Auch Hessen droht der Lehrerstreik

Kassel. Die Länder lehnen Gewerkschaftsforderungen nach mehr Gehalt bisher ab - Verhandlungen am Freitag.

In vielen Bundesländern ist gestern die Streikwelle im öffentlichen Dienst angerollt. Vor allem Lehrer, die nicht verbeamtet sind und als Angestellte arbeiten, gingen auf die Straße. An vielen Berufsschulen fiel der Unterricht aus. In Hessen wurde nicht gestreikt, aber auch das könnte sich bald ändern.

Grund für den Warnstreik sind die bisher ergebnislosen Verhandlungen im Tarifkonflikt mit den Ländern. Gestreikt wurde bisher nur in Bundesländern, die zur Tarifgemeinschaft der Länder gehören (TdL). Hessen war 2004 aus der TdL ausgeschieden, um eine eigene Tarifpolitik zu betreiben. Das Land verhandelt deshalb ab dem kommenden Freitag separat. Die Forderungen für Hessen sind aber dieselben: Die Gewerkschaften fordern unter anderem für 800 000 Tarifangestellte der Länder 5,5 Prozent mehr Geld, mindestens aber 175 Euro mehr monatlich. Zwei Verhandlungsrunden in den vergangenen Wochen waren aber auch wegen Differenzen über die betriebliche Altersvorsorge und die tarifliche Eingruppierung der Lehrer ergebnislos geblieben.

15 Prozent sind angestellt 

In Niedersachsen waren durch den Streik laut GEW 50 Schulen betroffen. Massiven Unterrichtsausfall gab es aber nicht. Das lag daran, dass nur die nicht verbeamteten Lehrer auf die Straße gingen. In Niedersachsen sind das etwa zwölf Prozent des Lehrpersonals.

In Hessen sind von 58 225 Lehrkräften 49 012 Beamte (84,2 Prozent) und 9 213 Angestellte (15,8 Prozent). Letztere dürfen streiken, Beamte nicht. Gibt es auch in den Wiesbadener Tarifverhandlungen keine Lösung, droht in Hessen ebenfalls Streik und damit der Ausfall von Unterricht.

Die Forderungen der Gewerkschaft sollen aber nicht nur für die Angestellten gelten, sagt Ulrich Märtin, Geschäftsführer des Landesverbands Hessen der unter anderem für die Lehrer zuständigen Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Sie sollen auch für die Beamten des Landes Hessen greifen, doch hier droht Konfliktpotenzial. Denn die schwarz-grüne Landesregierung hat den Beamten in diesem Jahr eine Nullrunde verordnet.

Danach soll die Besoldung um ein Prozent steigen. Nicht genug, wie die GEW findet.

Forderung nach Entfristung 

Eine wichtige Forderung ist laut GEW-Geschäftsführer Märtin zudem, dass Lehrer, die aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit oder gesundheitlicher Probleme nicht verbeamtet werden, trotzdem eine unbefristete Stelle erhalten. Es sei unwürdig, wenn Lehrer am Ende 15 oder 20 befristete Verträge im Lebenslauf stehen hätten.

Das Innenministerium als Verhandlungspartner der Gewerkschaften wollte sich zu den kommenden Verhandlungen auf Anfrage unserer Zeitung gestern nicht äußern.

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.