Bayrische Rinder dürfen nach Sommerfrische in Hessen nicht zurück

Da ist der Bauer sauer: Einreisestopp für Vieh

Jossgrund. Zunächst wirkte die Nachricht eher wie ein skurriler Grenzstreit mitten in Deutschland: Bauer Oswald Büttner aus Kleinkahl im Landkreis Aschaffenburg (Bayern) bekommt seine 70 im hessischen Jossgrund-Lettgenbrunn (Main-Kinzig-Kreis) weidenden Rinder nicht zurück in den bayrischen Winterstall, weil die Behörden ein Einreiseverbot verhängt haben.

Hintergrund ist der BHV1-Virus („Stichwort“), den auszurotten das Ziel nicht nur der bayrischen Behörden ist, sondern der gesamten EU. Und kein deutsches Bundesland hat es nach Auskunft des Hessischen Bauernverbandes bisher so weit gebracht wie Bayern, dessen nördlicher Landesteil laut Landratsamt Aschaffenburg sich bereits als BHV1-freie Zone bezeichnen darf. Der Bezirk Unterfranken, in dem sich auch Kleinkahl befindet, wurde im September 2010 anerkannt.

Deshalb soll Bauer Büttner seine Rindviecher vor dem Rücktransport aus der Sommerfrische untersuchen lassen und in eine 30-tägige Quarantäne stecken. Der Bauer, der gestern selbst nicht zu erreichen war, macht nach Auskunft des Landratsamtes geltend, seine Tiere seien vor der Ausreise untersucht worden und hätten im Hessischen keinen Kontakt zu anderen Tieren gehabt. Für ihn ist das Ganze Presseberichten zufolge „ein Schildbürgerstreich“.

Verständnis für Behörden

Dr. Frank Jäger, beim Hessischen Bauernverband Referent für Tierhaltung, sieht das jedoch anders. Es koste Landwirte, Tierseuchenkassen und die Länder bundesweit viele Millionen Euro, die Bestände zu sanieren. Auch Hessen sei inzwischen weit vorangeschritten, aber eben nicht so weit wie Bayern. Er habe daher Verständnis für die Behörden. Der wirtschaftliche Schaden für alle Landwirte sei immens, wenn ein Bezirk nicht mehr als BHV1-frei gelte.

So sieht es auch Horst Bauer, Pressesprecher des Landratsamtes in Aschaffenburg. „Die Anerkennung hat für die Landwirte viele Vorteile, wenn sie ihr Vieh vermarkten, deshalb muss der Einzelne die Spielregeln einhalten.“ Die strikte Haltung hat auch die bayrische Staatsregierung unterstützt, der Schutz müsse „lückenlos“ sein.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

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