Autobahn 44 könnte Bauern Existenz kosten

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Sind vom Land Hessen enttäuscht: Die Landwirte Heinrich Schmidt (von links), Landwirt und Kommunalpolitiker Michael Stein, Martin Fuchs und sein Vater Fritz.

Sontra. Der Bau der A44 kostet einige Landwirte Flächen - teils sind sie dadurch in ihrer Existenz gefährdet. Einst stellte das Land Hessen ihnen Ausgleichsflächen in Aussicht. Davon ist plötzlich keine Rede mehr.

Am Esszimmertisch der Familie Fuchs, die in vierter Generation in Sontra im Werra-Meißner-Kreis ihre Landwirtschaft betreibt, werden die Stimmen schnell laut, wenn es um das Thema der Autobahn 44 geht. Enttäuscht sind sie vom Land Hessen. „Die Regierung ist in der Pflicht“, sagt Landwirt Martin Fuchs. Der Verlust der Flächen durch den Bau der Bundesautobahn gefährde seine Existenz, sagt Fuchs - falls das Land Hessen keine Ersatzflächen stelle.

Danach sieht es derzeit nicht aus. Neben der Familie Fuchs sind vier weitere Landwirte aus Sontra existenzgefährdet. Das ist schriftlich durch Gutachter im Planfeststellungsbeschluss des hessischen Wirtschaftsministeriums zum Neubau der A44 Kassel-Herleshausen festgehalten. Dieser stammt vom 5. September 2013.

Insgesamt geht es um 86 Hektar Land, die den Landwirten verloren gehen. Seit dem 1. April müssen Teile davon abgegeben werden. Der Familie Fuchs fehlen so etwa 20 Hektar. „Wir brauchen den Platz, um Futter für unsere 1200 Mastschweine und die Ferkelaufzucht anzubauen“, sagt Martin Fuchs. Auch die Gülle müsse irgendwo wieder ausgebracht werden.

Eine Fläche, mit der das Land und die Landwirte als Ausgleich zufrieden wären und die die Existenz der fünf Landwirte sichern würde, ist eigentlich schon gefunden.

Dabei geht es insbesondere um ein Teilstück, das etwa 80 Hektar groß ist. Das Land und die zuständigen Behörden hatte diesen Bereich selbst in Aussicht gestellt, wie die Dokumente beweisen: So geht aus einer Antwort des damaligen hessischen Umweltministers Wilhelm Dietzel (CDU) im Jahr 2004 auf eine Anfrage hervor, dass das besagte Landstück an die Bundesrepublik verkauft werden soll. Diese ist für den Bau von Autobahnen zuständig und sollte diese Fläche den Bauern als Ersatz zur Verfügung stellen. Das ist aber nicht passiert.

Im März 2013 bietet die Deges - die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH - Martin Fuchs schriftlich ein Stück dieser Flächen an. Sie ist mitverantwortlich für den Bau der A44. Der Landwirt wäre mit diesem Deal auch einverstanden. Das Problem: Die Flächen, die eben nicht von der Bundesrepublik gekauft wurden, sind inzwischen langfristig verpachtet. „Wie kann das Land Hessen langfristig eine Fläche verpachten, die für uns bestimmt war?“, fragt sich Martin Fuchs.

Verhandlungen dauern

Das Umweltministerium und das Wirtschaftsministerium reagierten auf Anfrage nicht. Zuvor hatte das Wirtschaftsministerium gegenüber der Werra-Rundschau bereits mitgeteilt: Die Flächen seien damals nicht an die Bundesrepublik verkauft worden, da die Voraussetzung für den Kauf auch die Übernahme der Wirtschaftsgebäude gewesen sei. Damals sei aber nicht klar gewesen, wie viel Fläche überhaupt nötig gewesen wäre. Es kam nicht zum Verkauf. Das Amt für Bodenmanagement in Homberg/Efze soll mit den Eigentümern der verpachteten Fläche in Kaufverhandlungen treten. Eine Einigung werde aber noch dauern, schreibt das Ministerium.

Hintergrund:

• Der Sontraer Kommunalpolitiker und Kreistagsabgeordnete Michael Stein (CDU), ebenfalls Landwirt, hat nun mehrfach seine Parteifreunde angeschrieben und drängt auf ein Treffen, um das Problem zu lösen. Zuletzt gab es schwache Signale aus Wiesbaden, dass es demnächst zu einem Treffen kommen könnte.

• Die A44: Das A44-Projekt zwischen Kassel und Herleshausen (69 Kilometer) gilt als das teuerste weltweit. Veranschlagt sind 1,7 Mrd. Euro.

Mehr dazu im Regiowiki.

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