Bundesamt: Bergung der Nuklear-Fässer könnte sich um weitere Jahre verzögern

Asse-Sanierung stockt

Unendliche Geschichte: Die Bergung der radioaktiven Behälter aus der Asse könnte sich weiter verzögern. Foto: dpa

Wolfenbüttel. Die Bergung von Nuklearabfällen aus dem maroden Atommüll-Lager Asse bei Wolfenbüttel könnte sich um weitere Jahre verzögern. Das geht aus einem Entwurf für einen Terminplan hervor, den das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) an das Bundesumweltministerium weiterleitete.

Bei der derzeitigen Rechtslage könnte demnach vermutlich erst 2036 damit begonnen werden, die Fässer vollständig aus der einsturzgefährdeten Schachtanlage zurückzuholen.

Altmaier kündigt Besuch an

Daraufhin kündigte Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) gestern Abend an, kurzfristig bereits am Freitag das Atommülllager besuchen zu wollen. Er sei enttäuscht und beunruhigt, teilte sein Ministerium mit. Unmittelbar nach Erhalt des Zeitplans wurde das BfS vom Ministerium aufgefordert, sofort konkrete Maßnahmen zu benennen, wie die Rückholung beschleunigt werden könnte, ließ Altmaier wissen, der zusammen mit BfS-Präsident Wolfram König die Schachtanlage bei Wolfenbüttel besuchen will. Dabei solle die Bevölkerung vor Ort von König über den Zeitplan und seine Folgen informiert werden.

Das BfS wies darauf hin, dass der Zeitplan ein „Worst-Case-Szenario“ widerspiegele. Strittig ist zum Beispiel, ob die nötigen Sicherheits- und Sanierungsschritte am früheren Salzstock wie bisher vorgesehen nacheinander erfolgen müssen. Parallele Projekte könnten womöglich das Tempo erhöhen.

Der Bund hatte Berichten zufolge angenommen, dass die Arbeiten spätestens 2028 beendet werden – nun könnte eventuell erst 2029 entschieden werden, ob es überhaupt dazu kommt.

Der damalige Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hatte die Asse im März besucht und sich für eine schnellstmögliche Rückholung des schwach- und mittelradioaktiven Mülls ausgesprochen. Er kündigte außerdem an, einen Rahmenplan dafür vorzulegen. Bislang ist unklar, wie lange das ehemalige Bergwerk stabilisiert werden kann. Pro Tag dringen bis zu 12 000 Liter Wasser in die Anlage ein, in die bis zum Jahr 1978 etwa 126 000 Atommüllfässer gekippt wurden. Ihre Bergung könnte Milliarden Euro verschlingen.

Eine drohende Verzögerung der Sanierung könnte aus Sicht des BfS allerdings glimpflicher ausfallen, wenn die Politik nachbessert. „Der Bericht muss Anlass sein, bei den geltenden rechtlichen Regelungen, Vollzug und Betrieb Zeitreduzierungen zu erreichen, damit solche inakzeptablen Zeitpläne nicht Realität werden“, erklärte ein Sprecher der Behörde.

Die Abläufe ließen sich möglicherweise beschleunigen – etwa, wenn erste Probebohrungen nicht erst nach dem Abschluss aller Notfallmaßnahmen starten müssten oder wenn der Bau eines Zwischenlagers und weiteren Schachts früher beginnen dürfte. Hierzu wird über eine „Lex Asse“ diskutiert, die die Bedingungen vereinfachen soll. Die Grünen im Bundestag fordern ein solches Gesetz ebenso wie etliche niedersächsische Landespolitiker. (lni)

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.