"Bedürfnis nach Geborgenheit und Nähe"

Interview mit Bruder Jakobus: Auszeit im Kloster kein Hotelbesuch

Blick auf die Abtei Münsterschwarzach (Mainfranken): Der Benediktiner-Abtei, die um 780 gegründet wurde, gehören 125 Mönche an. Foto: dpa

Münsterschwarzach. Eine Auszeit im Kloster wird immer gefragter. Bruder Jakobus von der Benediktiner-Abtei Münsterschwarzach über die Gründe.

Warum bieten Sie Menschen einen Aufenthalt im Kloster an? 

Bruder Jakobus: Es ist Tradition, dass die Benediktiner-Klöster Gäste aufnehmen und dass für die Gäste gesorgt sein soll. Wir haben ein Gästehaus, das ursprünglich nur für ganz besondere Gäste wie Verwandte zur Verfügung stand. Das hat sich dann mehr und mehr erweitert, sodass wir heute ein Bildungs- sowie Kursangebot machen, aber auch Menschen, die einfach so ein paar Tage im Kloster verbringen wollen, vorbeikommen können.

Was erwartet einen Menschen, der zu Ihnen in die Abtei kommt? 

Bruder Jakobus: Da muss man zunächst zwischen unterschiedlichen Gruppen unterscheiden. Einmal gibt es von uns ein Bildungsangebot im Bereich Spiritualität/ Glaubensvertiefung/ Lebensorientierung. Zu diesen Seminaren melden sich die Menschen an. Den zweitenSchwerpunkt bilden sogenannte Einzelgäste, die ein paar Tage im Kloster verbringen. Sie gestalten ihren Tag zunächst in Eigenregie, können eintauchen in die geistliche Atmosphäre des Klosters, können an den Chorgebeten teilnehmen und - soweit sie das möchten und auch Arbeit da ist - können sie zum Beispiel in unserer Gärtnerei mitarbeiten.

Warum kommen die Menschen zu Ihnen? 

Bruder Jakobus: Die Einzelgäste haben oft Fragen, Themen, Probleme und suchen eine Begleitung. Das können Beziehungsprobleme sein. Es kann sein, dass jemand in einer Lebens- oder Sinnkrise ist oder dass ein Trauerfall vorliegt. Einige Menschen möchten sich auch einfach mal aussprechen, weil sie Probleme am Arbeitsplatz haben.

Was suchen die Menschen bei Ihnen? 

Bruder Jakobus: Viele Menschen verspüren einen seelischen Hunger, der nicht durch Arbeit, Geld, Konsum oder Erfolg befriedigt werden kann. Es ist das Bedürfnis nach Sinn, nach Zufriedenheit, nach Geborgenheit und Nähe, nach einem Ankommen bei sich oder in einer Gemeinschaft. Dazu gehören auch religiöse Bedürfnisse.

Was nehmen die Menschen aus ihrer Zeit in der Abtei mit? 

Bruder Jakobus: Sehr oft wird von den Gästen gesagt, dass sie die Atmosphäre im Kloster zur Ruhe kommen lässt. Viele Menschen erleben die religiöse Atmosphäre als heilsam und wohltuend. Sie kommen aus der Gestresstheit des Lebens wieder zu sich.

Beinhaltet der Aufenthalt in der Abtei auch einen Verzicht? 

Bruder Jakobus: Ja, wir bitten darum, dass auf den Zimmern nicht telefoniert wird. Außerdem haben wir kein Fernsehgerät auf den Zimmern. Wir sind kein Hotel in dem Sinn. Uns ist daran gelegen, dass es ruhig ist und die Gäste auch ruhig sind. Außerdem wird in der Fasten- und in der Adventszeit beim Frühstück geschwiegen, was viele Gäste als sehr wohltuend erleben, weil sie keinen Smalltalk führen müssen.

Kann man auch als Nichtgläubiger zu Ihnen ins Kloster kommen? 

Bruder Jakobus: Ja. Ein Klosteraufenthalt bei uns ist völlig unabhängig von konfessioneller Rückbindung. Wir haben immer wieder Menschen, die aus ganz anderen Traditionen kommen, Menschen die aus der Kirche ausgetreten sind. Oft treibt die Menschen irgendein Lebensproblem um, das sie auch an die Tür des Klosters klopfen lässt.

Gibt es den typischen Klosterbesucher? 

Bruder Jakobus: Nein, den gibt es eigentlich nicht. Das kann ein relativ junger Mensch sein, ein Student beispielsweise. Das kann ein älterer Mensch sein, der schon öfter hier war und immer wieder kommt oder auch ein Mensch, der uns nur einmal besucht.

Was ist wichtig für eine heilsame Auszeit? 

Bruder Jakobus: Da wäre meines Erachtens wichtig, dass man möglichst viel zu Hause lässt. Dass man nicht mit einem Koffer voll Arbeit in die Abtei kommt. Und auch, dass man sich zunächst einmal auf die Umgebung und das Erlebnis einlässt.

Zur Person 

Bruder Jakobus (59) ist Leiter des Gästehauses der Benediktiner-Abtei Münsterschwarzach in Mainfranken. Er lebt seit 1981 in der Abtei, der 125 Mönche angehören. Bruder Jakobus ist in Gengenbach (Schwarzwald) aufgewachsen. Er hat Theologie in Freiburg und Paris studiert. (mli)

www.abtei-muensterschwarzach.de

Auch in Hessen und Niedersachsen nehmen Klöster Gäste auf. Eine kleine Auswahl:

Hessen:

• Abtei St. Maria

www.abtei-fulda.de

• Bonifatiuskloster Hünfeld

www.bonifatiuskloster.de

• Franziskaner Fulda

www.kloster-frauenberg.de

• Franziskaner Rheingau

www.franziskaner-marienthal.de

• Benediktinnerinnen Rheingau

www.abtei-st-hildegard.de

Niedersachsen:

• Kloster Wennigsen www.kloster-wennigsen.de

• Kloster Wülfinghausen www.kloster-wuelfinghausen.de

Von Miriam Linke

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