Bald keine Livebilder mehr aus dem Landtag?

Videoübertragung auf der Kippe: Über die Zukunft der Liveübertragung aus dem Landtag entscheidet heute der Ältestenrat. Auf dem Display ist die SPD-Landtagsabgeordnete Nancy Faeser zu sehen. Fotos: dpa

Wiesbaden. Der Ältestenrat berät heute in Wiesbaden, wie es mit dem Stream weitergeht. Seit Sommer wird der Gebärdendolmetscher wegen zu hoher Kosten eingespart.

Das Bild ist bisweilen unscharf und die Verbindung bricht häufiger mal ab: Seit Anfang 2013 gibt es eine Liveübertragung der Debatten aus dem hessischen Landtag. Zugegriffen werden kann im Internet auf der Seite des Radiosenders FFH. Die Zuschauerzahlen sind mau und die Kosten für eine barrierefreie Übertragung hoch. Wie es mit dem Stream weitergeht, darüber entscheidet heute der Ältestenrat in Wiesbaden.

Im Durchschnitt nutzen 1000 Menschen während einer Plenarwoche von drei Tagen das Angebot - nach zweieinhalb Minuten waren die meisten wieder weg, so Pascal Schnitzler, Pressesprecher des Landtags. Die barrierefreie Übertragung der Diskussionen, bei der Gebärdensprach- und Schriftdolmetscher übersetzten, wurde bereits im Sommer eingestellt. Zu hohe Kosten bei zu wenigen Nutzern, teilte die CDU-Fraktion damals mit. 150 000 Euro fielen dafür an. 120 Nutzer klickten pro Woche auf das Angebot, so der parlamentarische Geschäftsführer der CDU, Holger Bellino, im Sommer in Wiesbaden.

Vertrag läuft im Januar aus

Heute sollen im Ältestenrat Alternativen vorgeschlagen werden. Denn Ende Januar 2015 läuft der Vertrag mit FFH über den Stream aus.

Parteiübergreifend gibt es Kritik an der Qualität des Streams, für den FFH pro Jahr 6000 Euro vom Landtag erhält. Es fehlten Bauchbinden mit den Politikernamen und Einblendungen zum aktuellen Tagesordnungspunkt. Die Oppositionsparteien würden sich aber für eine Fortführung eines barrierefreien Livestreams einsetzen, sagt Günter Rudolph, parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion. Die Regierung habe die Entscheidung allerdings bisher immer wieder verzögert.

Die Qualität des Streams müsse verbessert werden, sagt Ulrich Wilken von den Linken. Er vermutet, dass der Livestream abgeschafft und es stattdessen ein Videoarchiv geben wird. Das könne nicht Sinn der Sache sein. Demokratie koste nunmal Geld. Als mögliche Lösung könnte heute offenbar auch eine zeitverzögerte Übertragung im Ältestenrat diskutiert werden, um die Kosten für den Live-Gebärdendolmetscher zu senken.

Von den Grünen und der CDU hieß es, dass man grundsätzlich auch weiterhin für einen barrierefreien Zugang sei. Wie die Lösung nun genau aussehe, müsse abgewartet werden.

Von Max Holscher

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.