Barmer GEK: Krankenhäuser nicht schließen

Berlin - Mehr ambulante Behandlung an Krankenhäusern hat der Chef der größten deutschen Krankenkasse gefordert. Es ginge aber nicht um eine Schließung der Kliniken.

Der Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK, Christoph Straub, mahnte am Montag in Wuppertal die Krankenhäuser, den ökonomischen Druck zu nutzen, um veraltete Strukturen aufzubrechen. „Es geht nicht, wie behauptet, um eine Schließung von Kliniken, sondern um mehr ambulante Versorgungsangebote an Kliniken“, sagte der Kassenchef. Derzeit gibt es rund 2000 Krankenhäuser in Deutschland.

Straub war zuvor von der „Welt“ mit den Worten zitiert worden: „Es gibt heute zu viele Krankenhäuser und vor allem zu viele Krankenhausbetten.“ Deutschland leiste sich Strukturen, die „größer und teurer sind als in anderen Ländern“.

In einer Erklärung wies der Kassenchef darauf hin, dass nach seiner Ansicht viel häufiger als bisher „die interdisziplinäre, personelle und die apparativ-technische Infrastruktur der Krankenhäuser ambulant oder kurzstationär genutzt werden“ sollte. Dabei müssten niedergelassene Ärzte und angestellte Krankenhausärzte sowohl ambulante als auch stationäre Leistungen erbringen können.

Sparmaßnahmen im Krankenhausbereich aufrechterhalten

„Eine Verzahnung von ambulanten, teilstationären und stationären Versorgungsangeboten ist die beste Voraussetzung, um sich im Markt Wettbewerbsvorteile zu verschaffen“, sagte der Kassenchef. Heutzutage könnten immer mehr Behandlungen schneller und schonender auch ambulant durchgeführt werden.

In dem „Welt“-Interview sprach sich Straub auch dagegen aus, den Krankenhäusern den Sparbeitrag aus der Gesundheitsreform zu erlassen. „Es ist nicht sinnvoll, die Sparmaßnahmen im Krankenhausbereich zurückzunehmen und teure Krankenhausstrukturen einfach aufrechtzuerhalten.“

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft hatte zuvor gefordert, die Bundesregierung müsse das Sparpaket lockern, das sie mit der Gesundheitsreform 2011 in Kraft gesetzt habe. Hauptgeschäftsführer Georg Baum sagte: „Die Milliardenüberschüsse beim Gesundheitsfonds und den gesetzlichen Krankenkassen lösen in den Krankenhäusern Zorn über die Fortsetzung der Kürzungsmaßnahmen zulasten der Häuser in Höhe von 600 Millionen Euro im Jahr 2012 aus.“ Kostendämpfung werde trotz der Milliardenüberschüsse der Kassen und trotz der augenscheinlichen Probleme der Kliniken zum reinen Selbstzweck.

Laut Krankenhaus Rating Report 2011 werden bis zum Jahr 2020 ohne Gegenmaßnahmen voraussichtlich etwa zehn Prozent der zurzeit rund 2.000 deutschen Kliniken schließen müssen. Insbesondere für kleine Häuser in kommunaler Trägerschaft würden die nächsten Jahre wirtschaftlich hart. Besonders betroffen werde wohl der ländliche Raum sein.

dapd

Rubriklistenbild: © dpa

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.