Brief an Claus Weselsky: Bevölkerung in Geiselhaft

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Die Lokführergewerkschaft GDL will ihren Streik bis Sonntag durchziehen. Grund genug für HNA-Redakteurin Petra Wettlaufer-Pohl einen Brief an GDL-Chef Claus Weselsky zu schreiben.

Lieber Claus Weselsky,  wir wissen ja längst, dass es Ihnen hauptsächlich um das hehre Ziel geht, ihre GDL vor dem drohenden Tarifeinheitsgesetz der Andrea Nahles zu retten. Okay. Dass Sie dafür große Teile der Bevölkerung in Geiselhaft nehmen – naja. Über ihr Öko-Gewissen wollen wir an dieser Stelle gar nicht sprechen.

Sondern darüber, dass Sie 3500 Kindern einen gehörigen Schrecken eingejagt haben mit Ihrem Mega-Streik. Kindern und Jugendlichen, die sich ein Jahr lang in großer Anstrengung qualifiziert haben für das Bundesfinale von Jugend trainiert für Olympia und die Paralympics. Die Wettkämpfe finden nämlich gerade in der Hauptstadt statt. Hauptsponsor ist übrigens die Deutsche Bahn AG, aber der haben Sie es ja mal richtig gezeigt!

Haben Sie schon mal in einem Zug gesessen, in dem in jedem Wagen junge Sportler-Teams aus der ganzen Republik skandieren „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!“ ? Weil sie stolz sind auf ihre Leistungen und für ihre Schulen nun auch noch das I-Tüpfelchen einer erfolgreichen Bundesfinal-Teilnahme setzen wollen? Wahrscheinlich nicht. Dann kennen Sie auch die Nöte der Lehrer, Eltern und Betreuer nicht, die Kinder trotz Bahnstreiks dorthin zu bekommen.

Aber sie sind dort angekommen, dank engagierter Menschen und dank Vereinen, die ihre Fahrzeuge zur Verfügung gestellt haben. Ein brandenburgisches Taxi-Unternehmen hat sogar eine ganzes Team kostenfrei in die Hauptstadt gefahren. Aber bei zwei Mannschaften flossen Tränen, die haben es nicht rechtzeitig geschafft. Nur damit Sie das auch mal wissen.

P.S. Mich würde ja mal interessieren, ob Sie auch am 6. Juni streiken wollen, wenn beim Endspiel der Champions League in Berlin viele live dabei sein wollen.....

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- Bahn-Streik geht weiter: Grube macht Pendlern Hoffnung

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