Aufnahmestopp gegen Flüchtlinge? Ungarn ist überall

Das ungarische Asylsystem sei überlastet - so begründete die Regierung in Budapest die zeitweilige Aussetzung des Dublin-Abkommens zur Aufnahme von Flüchtlingen.

So weit, so normal im Europa von heute. Denn bei genauem Hinsehen verhalten sich die Ungarn in der Flüchtlingsfrage nicht anders als selbst große EU-Staaten wie Deutschland, Frankreich und Italien. Ein Kommentar von HNA-Nachrichtenchef Tibor Pézsa.

Italien hält sich bekanntlich schon lange nicht mehr an die sogenannten Dublin-Regeln, wonach Flüchtlinge ihre Asylverfahren in jenem Land abzuwarten haben, in dem sie zuerst EU-Boden betreten haben. Genauso undeklariert wie die Italiener die Flüchtlinge weiter in den Norden schicken, haben die Franzosen jetzt ihre Grenze zu Italien geschlossen - Schengen-Abkommen hin oder her. Die Folge: In Ventimiglia an der französisch-italienischen Grenze, aber auch an den Bahnhöfen in Mailand und Rom, stauten sich die Flüchtlinge.

Noch einige Zeit nach dem G7-Gipfel in Elmau kontrollierte auch die bayerische Polizei die deutschen Südgrenzen - Schengen-Abkommen hin oder her. Chaotische Szenen spielen sich derzeit auch zwischen Frankreich und Großbritannien ab, wo Flüchtlinge bei Calais massiv daran gehindert werden, die eigentlich kontrollfreie EU-Binnengrenze zu überschreiten.

Und da soll ausgerechnet das Zehn-Millionen-Völkchen der Ungarn gegenüber der EU-Kommission erklären, warum es angesichts unkontrollierter Flüchtlingsströme aus Serbien und Kroatien die Lage begrenzen und kontrollieren will? Dass das Land nicht einerseits Lasten tragen will, weil es sich an die Regeln hält und dazu noch Lasten, weil sich die Nachbarn nicht an Regeln halten? Nein, die Aufregung über Ungarn ist zu billig. In Wirklichkeit zeigt sich hier wie an vielen anderen Orten, wie überfordert die EU der Flüchtlingswelle bis heute begegnet.

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