Ministerium verweist auf mangelhaften Herdenschutz

Nutztierrisse im Odenwald: Bäche schrecken keinen Wolf

Raubtier zwischen Laub: Wolf im Odenwald, aufgenommen im Herbst bei Wald-Michelbach. Foto Nabu/dpa

Hesseneck. Wo kommt er her, wo will er hin – oder bleibt der Wolf vielleicht im Dreiländereck von Hessen, Bayern und Baden-Württemberg? Eine Antwort gibt es bislang nur auf die erste dieser drei Fragen.

Der graue Räuber, der die Schäfer der Region verunsichert, stammt aus einem niedersächsischen Rudel.

Das belegen DNA-Tests laut Landesumweltministerium Wiesbaden. Der Odenwald-Wolf, der erstmals Anfang September einem Naturschützer vor die Kamera lief, ist zudem im nahen Bayern und in Baden-Württemberg unterwegs. Vielleicht sei es auch ein zweiter Wolf desselben Wurfes, heißt es im Ministerium.

Odenwald-Schäfer schimpfen nach mehreren Nutztier-Rissen Mitte November rund um die Gemeinde Hesseneck über den „Problemwolf“. Manche fordern seinen Abschuss. Das ist aus Sicht des Umweltressorts voreilig und unberechtigt. Bis zu den Attacken habe sich der Odenwald-Wolf ausschließlich von Wildtieren ernährt. Die angegriffenen Nutztiergatter hätten nicht mal den üblichen Grundschutz besessen, also einen Zaun rundum auf allen vier Seiten, heißt es in Wiesbaden.

Stattdessen dreiseitig eingezäunt, an der vierten Seite nur ein Bach: Der Wasserlauf hindere eventuell Schafe am Weglaufen. Er sei aber kein Hindernis für einen Wolf. Nachdem das erste Foto des Odenwald-Wolfes im Herbst aufgetaucht sei, habe man die Schäfer der Region informiert und auf die Notwendigkeit ausreichenden Herdenschutzes hingewiesen. „Mangelhafte Zäune schrecken ein hungriges Raubtier nicht ab“, so Umweltministerin Priska Hinz (Grüne). Nur wenn Wölfe regelmäßig feststellten, dass Nutztiere durch Elektrozäune geschützt seien, jagten sie weiterhin Wildtiere.

Nach Angaben der hessischen Wolfsbeauftragten Susanne Jokisch ist das Tier im Dreiländereck der neunte Nachweis eines Wolfes in Hessen seit 2011. Im Juni war bei Biebertal in Mittelhessen ein Wolf gesichtet worden. Anfang August wurde ein wolfsähnliches Tier im Reinhardswald beobachtet.

Pläne im Norden

Im Wolfsland Niedersachsen, wo allein im ersten Halbjahr 2017 nachgewiesen knapp 140 Nutztiere von Wölfen gerissen wurden, denkt die neue SPD/CDU-Landesregierung an die Schaffung wolfsfreier Zonen. Ob das juristisch geht und wie die Räumung praktisch aussehen könnte, wird noch geprüft.

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