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Atomkrieg mit Putin: Nato bereitet sich auf den Ernstfall vor

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Von: Johannes Nuß

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Der Ukraine-Krieg lässt die Wahrscheinlichkeit eines Atomkriegs wieder ansteigen. Die NATO bereitet sich mit der Übung „Steadfast Noon“ vor.

Brüssel/Berlin – Geschichte wiederholt sich nicht. Das ist eine altbekannte Weisheit. Und doch ähneln sich die Situationen stark. Die Gefahr eines Atomkriegs und der mögliche Einsatz von Atomwaffen war schon 60 Jahre nicht mehr so real auf unserem Planeten, wie sie es seit dem 24. Februar 2022, dem Tag als der Ukraine-Krieg eskalierte, ist. Die Kuba-Krise ist dieser Tage genau 60 Jahre her. Es war die angespannteste Zeit in der Geschichte der Menschheit, als zwischen dem 14. und 28. Oktober 1962 die Welt am Rande eines Atomkriegs stand. Der Ausgang der Geschichte in der Politik damals ist bekannt, alle Seiten lenkten rechtzeitig ein, aber es hätte genauso gut den großen Knall geben können. Dafür will die NATO besser gerüstet sein und bereitet sich aktuell mit der Übung „Steadfast Noon“ (übersetzt: standhafter Mittag) auf den Tag X vor, wie kreiszeitung.de berichtet.

Atomkrieg mit Putin: NATO bereitet sich mit „Steadfast Noon“ auf den Ernstfall vor und probt Einsatz von Atomwaffen

Das nordatlantische Militärbündnis beginnt an diesem Montag, 17. Oktober 2022, ihr jährliches Manöver „Steadfast Noon“ zur Verteidigung des europäischen Bündnisgebiets mit Atomwaffen. An der Übung „Steadfast Noon 2022“ werden nach NATO-Angaben in den kommenden zwei Wochen bis zu 60 Flugzeuge beteiligt sein – darunter moderne Kampfjets, aber auch Überwachungs- und Tankflugzeuge sowie Langstreckenbomber vom Typ B-52. Schauplatz soll insbesondere der Luftraum über Belgien, Großbritannien und der Nordsee sein. Auch die Bundeswehr ist beteiligt.

Soldaten der Flugabwehrraketengruppe 21 der Luftwaffe der Bundeswehr üben den Aufbau einer Luftverteidigungsstellung.
Seit Montag bereitet sich die NATO mit der Übung „Steadfast Noon“ auf einen Atomkrieg vor. (Archivbild) ©  Jens Büttner/dpa

Die Nato betont, dass „Steadfast Noon“ keine Reaktion auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sei und dass keine scharfen Waffen zum Einsatz kämen. „Bei der Übung, die bis zum 30. Oktober läuft, handelt es sich um eine routinemäßige, wiederkehrende Ausbildungsmaßnahme, die in keinem Zusammenhang mit dem aktuellen Weltgeschehen steht“, teilte das Bündnis am vergangenen Freitag mit. Also alles nur Muskelspiele der NATO-Staaten? Jein.

NATO-Übung „Steadfast Noon“: Zum Übungsszenario und zu Details macht Militärbündnis keine Angaben

Nato-Sprecherin Oana Lungescu sagte: „Diese Übung trägt dazu bei, dass die nukleare Abschreckung des Bündnisses sicher und effizient bleibt.“

Lambrecht: Russische Atomdrohungen ernst nehmen

Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) hat davor gewarnt, Russlands Drohungen mit einem Atomwaffen-Einsatz im Ukraine-Krieg als Bluff abzutun. Man müsse diese Drohungen ernst nehmen, „aber ernst nehmen bedeutet nicht, sich davon lähmen zu lassen, sondern genau zu beobachten“, sagte Lambrecht am Montag im ZDF-„Morgenmagazin“. Einen wichtigen Beitrag dazu leisteten Übungen wie das Nato-Manöver „Steadfast Noon“ zur Verteidigung des europäischen Bündnisgebiets mit Atomwaffen.

Es sei ein Gebot der Stunde, genau zu schauen, ob solche Manöver so abliefen wie geplant und welche Schlüsse daraus gezogen werden könnten. Offen ließ Lambrecht die Frage, ob die Bundeswehr auch Szenarien eines Atomwaffenangriffs auf Deutschland durchspiele. Die Bundeswehr sei hier in das Nato-Bündnis und dessen Abstimmungen eingebunden, etwa beim Treffen der Nato-Verteidigungsminister vergangene Woche in Brüssel. „Das sind eben auch Entscheidungen, die dann auch aus strategischen Gründen geheim bleiben sollten.“

An der Übung „Steadfast Noon“ werden nach Bündnisangaben in den kommenden zwei Wochen bis zu 60 Flugzeuge beteiligt sein. Schauplatz soll besonders der Luftraum über Belgien, Großbritannien und der Nordsee sein. Auch die Bundeswehr ist beteiligt.

In der Sendung „Frühstart“ bei RTL/ntv sagte Lambrecht, Deutschland werde sich „sehr prominent“ an der EU-Mission zur Ausbildung ukrainischer Soldaten beteiligen. „Wir sind da ganz vorn mit dabei, denn wir haben ja schon gezeigt, dass wir ukrainische Soldaten sehr gut ausbilden.“ Dabei gehe es nicht nur um Spezialisten. „Wir haben bisher Spezialkräfte ausgebildet (...), aber wir richten uns da auch nach dem Bedarf in der Ukraine.“ (dpa)

Mission „Steadfast Noon“: NATO übt mit Manöver den Einsatz von Atomwaffen

Zum Übungsszenario und zu Details macht die Nato keine Angaben. Nach Angaben von Militärexperten wird bei den regelmäßig im Oktober stattfindenden Manövern unter anderem geübt, wie man die US-Atomwaffen sicher aus unterirdischen Magazinen zu den Flugzeugen transportiert und unter die Kampfjets montiert. Bei den Übungsflügen wird dann allerdings ohne die Bomben geflogen.

US-Atomwaffen sollen unbestätigten Angaben zufolge in Norditalien, in Belgien, der Türkei sowie in den Niederlanden und im rheinland-pfälzischen Büchel lagern. Die sogenannte nukleare Teilhabe der Nato sieht vor, dass sie im Ernstfall auch von Flugzeugen von Partnerstaaten abgeworfen werden und dann zum Beispiel gegnerische Streitkräfte ausschalten. Deutschland hält dafür Kampfjets vom Typ PA-200 Tornado bereit.

NATO bereitet sich mit „Steadfast Noon“ auf Atomkrieg mit Putin vor: Bündnis will zeigen, wie stark man ist

Anders als bei früheren „Steadfast Noon“-Übungen ist in diesem Jahr, dass die Nato proaktiv über den Beginn informiert. In Bündniskreisen wird dies damit begründet, dass diesmal stärker als sonst gezeigt werden soll, dass die Nato selbst auf ein Schreckensszenario wie einen Atomkrieg gut vorbereitet ist.

Neue Sorgen vor einem russischen Atomwaffeneinsatz schürte zuletzt die völkerrechtswidrige Annexion von vier besetzten ukrainischen Gebieten. Unter anderem Kremlchef Wladimir Putin kündigte danach an, man werde sie mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigen. (mit Material der dpa)

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