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9-Euro-Ticket ist auf dem Land nutzlos: Schlechter ÖPNV und fehlende Anbindung

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Verlassene Bushaltestelle im Feld: Bis hier ein Bus kommt, kann es Stunden dauern. Daher ist das 9-Euro-Ticket für Menschen, die auf dem Land wohnen, nicht attraktiv.
Bis hier ein Bus kommt, kann es Stunden dauern. Für Menschen, die auf dem Land wohnen, ist das 9-Euro-Ticket der Bundesregierung nicht attraktiv. © Oliver Berg/dpa

Das 9-Euro-Ticket soll vor allem Pendler dazu bringen, den ÖPNV zu nutzen. Jedoch fehlt dafür häufig eine gute Anbindung in ländlichen Regionen.

Berlin ‒ Mit dem 9-Euro-Ticket man durch ganz Deutschland fahren, für einige Regionalzüge ist es jedoch nicht gültig. Viele Landbewohner können mit dem 9-Euro-Ticket nicht viel anfangen. Um wirklich einen Vorteil aus diesem günstigen Ticket ziehen zu können, fehlt ihnen die Anbindung an das Netz des öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Somit werden die meisten Bewohner ländlicher Regionen weiterhin mit ihrem Auto zur Arbeit fahren. Der positive Effekt für die Umwelt, den das 9-Euro-Ticket auslösen sollte, verpufft damit. Die Landbewohner profitieren damit auch weniger vom Entlastungspaket der Bundesregierung.

Die Probleme verdeutlicht die Tagesschau am Beispiel von Kastellaun im Hunsrück. Dort kommt in manchen Ortsteilen nur alle zwei Stunden ein Bus vorbei. Dass Pendler aus solchen Gebieten auf Bus und Bahn umsteigen, hält die Anwohnerin Dorothee Müller für unwahrscheinlich. „Dafür ist die Anbindung zu schlecht.“ Der Bürgermeister Christian Keimer sieht das genauso. „Das ist plakativ gesagt Großstadtpolitik“, findet er das Ticket für seine Region nutzlos.. „Es wird hier auf dem Land nicht den Effekt erreichen, den man sich in Berlin vorstellt.“

9-Euro-Ticket hat für Landbewohner keinen Nutzen

Amtskollege Andreas Hackethal, Bürgermeister aus einer weiteren Hunsrück-Gemeinde, sieht das ähnlich. Kaum jemand aus seiner Gemeinde greife auf das 9-Euro-Ticket zurück. Hackethal fordert viel mehr ein besseres Bus- und Bahnnetz. Im Moment brauche man für eine Strecke, die man mit dem Auto in 50 Minuten zurücklegt, mit Bus und Bahn mehrere Stunden. „Wir müssen daran arbeiten, den öffentlichen Nahverkehr auch im ländlichen Raum auszubauen und zukunftsfest zu machen.“

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und der ARD-Umweltexperte Werner Eckert schließen sich dieser Forderung an. Denn theoretisch könnte das 9-Euro-Ticket die Umwelt deutlich entlasten. „Wenn tatsächlich alle Pendler allein für drei Monate auf Bus und Bahn umsteigen würden, wären sechs bis sieben Prozent des Treibhausgasausstoßes in Deutschland weg“, erklärt Eckert. Dies jedoch sei bei den aktuellen Anbindungen ländlicher Regionen unrealistisch. DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch spricht sogar von einem „Pacebo-Angebot“. „Die Verkehrspolitik muss endlich die Mobilitätsbedürfnisse der Menschen außerhalb der Ballungsräume in den Fokus nehmen.“ Erst dann würde das 9-Euro-Ticket auch in ländlichen Regionen angenommen werden. (jo)

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