Bäderchef spricht Klartext

Experte erklärt das wahre Problem mit Flüchtlingen im Schwimmbad

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Ein Erlebnisbad in Schleswig-Holstein hat Tafeln mit Verhaltensregeln für Badegäste aufgestellt. Die badenden Flüchtlinge stellen die Schwimmbadbetreiber aber vor ein anderes Problem: Viele können nicht schwimmen.

München - Sexuelle Belästigung im Schwimmbad durch Asylbewerber: Vereinzelte Meldungen sorgten für heftige Diskussionen. Nun erklärt jemand, der es wissen muss, die wirkliche Situation.

Berthold Schmitt ist Chef der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen e.V. sowie Geschäftsführer der KölnBäder GmbH. Für ihn ihn steht fest: Sexuelle Übergriffe durch Asylbewerber sind die absolute Ausnahme. Das eigentliche Problem mit den Flüchtlingen liegt woanders.

Viele können nicht schwimmen

"Die Rettungsschwimmer und Schwimmmeister in den Bädern waren noch nie so oft im Wasser wie in den vergangenen Monaten, um den Gästen zu helfen", sagte Schmitt im Interview mit der Tageszeitung "Die Welt". Denn: Die wenigsten Flüchtlinge seien des Schwimmens mächtig. "Da kommen Hünen von Männern", erzählt Bäderchef Schmitt weiter, "und gehen zum Beckenrand. Sie sehen den Beckenboden und denken, sie könnten darin stehen und springen rein. Zwei Sekunden später springen meine Mitarbeiter hinterher." Nicht in allen dieser Fälle gehe es um Leben und Tod, doch bräuchten die Badenden Hilfe, um an den Beckenrand zu kommen. Tatsächlich sei die Nichtschwimmer-Problematik ein markantes Thema, da sich viele der Flüchtlinge komplett überschätzten. 

Dass aus mehreren Städten Vorfälle gemeldet wurden, bei denen Flüchtlinge sexuelle Belästigung von Frauen vorgeworfen wird, sieht Schmitt gelassen und mahnt zu Sachlichkeit: "Das sind in der Tat Einzelfälle", stellt er klar. In Köln, das mit den Übergriffen in der Silvesternacht traurige Schlagzeilen machte, seien keine zunehmenden Probleme durch die rund 13.000 Asylbewerber in der Stadt festzustellen. Bei einem aktenkundigen Fall seien sechs Verdächtige sofort festgenommen und der Täter überführt worden.

Bäder sind geschützte Räume

In Köln habe es seit Januar 2015 unter 3,1 Millionen Badegästen sieben Vorfälle gegeben, bei denen Sexualität eine Rolle gespielt habe, an einem sei ein Flüchtling beteiligt gewesen, sagt Schmitt: "Um eines klar zu sagen: Sexuelle Übergriffe und andere Straftaten sind grundsätzlich schlimm und müssen geahndet werden. Aber Taten Einzelner rechtfertigen doch kein generelles Schwimmbad-Verbot für zum Beispiel Flüchtlinge. Denn so werden sie allesamt unter Generalverdacht gestellt. In einem demokratischen Rechtsstaat ist das doch völlig inakzeptabel. Es gilt vielmehr, unabhängig vom Herkunftsland, Alter und Geschlecht dafür zu sorgen, dass öffentliche Bäder auch in Zukunft geschützte Räume für alle ihre Gäste darstellen." Die Betreiber würden alles daran setzen, dass das so bleibe. Auch in München brachten Badeleitung und Polizei in den aufgetretenen Fällen die mutmaßlichen Täter sofort zur Anzeige.

Prävention durch Schwimmkurse und Aufklärung

Um künftig Situationen vorzubeugen, bei denen Nichtschwimmer in Gefahr geraten, setzt Bäderchef Schmitt auf präventive Aufklärung. Schwimmbadbetreiber könnten mit Sozialarbeitern in den Asylbewerberunterkünften in Kontakt treten. Die Deutsche Gesellschaft für Badewesen habe ein Konzept entwickelt, um Flüchtlinge über die Sicherheitsregeln im Badebetrieb aufzuklären. Dabei helfen sollen Hinweise in verschiedenen Sprachen und Piktogramme, die die wichtigsten Regeln bildlich darstellen. Auch sollten Flüchtlinge an den bestehenden Schwimmkursen teilnehmen, finanziert über Bildungsgutscheine.  Reine "Flüchtlingskurse" lehnt Schmitt ab. Für eine Integration der Neuankömmlinge sei dies kontraproduktiv.

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