Niedersachsens SPD konnte sich am Wochenende nicht auf Spitzenkandidaten einigen

Die Basis soll entscheiden

Herausforderer und Amtsinhaber: Wer gegen Ministerpräsident David McAllister (Mitte) antreten wird, steht noch nicht fest. Immerhin haben SPD-Landeschef Olaf Lies (links) und Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil nun ihre Kandidatur erklärt. Fotos: dpa

Hannover. Von Machtkampf war die Rede, von Intrigen, Druck und dubiosen Deals. Eine Woche nach der Kommunalwahl haben sich Niedersachsens Sozialdemokraten nun doch zu einem Kandidaten-Casting für die Landtagswahl Anfang 2013 durchgerauft. Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil und SPD-Landeschef Olaf Lies stellen sich auf mehreren Regionalkonferenzen der Basis und lassen diese dann Ende November entscheiden, wer als Herausforderer von Ministerpräsident David McAllister (CDU) antritt.

„Ich möchte nächster Ministerpräsident von Niedersachsen werden“, verkündete der 44-jährige Lies am Freitagabend nach einer Sondersitzung des zerstrittenen SPD-Landesverbandes kämpferisch. Am Sonntag zog dann der 52-jährige Weil nach: „Ich will niedersächsischer Ministerpräsident werden“, sagte das Stadtoberhaupt fast wortgleich.

Der ehemalige Staatsanwalt und Richter hatte sich lange geziert, seine Ambitionen auch nur anzudeuten. „Ich fühle mich pudelwohl im Rathaus“, wiederholte Weil gebetsmühlenartig, nachdem sein Name vor knapp einem Jahr erstmals ernsthaft ins Spiel gekommen war.

Wegen seiner souveränen, kompetenten Amtsführung seit 2006, die ihm Anerkennung bis in wichtige Wirtschaftskreise verschafft hat, gilt der populäre Oberbürgermeister als Angstgegner McAllisters. Jetzt nutzte Weil seinen Auftritt prompt, um der schwarz-gelben Landesregierung „massive Versäumnisse“ in der Bildungspolitik, eine dramatische Vernachlässigung der Kommunen und einen Verrat niedersächsischer Interessen - etwa beim Thema Atomkraft - gegenüber der Bundesregierung vorzuwerfen. Und er versuchte mit der Legende aufzuräumen, dass er sich nicht den Mühen einer Urwahl stellen wolle. „Ich halte sie für richtig und freue sich drauf.“

Genau das beansprucht auch der Elektroingenieur aus dem friesischen Sande für sich. Lies hatte nie einen Hehl aus seinem Interesse an einer Spitzenkandidatur gemacht und dabei auch immer eine Urwahl gefordert. Kein Wunder. War er doch vor anderthalb Jahren aus einem Mitgliedervotum gegen SPD-Fraktionschef Stefan Schostok und die ehemalige Umweltministerin Monika Griefahn überraschend als Sieger im Rennen um den SPD-Landesvorsitz hervorgegangen.

Und so rechnet sich sein Lager auch diesmal große Chancen aus. In einer wahren Ochsentour tingelte der smarte Parteichef durch sämtliche Ortsverbände des Landes und gewann dort die einfachen Mitglieder für sich. Dies betrachten die Weil-Befürworter, allen voran SPD-Bundeschef Sigmar Gabriel, durchaus mit Sorge. In den ländlichen Räumen zwischen Nordsee und Harz begegnen viele Genossen dem Großstädter mit Skepsis. Lange Zeit hatten sich darum die mächtigen SPD-Bezirke Hannover und Braunschweig bemüht, eine Urwahl zu verhindern. Seit dem Wochenende aber haben sich die Genossen wieder demonstrativ lieb.

Von Peter Mlodoch

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.