacht.

Lange Fluchtwege

Sabotage von Brandschutz ist untertage besonders hinterhältig: Fluchtwege aus der Tiefe sind lang und eng, ganz nach oben geht’s nur in Grüppchen per Förderkorb, der Vorrat an Atemluft im Berg ist begrenzt. Die sowieso einsturzgefährdete Grube am Harz, in deren Kammern seit den 1970er-Jahren 126.000 Fässer voller Atommüll eingemauert sind, wird durch Ventilatorsysteme künstlich be- und entlüftet. Mehr als 120 Bergleute gleichzeitig dürfen auf den bis 750 Meter in die Tiefe gestapelten Ebenen nicht unterwegs sein.

Details nennt die Brandschutz-Beschreibung von 2009 nach Übernahme der Grube durch das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS): Rauchen und offenes Feuer untertage sind streng verboten. Leicht entzündliche Abfälle müssen unverzüglich nach oben. „Alle hölzernen Einbauten im Schacht wurden schon vor Jahrzehnten durch Stahlteile ersetzt“, besagt eine ältere Asse-Präsentation.

Als Brandlast gelten zwei Tankstellen untertage mit Vorräten von bis zu knapp 5000 Litern Diesel. Die davon angetriebenen Kleinbusse, Raupen oder Radlader müssen bei Betriebsruhe aus Sicherheitsgründen zentral in 490 und 750 Metern Tiefe parken. Sie fahren auch sonst nicht planlos durchs Bergwerk: „Bereits heute sind häufig die zulässigen Abgas-Konzentrationen in der Grubenluft nahezu ausgeschöpft“, warnte die Strahlenschutzkommission im Juli 2013.

• Asse-Brandschutzbeschreibung BfS: http://zu.hna.de/asse109

Von Wolfgang Riek

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