Aufruhr in Ägypten: 22 Tote

Kairo - Ägypten ist wieder in Aufruhr. Tausende Demonstranten setzen die ungleiche Machtprobe mit dem regierenden Militärrat fort. Die Sicherheitskräfte kennen kein Pardon - wie zu Mubarak-Zeiten.

In Ägypten gehen die Krawalle den vierten Tag in Folge weiter. Sicherheitskräfte setzten gegen die Protestierenden auf dem Tahrir-Platz in Kairo Tränengas ein. Demonstranten bewarfen Polizisten mit Steinen. Mindestens 22 Menschen sind am Wochenende bei den Straßenschlachten ums Leben gekommen, berichtete das Gesundheitsministerium. Etwa 400 wurden verletzt.

Die Demonstranten fordern vom regierenden Militärrat eine schnellere Übergabe der Macht an eine zivile Regierung. Angesichts der fortwährenden Gewalt ist unklar, ob die Ägypter von kommenden Montag an ein neues Parlament wählen können.

Situation chaotisch

Die Situation auf dem Tahrir-Platz sei nach wie vor chaotisch gewesen, berichteten Augenzeugen. Lange Zeit habe gespannte Ruhe geherrscht. Diese sei aber immer wieder von sporadischen Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten unterbrochen worden. Ein Militärsprecher forderte die Demonstranten am Montag auf, den Platz zu räumen. Dies sei im öffentlichen Interesse.

Der Tahrir-Platz liegt im Zentrum Kairos und ist ein Verkehrsknotenpunkt. Der Platz war in den Wochen der Proteste vor dem Sturz des lange herrschenden Präsidenten Husni Mubarak im Februar das Zentrum der Demokratiebewegung.

Bilder: Neue Krawalle in Ägypten

Neue Krawalle in Ägypten: Tote und Verletzte

Die seit Freitagabend andauernden Auseinandersetzungen hatten in ihren Ausgang in einer Demonstration gegen die Militärherrschaft und die Übergangsregierung genommen. Islamistische Parteien hatten die Proteste zwar organisiert, sich aber nach ihrer großen Kundgebung am Freitag wieder zurückgezogen.

Zurück blieben mehrere tausend, meist junge Demonstranten. Diese wollen den Platz erst räumen, wenn ihre Forderungen erfüllt werden. Die Jugendprotestbewegung 6. April warf dem Militärrat vor, er wende die gleichen Methoden an wie der frühere Staatschef Mubarak.

Wahl zieht sich bis Januar hin

Das Militär hatte nach der Entmachtung Mubaraks im Februar die Macht übernommen. Die Demonstranten werfen dem Militärrat vor, er schütze die Revolution nicht, sondern nutze sie zum eigenen Interesse und Machterhalt aus.

In Ägypten wird ab Montag kommender Woche in drei Phasen ein neues Parlament gewählt. Damit zieht sich die Wahl bis zum Januar hin. Anschließend soll das Land eine neue Verfassung bekommen. Ein Termin für die Präsidentschaftswahl steht noch nicht fest.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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