„Auf allen Kanälen das Beste für unsere Leser“

Interview mit dem neuen HNA-Geschäftsführer Herbert Siedenbiedel

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Herbert Siedenbiedel

Die HNA hat einen neuen Geschäftsführer: Seit 1. Februar lenkt Herbert Siedenbiedel (54) die Dierichs-Unternehmensgruppe mit über 500 Mitarbeitern in Südniedersachsen und Nordhessen.

Wir sprachen mit ihm über seine Ziele und seinen persönlichen Hintergrund.

Herr Siedenbiedel, Sie sind ja schon seit 1991 im Zeitungsgeschäft tätig - was macht dieses Geschäft so besonders?

Herbert Siedenbiedel: Es muss sich jeden Tag aufs Neue bewähren, wir stellen unser Produkt jeden Tag neu mit neuen Geschichten her. Ich betrachte die Hessische/Niedersächsische Allgemeine wie einen Kompass, der unseren Lesern tagesaktuell wichtige und interessante Hinweise gibt. Unsere Zeitung soll unseren Lesern umfassend Orientierung bieten, auf nationaler wie auch auf lokaler Ebene.

Der digitale Wandel hat auch unsere Branche voll ergriffen. Was bedeutet das für Zeitungen wie unsere? 

Siedenbiedel: Die Digitalisierung ist natürlich auch für Tageszeitungen ein umwälzender Prozess. Ich bin sicher, dass wir auch in zehn Jahren noch ausreichend Leser haben werden, welche die Zeitung in gedruckter Form lesen wollen. Aber wir werden zunehmend auch Leser haben, die sie dann digital lesen wollen - auf welchem Endgerät auch immer. Das ist ein Wachstumsmarkt.

Gegenüber den Werbekunden, die eine Zeitung hat, heißt ein wichtiges Verkaufsargument Reichweite. Was bedeutet die Kombination von Print und Digital für die Reichweite der HNA? 

Siedenbiedel: Gutes. Denn die Kombination von Print und Internet sichert hohe Reichweiten. Die können wir unseren Werbekunden an die Hand geben, damit sie auf dieser Basis ihre Waren erfolgreich verkaufen können.

Das heißt also, man kann die Printauflagen nicht gleichsetzen mit den Reichweiten? 

Siedenbiedel: So ist es. Die HNA ist in unserer Region als reichweitenstärkster Werbeträger absolut Nummer Eins. Die Printauflage gibt einen wichtigen Hinweis, dazu kommen unsere Vertriebskanäle im Internet. Die Digitalisierung ist eine große Chance. Das werden wir ausbauen.

Zeitungen gibt es ja seit Jahrhunderten. Neue Medien wie Radio und Fernsehen haben die Zeitungen immer nur verändert, aber nie verdrängt. Welchen Einfluss wird das Internet auf die Zeitungsinhalte haben? 

Siedenbiedel: Die klassische Zeitung wird meines Erachtens jene Form behalten, die sie auch heute hat. Die einzigartige Stärke einer Zeitung wie der HNA, das unverwechselbare Verkaufsargument oder der „unique selling point“, wie es in der Sprache der Wirtschaft heißt, das sind natürlich lokale und regionale Inhalte.

Was man im Internet so lesen kann, zeigt ja mitunter dramatische Schwächen: Die Hasserfüllten lesen so lange Hasserfülltes, bis sie glauben, Hass sei etwas ganz Normales. Und vieles ist einfach nur erfunden. 

Siedenbiedel: Höflich ausgedrückt: So ist es. Anderseits ist das Internet natürlich das sehr viel schnellere Medium als Print und bietet unendlich viele praktische und hilfreiche Informationen. Für uns Zeitungsleute gilt es, beide Stärken miteinander zu kombinieren und auf allen Kanälen das Beste für unsere Leser herauszuholen. Neben unseren Lokalangeboten sehe ich hier auch eine Herausforderung für jene Redaktionen, die das nationale und internationale Geschehen im Blick haben. Das muss auf die Erfordernisse unserer Region heruntergebrochen werden.

Was meinen Sie? 

Siedenbiedel: Neben der Nachrichtenbeschaffung wird immer wichtiger, dass wir die Nachrichten hintergründig und klug einordnen. Und zwar für unsere Leser und Kunden in der Region, nicht für uns. Sie kennen ja bestimmt den Spruch vom Angler und dem Wurm, der für jedes Geschäft gilt.

Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler. 

Siedenbiedel: Genau.

Immer mehr Zeitungsverlage bieten ihren Abonnenten einen Mehrwert gegenüber den Nicht-Abonnenten. Was planen Sie mit der HNA? 

Siedenbiedel: Da gibt es ja bei uns schon so einiges: Denken Sie etwa an die HNA-Abo-Card und das E-Paper, mit dem Sie als Abonnent Zugriff auf alle Lokalausgaben haben, oder den Zugriff aufs Archiv. Das ist ein über Jahrzehnte gewachsenes, kollektives Gedächtnis unserer Region - exklusiv für unsere Abonnenten. Wir wollen das Abo-Modell im elektronischen Bereich ausbauen, lassen Sie sich überraschen.

Das heißt, der Print-Abonnent behält definitiv einen Mehrwert gegenüber anderen Kunden? 

Siedenbiedel: Absolut.

Ein solches Geschäft in einer Region zu betreiben, setzt ja voraus, sie mit aller Neugier zu entdecken. Werden Sie mit ihrer Familie hierher ziehen? 

Siedenbiedel: Na klar. Mein Sohn soll im Sommer in die Schule kommen. Wir schauen uns nach einem Haus um. Mit der Kasseler Touristik-Info habe ich übrigens unglaubliche gute Erfahrungen gemacht.

Welche?

Siedenbiedel: Ich habe gesagt, ich würde die Stadt als Neuankömmling gerne kennenlernen, aber vielleicht nicht gerade als erstes die Denkmäler, sondern die Stadtteile und Wohnquartiere. Ich bin da unglaublich freundlich und professionell aufgenommen worden. Eine Mitarbeiterin hat sich vier Stunden Zeit genommen und mir die Stadt gezeigt. Ich bin schwer beeindruckt. Auch sonst bin ich hier schon von vielen Menschen sehr entgegenkommend aufgenommen worden. Das finde ich klasse.

Sie kommen ja in eine Region, die früher mal Zonenrandgebiet war. Wenn Sie heute jemand mit dem damals für Neuankömmlinge üblichen Trostwort begrüßen würde „Man kommt mit Tränen, aber irgendwann geht man auch wieder mit Tränen“ - was würden Sie davon halten? 

Siedenbiedel: Nichts, ehrlich gesagt. Die hohe Verbundenheit von Südniedersachsen und Nordhessen mit der Region, in der sie leben, die gibt es ganz besonders in einer Tageszeitung wie der HNA. Wir sind generell unparteilich. Aber bezogen auf die Region sind wir Partei. Und das wollen wir auch bleiben.

Zur Person: Herbert Siedenbiedel

Herbert Siedenbiedel (54) wurde 1961 im schleswig-holsteinischen Neumünster geboren. Nach dem Studium in Hamburg ging der frisch gebackene Diplom-Wirtschaftsingenieur Siedenbiedel 1991 zum Verlag Gruner und Jahr in Hamburg, wo er schon bald im Vorstandsbereich Aufgaben im Controlling übernahm und für den Bau einer Druckerei in Berlin verantwortlich zeichnete. Nach Tätigkeiten für Gruner und Jahr auch in Dresden und Budapest wechselte Siedenbiedel 1999 als Geschäftsführer zur Nordwest-Mediengruppe nach Oldenburg, von wo er jetzt zur HNA kam. Privat kommen für den Eishockey-, Basketball und Handballfan Frau und Sohn und der Familienhund, ein Golden Retriever, an erster Stelle - „und dann lange nichts“. Wenn die Zeit reicht und díe Sonne lacht, dann bewegt Siedenbiedel auch mal sein Harley-Davidson-Motorrad.

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